Ein Gastbeitrag von der Autorin Bettina Stackelberg
Früher galt die Regel: Über Geld spricht man nicht. Diese Lebensweisheit hat mancher noch von seinen Eltern oder Großeltern mit auf den Weg bekommen. Das Thema Geld ist in unseren Breitengraden immer noch ziemlich tabuisiert – das ist privat, intim, geheim. Darüber spricht man nicht. Halten Sie sich etwa auch daran? Soso. Dann bauen Sie also darauf, automatisch regelmäßige Gehaltserhöhungen zu bekommen oder einen reizenden Chef, der freiwillig und gern mehr Geld gibt als bislang – und zwar weil Sie fleißig sind, gute Leistungen bringen und die Leute sonst ein schlechtes Gewissen bekämen… Und wovon träumen Sie nachts?
Das ist nichts anderes als ein frommer Wunschtraum. Ein naiver dazu, um es mal auszusprechen. Die Realität funktioniert definitiv anders. Eine Gehaltserhöhung will ordentlich vorbereitet sein – auf vielfältige Weise.
Bevor Sie sich jedoch mit der Methode ZDF – Zahlen, Daten, Fakten – auf Ihr Gehaltsgespräch vorbereiten, empfehle ich Ihnen erst mal eine Betrachtung des Themas ganz anderer Art: Ich kenne von meinen Coaching-Klienten einige Behauptungen, die immer wieder bei dem Thema auftauchen. Vielleicht auch bei Ihnen. Also gönnen Sie sich doch diesen kleinen Test: Kommen Ihnen folgende Sätze bekannt vor?
- Das ist doch normal, was ich in der Firma leiste. Dafür kann ich doch nicht mehr verlangen.
- Gute Leistung abzuliefern reicht. Das spricht sich schon rum – bis zum Chef.
- Geld ist mir nicht so wichtig, das Lob meiner Kollegen und Kunden ist mir viel mehr wert.
- Ach, das klappt sicher nicht. Ging den Kollegen in den letzten Jahren auch nicht anders. Hauptsache, die Arbeit macht mir Spaß.
Ganz ehrlich: So wird das sicher nichts mit der selbstbewussten Gehaltsverhandlung.
Bestimmen Sie Ihren Wert!
Was sind Sie (sich) wert? Wie sieht es mit Ihrem Selbst-Wert aus? Was haben Sie damals, als Sie aufgewachsen sind, alles so über das Thema Geld gelernt, sich abgeschaut oder anerzogen bekommen?
- Ist Geld der richtige und wichtige Ausgleich für gute Leistung?
- Oder ist Geld nur schnöder Mammon?
- Haben Ihre Eltern gerne Geld verdient oder mussten sie ihr Leben lang dem Geld hinterher schuften?
- Was assoziieren Sie mit Geld: Freiheit? Status? Belastung? Belohnung?
- Dürfen Sie eine andere Einstellung zum Thema Geld haben: Dürfen Sie mehr verdienen als Ihre Eltern?
- Haben Sie es verdient, viel Geld zu verdienen?
Keine Sorgen, das wird jetzt keine Psychoanalyse. Ich möchte Ihnen nur klarmachen, wie lange unsere Ansichten über Geld und den Umgang damit schon in uns schlummern. Erst wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir uns damit auseinandersetzen, alte Denkmuster ablegen und neue, förderliche einladen.
Also, überlegen Sie: Was sind Sie sich wert – was sind Ihre Leistungen, Ihr Einsatz und Ihre Qualifikationen wert?
Tipps für das Gehaltsgespräch
Nun haben Sie sich dazu entschlossen, mit Ihrem Vorgesetzten ein Gehaltsgespräch zu führen. Jetzt bedarf es guter Vorbereitung!
Als erstes müssen Sie selbst davon zutiefst überzeugt sein, dass Sie eine Gehaltserhöhung verdienen. Wenn Sie selbst schon nicht so recht dran glauben, kommt Ihre Kommunikation dementsprechend wackelig daher und Sie werden nicht überzeugen. Wenn Sie dagegen felsenfest an den Wert Ihrer Arbeit glauben, werden Sie selbstbewusst, konkret und souverän punkten können. Ihr Chef muss dafür mehr Argumente von Ihnen bekommen als ein blasses „Die letzte Gehaltserhöhung ist lange her. Ich wär mal wieder dran.“
Bereiten Sie sich am besten folgendermaßen vor:
- Entschließen Sie sich dazu, sich selbstbewusst zu präsentieren und Eigenverantwortung für Ihr Vorankommen zu übernehmen.
- Werden Sie sich Ihrer Leistung bewusst: Machen Sie eine Liste der Tätigkeiten, Projekte und Erfolge, die in letzter Zeit auf Ihr Konto gingen.
- Entwickeln Sie daraus stichhaltige Antworten auf die Frage: Warum sollte ich Ihnen mehr Geld geben?
- Benennen Sie ein klares Ziel: Wie viel Gehalt wollen Sie künftig bekommen? Bitte überlegen Sie sich eine konkrete Summe und nicht nur „ein bisschen mehr“.
- Ins Gespräch selbst steigen Sie mit zehn bis 20 Prozent Aufschlag ein – dann können Sie entspannt pokern und sich gegebenenfalls ein wenig runterhandeln lassen.
- Üben Sie ein solches Gespräch laut mit Freunden und lassen Sie sich Feedback geben. Achten Sie vor allem auf eine selbstbewusste Körpersprache: gerade, lockere Haltung – aufrechter Kopf (bitte kein schiefgestellter Mädchenkopf!); Augenkontakt; keine Konjunktive – reden Sie Klartext! Und: Nachdem Sie Ihre Argumente genannt haben, geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit, zu antworten. Texten Sie die Stille bloß nicht zu, sondern haben Sie Mut zur Pause.
Nach diesen Vorbereitungen bleibt nur noch eins zu tun: Vereinbaren Sie einen Termin und machen Sie schon mal Pläne, was Sie sich mit dem Geld gönnen, das Sie erfolgreich verhandeln werden. Viel Erfolg!
Über die Autorin
Bettina Stackelberg, Jahrgang 1965, unterstützt als Coach Menschen dabei, selbstbewusster zu werden.
Sie ermutigt ihre Klienten dazu, Zugang zu ihren Ressourcen zu finden, Neues zu entdecken und mit Bewährtem zu verbinden. Die studierte Germanistin aus München ist seit über 20 Jahren Trainerin in der freien Wirtschaft (unter anderem für MAN, BMW und Siemens) und hält Vorträge auf bundesweiten Absolventenkongressen. Soeben ist ihr jüngstes Buch im Beck Verlag erschienen: Angstfrei arbeiten: Selbstbewußt und souverän im Job. Die Karrierebibel veröffentlicht in einer dreiteiligen Artikelserie exklusiv Auszüge aus dem Buch.
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Heiko Stein - Alles Verhandlungssache
Ich hätte noch einen wichtigen Tipp: Gehen Sie niemals in eine Gehaltsverhandlung – vereinbaren Sie immer eine Vertragsverhandlung und ergänzen Sie Ihren “Wunschzettel” um weitere Forderungen wie z. B. zusätzliche Urlaubstage, Bildungsurlaub, Weiterbildungen, Firmenhandy und -Wagen …
Wer ausschließlich um Gehalt verhandelt, kann auch nur Gehalt als Verhandlungsmasse in den Ring werfen.