Niemals aufgeben! Warum Sie weitermachen sollten

Vorhaben, Pläne, Ziele – es ist gut, wenn wir uns etwas vornehmen. Nur so können wir uns entwickeln und etwas erreichen. Solange das keine fixe Idee oder ein Ad-hoc-Einfall bleibt, sondern schon etwas mehr, geht damit allerdings auch ein anderes Phänomen einher: Widerstand. Sei es von außen, durch Kritiker oder Rückschläge – oder durch uns selbst: durch Zweifel, Frust, mäßiges Gelingen. Die Folge: Viele wollen dann einfach nur noch aufgeben, die Flinte ins Korn werfen, einen Schlussstrich ziehen. Aufgeben ist einfach bequemer. Die Anstrengung hört unmittelbar auf, die Kritiker verstummen (triumphierend), das Leiden hat ein Ende… Vorerst. Denn was jetzt kommt, kann noch viel quälender sein. Die bange Frage: Was wäre wenn…? Was wäre, wenn ich nicht aufgegeben hätte? Habe ich vielleicht zu früh hingeschmissen? Aber wie findet man das heraus?

Niemals aufgeben! Warum Sie weitermachen sollten

Aufgeben: Verlockend, aber falsch

Gute Frage. Schwierige Frage. Eine allgemeine und eindeutige Antwort darauf kann es leider nicht geben. Aber sehen wir uns die Sache genauer an…

Das Studium schmeißen, den Job in der Probezeit kündigen, die Selbstständigkeit nach ein paar Monaten wieder an den Nagel hängen… Es gibt unzählige Gelegenheiten, um (vorzeitig) aufzugeben und das Handtuch zu werfen. Und für alle gilt: Aufgeben ist der leichteste Weg. Genau deshalb ist er auch so verlockend.

Kurve Phasen Das Eigene Ding Machen Grafik

Sobald wir Niederlagen, Rückschläge oder Widerstände erleben, geht unsere Motivation regelmäßig auf Talfahrt. Wenn es gerade nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat oder noch mehr Arbeit und Energie investieren muss, damit es weitergeht (wobei die Zukunft ungewiss bleibt), ziehen viele lieber die Reißleine und streichen die Segel.

Das ist nachvollziehbar, menschlich geradezu. Schließlich ist der Weg des geringsten Widerstandes besonders leicht zu begehen. Keine Hürden mehr, die es zu überwinden gilt; keine Steine, die einem in den Weg gelegt werden und auch keine anderen Meinungen, gegen die man sich durchsetzen müsste.

Trotzdem kann aufgeben in vielen Fällen die falsche Entscheidung sein.

Insbesondere dann, wenn wir blind und reflexartig dem Aufgabe-Impuls („Ich mag nicht mehr“) folgen, ohne dafür veritable Gründe zu haben.

Machen Sie sich bitte immer klar: Unter Stress (und Widerstand verursacht großen Stress) reagiert unser Gehirn mit einem Automatismus: Wir spulen unser Urprogramm ab, der Verstand klinkt kurz aus und die scheinbar einzigen sichtbaren Optionen sind: Angriff, Erstarrung, Flucht.

Es wäre allerdings töricht, seine Träume, Ziele und Herzensangelegenheiten einer simplen biochemischen Reaktion zu opfern. Denn was anfangs noch leicht aussieht, hat oft langfristige Konsequenzen, die vielen bei der Entscheidung aufzugeben, noch gar nicht bewusst sind:

  • Sie verlieren Ihr Selbstvertrauen.

    Wer immer wieder aufgibt, glaubt irgendwann nicht mehr daran, dass er irgendetwas schaffen und auch zu Ende bringen kann. Der glaube in die eigenen Fähigkeiten schwindet und das Selbstbewusstsein schrumpft.

  • Sie werden den eigenen Erwartungen nicht gerecht.

    Von uns selbst erwarten wir meist besonders viel – und aufgeben gehört normalerweise nicht dazu. Es ist schmerzlich, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden und sich selbst zu enttäuschen.

  • Sie erreichen keine Ziele.

    Nicht bei jedem Ziel ist es gleich eine große Tragödie, wenn Sie aufgeben (manchmal ist es ja auch richtig so). Doch wird das Aufgeben chronisch und zur Gewohnheit, werden Sie auch die wirklich wichtigen Ziele nur noch aus der Ferne betrachten.

  • Sie entwickeln sich nicht weiter.

    Wir wachsen an Herausforderungen, schwierigen Situationen, Fehlern und Problemen. Wer all dem immer aus dem Weg geht, kann nicht über sich hinaus wachsen und die persönliche Entwicklung bleibt auf der Strecke.

  • Sie müssen mit den Zweifeln zurecht kommen.

    Zweifel gehören zu jedem Wagnis dazu. Niemand kennt die Zukunft. Und gäbe es eine Geling-Garantie, wäre das Leben ein Ponyhof. Es ist aber ein gefährlicher Irrglaube, mit dem Aufgeben hörten auch die Zweifel auf. Das Gegenteil ist richtig: Hätte es doch laufen können?, Was wäre passiert, wenn ich nicht aufgegeben hätte? Solche Fragen können noch Jahre nachhallen und viel quälender sein, als zu scheitern.

    Mehr noch: Die meisten Menschen bereuen am Lebensende, nie die Dinge, die sie gewagt haben und die nicht geklappt haben – sie bereuen die Dinge, die sie immer tun wollen und nicht getan haben!

Aufgeben, um nicht scheitern zu können?

Aufgeben, um nicht scheitern zu könnenWer etwas versucht, kann verlieren. Wer aufgibt, hat schon verloren. – Gerade im beruflichen Kontext ist das leichter gesagt als getan. Scheitern wird in vielen Bereichen immer noch als schweres Versagen gewertet. Es wirkt wie ein Makel, ein dunkler Fleck auf einer sonst weißen Weste.

Dies führt dazu, dass Fehler und Rückschläge von Anfang an vermieden werden oder am Ende gar vertuscht werden. Wir erfinden Ausreden, suchen Schuldige, lenken ab. Hauptsache, nichts falsch gemacht.

Auf lange Sicht entsteht so aber eine gefährliche Abwärtsspirale: Neue Wege werden nicht ausprobiert, Investitionen nicht konsequent umgesetzt, Ziele nicht ernsthaft verfolgt. Kurz: Es wird aufgegeben, bevor es überhaupt losgeht, um sich erst gar nicht dem Risiko des Scheiterns auszusetzen.

Die Angst vor dem möglichen Reputationsschaden (für die Firma) wirkt auf allen Ebenen – persönlich wie unternehmerisch – wie eine Bremse, die Entwicklung blockiert und Träume sterben lässt. Kurz: Es ist eine Sichtweise, von der Sie sich lösen müssen, wenn Sie Großes erreichen wollen.

Gib niemals auf! – Schlechte Gründe fürs Aufgeben

Nun muss man ehrlicherweise zugeben, dass der Appell „Gib niemals auf!“ in dieser Diktion falsch ist. Es gibt durchaus Situationen, in denen es cleverer ist, nicht weiterzumachen, durchzuhalten, noch mehr Zeit oder Geld zu investieren. Der Zug ist abgefahren, das Projekt gescheitert, die Sache funktioniert einfach nicht (oder nicht so). Hier ist aufgeben und sich neu sortieren definitiv die bessere Wahl.

Es ist also kein Fehler, wenn Sie sich dazu entscheiden, Ihren eingeschlagenen Weg immer wieder einer Art kritischem Selbsttest zu unterziehen und noch einmal zu überdenken, ob weitermachen wirklich so klug ist. Womöglich müssen Sie auch nur an ein paar Stellschrauben drehen, um die Sache wieder ans Laufen zu bekommen.

Zwischen den beiden Extrempolen – aufgeben und weitermachen (wie bisher) – gibt es stets eine breite Grauzone für Kurs-Korrekturen und Verbesserungen.

Darin steckt aber schon eine wichtige Lösung: Ob Sie nun aufgeben oder (anders) weitermachen – Sie sollten das stets aus den richtigen Gründen tun. Nie reflexartig und schon gar nicht impulsiv. Einfach Hinschmeißen ist eben keine Lösung.

Tatsächlich wird viel zu oft aus den falschen Gründen aufgegeben. Und genau diese gilt es zu erkennen und zu hinterfragen. Die folgende Liste soll Ihnen genau dabei helfen:

  1. Ihre Ziele entsprechen nicht der Norm.

    Ziele sind jedes Mal individuell. Sie können daher von akzeptierten Normen abweichen. Logisch, dass es da im Umfeld zu Irritationen und Unverständnis kommt. Kurz: Die Leute reden Ihnen Ihr Ding aus oder kaputt. Solche Reaktionen können entmutigen und schüren Zweifel. Der Widerstand zeigt aber meist nur die (geistigen) Grenzen derjenigen, die so reagieren – es sind nicht Ihre Grenzen! Andere Menschen müssen sie nicht zwingend verstehen oder gar unterstützen. Entscheidend ist, dass Sie zu Ihrem Vorhaben weiterhin stehen.

  2. Sie glauben nicht an Ihre Fähigkeiten.

    Immer dann, wenn Sie Neues ausprobieren, überschreiten Sie zwangsläufig Grenzen – Ihre eigenen. Sie erweitern Ihren Horizont, entwickeln neue Fertigkeiten, sammeln neue Erfahrungen. Klar, dass da nicht alles auf Anhieb gelingt und dass Sie hier und da dazu lernen müssen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie das grundsätzlich nicht können. Sie sind auf dem Weg, aber eben noch nicht am Ziel. Aufgeben hieße, das Ziel zu verraten, nur weil der Weg steinig ist. Unterschätzen Sie bitte nie Ihr Potenzial! Statt zu denken: „Das schaffe ich bestimmt nicht!“ sagen Sie sich lieber: „Dafür bin ich noch nicht gut genug.“

  3. Es ist schwerer, als Sie erwartet haben.

    Dieser Punkt ist eng mit dem vorherigen verwandt. Nur weil Sie sich aktuell mit ein paar Schwierigkeiten herumplagen, ist das kein Grund aufzugeben. Machen Sie sich lieber bewusst, warum Sie überhaupt angefangen haben. Dafür gab es schließlich auch einen Grund. Und der verschwindet nunmal nicht, nur weil es schwierig wird. Egal, was Sie erreichen wollen: Probleme gehören dazu, und Hindernisse wollen überwunden werden. Wenn Sie bei jeder Stufe aufgeben, können Sie gleich vor der Treppe steigen.

  4. Sie warten auf den perfekten Zeitpunkt.

    Wenn-dann-Denken ist gefährlich. Gewiss, hat das richtige Timing mitunter großen Einfluss auf den Erfolg. Wer aber immerzu auf den perfekten Zeitpunkt wartet, wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit verpassen. Seien wir ehrlich: Hinter Sätzen, wie „Wenn erstmal XY, dann…“ verstecken sich oft nur Ausreden. Eine simple Vermeidungsstrategie und Ja-Aber-Haltung. Deshalb, daher und darum:
    Wenn-Dann-Denken - auf Zeichen gewartet

  5. Andere sind bereits daran gescheitert.

    Wenn Sie auf Ihr Ziel hinarbeiten, werden Sie früher oder später auf Menschen treffen, die ähnliche Ziele verfolgt haben und daran gescheitert sind. Naturgemäß können solche Fehlschläge und Beispiele abschreckend wirken. Nach der ersten Irritation haben Sie jedoch zwei Möglichkeiten: Sie können sich davon entmutigen lassen und davon ausgehen, dass Sie es auch nicht schaffen werden. Oder Sie können aus den Fehlern anderer lernen und diese auf Ihrem Weg vermeiden. Fehlschläge anderer sind in der Regel kein Grund aufzugeben, im Gegenteil: Sie haben so einen Weg gefunden, wie es nicht geht. Klasse! Das hilft Ihnen, den eigenen Weg noch weiter zu optimieren.

  6. Es geht nicht so schnell, wie Sie wollen.

    Schön und gut, dass Sie sich einen zeitlichen Rahmen gesetzt haben. Limits und Deadlines sind schließlich unser Freund (siehe auch 72-Stunden-Regel). Manchmal halten sich die Umstände aber nicht an solche Vorgaben. Vielleicht war der Rahmen auch zu eng gesteckt oder Sie haben sich zu viel auf einmal vorgenommen. Aber deswegen aufgeben? Keine gute Idee! Nur weil es langsamer voran geht als geplant, sind Sie nicht auf dem Holzweg. Was Ihnen fehlt, ist vielleicht nur etwas mehr Geduld und Ausdauer.

  7. Sie sind sich selbst gegenüber nicht ehrlich.

    Wenn Sie sich ambitionierte Ziele stecken oder große Träumen verwirklichen wollen, liegt in der Regel ein langer Weg vor Ihnen. Nicht wenige wollen das nicht wahrhaben und träumen lieber vom Instant-Erfolg und einer Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere über Nacht. Fatal! Die gibt es nämlich nicht (auch wenn viele damit ihr Geld verdienen, Ihnen genau diese Illusion zu verkaufen). Wenn manche dann aus ihrem rosaroten Traum aufwachen, sind sie erst einmal sauer (auf sich selbst) und möchten am liebsten aufgeben. Auch das ist kein guter Grund. Das Ziel stimmt ja – nur fehlte Ihnen bislang ein realistischer Blick darauf, wie (und wann) Sie selbiges erreichen. Erkenntnis ist aber der erste Schritt zu mehr Selbst-Bewusstsein im Wortsinn. Pflegen Sie jetzt lieber eine Attitüde des realistischen Optimismus und steuern Sie Ihr Ziel nun ebenso pragmatisch wie konsequent an. Dann werden Sie es perspektivisch auch erreichen.

[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]
25. März 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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