Gut, dass wir mal darüber geredet haben! Nicht selten ist das das einzige Fazit, welches Mitarbeiter und Vorgesetzte nach einem Jahresgespräch ziehen. Viel geredet, nichts gesagt und noch weniger erreicht – kein Wunder, das der leidige Pflichttermin zwischen Dezember und März so unbeliebt ist. Oft wird dort dann nur ein reines Alibigespräch abgehalten – und das, obwohl 97 Prozent der Personalverantwortlichen Mitarbeitergespräche durchaus für ein sinnvolles Management-Werkzeug halten. Jedoch sagten 84 Prozent der Befragten einer Studie des Management Institute SECS auch, dass der Austausch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern „mangelhaft und dürftig“ sei.

Vor kurzem wurden zum Thema Jahresgespräche alle im Dax, MDax, TecDax und SDax gelisteten Aktiengesellschaften nach deren Erfahrungen damit befragt, Ergebnis: 90 Prozent der Unternehmen setzen sie seit Jahren ein und die Chefs nehmen sich dafür im Schnitt für jeden Mitarbeiter zwischen einer und zweieinhalb Stunden Zeit. Bei Infineon zum Beispiel kommt sogar noch ein einstündiges Vorgespräch dazu, bevor man für mindestens eine weitere Stunde in die Vollen geht. Natürlich gibt es dazu auch einige Tipps, wie sich Mitarbeiter, aber auch Vorgesetzte optimal auf das Jahresgespräch vorbereiten sollten. Hier eine kompakte Liste:

Ein kleiner Leitfaden für Mitarbeiter

  • Vorbereiten. Informieren Sie sich vorab im Leitfaden Ihres Unternehmens über Zweck und Struktur des Jahresgesprächs. Die meisten Unternehmen haben einen solchen Leitfaden im Intranet. Das nutzt doppelt: Denn in schwierigen Gesprächen oder im Konfliktfall hilft manchmal auch ein dezenter Verweis auf diese Betriebsregeln.
  • Bilanzieren. Welche Projekte, welche Aufgaben sind Ihnen gelungen, was lief nicht so gut? Woran lag es? Wie können Sie und Ihr Chef zu einer Verbesserung beitragen? Wie wollen Sie im Unternehmen vorankommen? Formulieren Sie Ihre persönlichen Ambitionen so, dass klar wird, wie das Unternehmen davon profitiert. Gehen Sie all diese Fragen im Kopf durch, skizzieren Sie Antworten und Gegenargumente, notieren Sie Stichpunkte – dann wirft Sie so leicht nichts aus der Bahn.
  • Eingrenzen. Nachdem Ihr Vorgesetzter klargemacht hat, welche Ziele das Unternehmen im kommenden Jahr verfolgt und wie Sie helfen können, diese zu erreichen, sollten Sie selbst Stellung beziehen: Teilen Sie die Meinung, die Ihr Chef von Ihnen hat? Halten Sie die gesteckten Ziele für realistisch? Sind sie konkret genug? Haken Sie nach, wenn Ihnen Details nicht klar sind. Sprechen Sie aber auch die Rahmenbedingungen an, unter denen Sie Ihre Ziele erreichen sollen. Nicht jedes Jahr verläuft wie geplant. Welche Korrekturen sind also möglich, wenn etwas dazwischenkommt?
  • Präsentieren. Sprechen Sie eigene Ideen an, die das Unternehmen nach vorne bringen und präzisieren Sie Ihre Rolle dabei. Am besten, bevor Ihr Chef Sie dazu auffordert – das beweist Initiative. Und: Sprechen Sie über Projekte, die Sie interessieren. Dazu gehören auch Fortbildungsmaßnahmen oder die Chance, auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Verwechseln Sie das Mitarbeitergespräch aber nie mit einer Gehaltsverhandlung! Feilschen um mehr Geld ist hier tabu – vertagen Sie das auf einen separaten Termin.
  • Protokollieren. Nach dem Gespräch sollten Sie noch einmal kritisch prüfen, ob alle Punkte, die Ihnen wichtig waren, angesprochen wurden. Ansonsten dürfen Sie um ein kurzes Nachgespräch bitten. Zum Schluss werden alle Vereinbarungen in einem Protokoll fixiert, das beide Seiten unterschreiben müssen. Es ist zugleich die Basis für das nächste Jahresgespräch. Und falls Sie zufrieden waren: Loben Sie ruhig auch mal den Chef. Über positives Feedback freut sich jeder.