Asien Knigge: Richtiges Verhalten in Fernost

In vielen Branchen, Unternehmen und Jobs ist internationales Arbeiten heutzutage Normalität. Die Globalisierung hat selbst in kleineren Unternehmen Einzug gehalten und so wird regelmäßig mit Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartnern auf der anderen Seite der Erde zusammengearbeitet. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten, was wir in diesem Asien Knigge für Sie zusammenfassen. Es gilt der altbekannte Spruch: Andere Länder, andere Sitten. Ohne es zu bemerken, springen Sie möglicherweise von einem Fettnäpfchen ins nächste. In unserem Asien Knigge finden Sie die wichtigsten Verhaltensregeln für geschäftliche Kontakte nach Fernost…

Asien Knigge: Richtiges Verhalten in Fernost

Darum ist Asien für viele besonders reizvoll

Für deutsche Arbeitnehmer und Unternehmen gilt Asien als besonders wichtig und interessant. Das ist nicht zufällig so, sondern beruht vor allem auf zwei Gründen: Auf der einen Seite ist Asien ein wichtiger Markt für hiesige Firmen. In ganz Asien finden sich unzählige international tätige Unternehmen, mit denen Geschäfte gemacht werden – als Zulieferer wie auch als Absatzmarkt.

Auf der anderen Seite reizt Asien als Kontinent sehr viele deutsche Berufsanfänger und Mitarbeiter. Ein beruflicher Aufenthalt in Asien macht sich sehr gut im Lebenslauf, gerade bei großen und internationalen Konzernen. So kann in China oder Japan wertvolle Berufserfahrung gesammelt werden, beispielsweise durch ein Praktikum oder eine andere Zusammenarbeit mit asiatischen Unternehmen.

Neben dem beruflichen Interesse ist es die fremde Kultur, die viele Arbeitnehmer anzieht. Raus aus dem typisch deutschen Alltag, neue Erlebnisse in einer fremden Umgebung und ein anderes Land kennenlernen. Nicht nur als Tourist, sondern auch in der Arbeitswelt.

Die Reize und Vorteile liegen auf der Hand, doch sollte nicht vergessen werden: In Asien sind die Gepflogenheiten etwas anders und es gibt einige Fettnäpfchen, in die Sie mit Anlauf hineinspringen können, wenn Sie nicht aufpassen. Gründliche Vorbereitung und Information sollte deshalb unbedingt sein, wenn Sie beruflich im Reich der Mitte oder im Land der untergehenden Sonne unterwegs sind.

Asien Knigge: Die wichtigsten Business-Regeln zu…

Bevor Sie sich auf den Weg nach Asien machen oder mit asiatischen Geschäftspartnern zusammenarbeiten, kann ein Blick in unseren Asien Knigge helfen, um sich mit den wichtigsten Grundregeln und Verhaltensweisen vertraut zu machen, auf die besonders stark geachtet wird oder die deutlich von deutschen Gewohnheiten abweichen.

Allerdings gilt auch: Ihnen wird mit mehr Nachsicht begegnet, da Sie Ausländer sind und gerade im Berufsleben wird auch in Asien größere Internationalität an den Tag gelegt. Trotzdem zeigen Sie Ihrerseits Respekt und Vorbereitung, wenn Sie Rücksicht nehmen und auf die Gepflogenheiten eingehen:

  • Pünktlichkeit

    Pünktlichkeit wird in Japan, China und anderen asiatischen Ländern sehr groß geschrieben. Im Geschäftsleben gilt Unpünktlichkeit als respektlos und als Zeichen fehlender Anerkennung des Gegenübers. Gerade bei einem ersten Kontakt sollten Sie daher unbedingt pünktlich erscheinen, um nicht von Anfang an einen negativen Eindruck zu hinterlassen. Gerade in großen Städten mit enormen Verkehrsaufkommen müssen Sie entsprechend viel Zeit einplanen.

    Pünktlichkeit bedeutet aber nicht, dass Sie auf die Minute da sind, sondern fünf oder besser noch zehn Minuten vorher. Sollten Sie sich verspäten, ist es absolute Pflicht, rechtzeitig anzurufen und Bescheid zu geben, wann Sie voraussichtlich kommen. Treffen Sie dann ein, sollten Sie sich noch einmal kurz entschuldigen – aber nicht in lange Erklärungen ausschweifen, da dies als Ausrede interpretiert werden könnte.

  • Begrüßung

    Die richtige Begrüßung ist leider nicht immer ganz leicht, da es einige Unterschiede auch zwischen den Ländern gibt. Sowohl in China als auch in Japan wird sich zur Begrüßung verbeugt. In der Geschäftswelt gehen immer mehr Chinesen dazu über, die Hand zur Begrüßung zu reichen, in Japan ist man da noch traditioneller und die Verbeugung ist weiterhin verbreitet. Als Europäer reicht es hier allerdings meist, wenn Sie die Verbeugung andeuten, statt sich weit vorzubeugen.

    Wenn Sie unsicher sind, wie Sie bei der Begrüßung vorgehen, können Sie kurz abwarten, wie Sie selbst oder andere Anwesende begrüßt werden und sich daran orientieren. Treffen Sie sich mit mehreren Kontakten gilt: Der oder die Ranghöchste wird zuerst begrüßt – unabhängig vom Geschlecht. Ladys first ist unüblich, stattdessen wird nach der Hierarchie gegangen.

  • Visitenkarte

    Während Visitenkarten hierzulande meist schnell verteilt und dann weggesteckt werden, bekommen diese in asiatischen Ländern eine größere Aufmerksamkeit. Wer diese nur als bedrucktes Stück Papier behandelt, macht einen Fehler. Das bedeutet zunächst: Sie sollten unbedingt hochwertige Visitenkarten dabei haben, wenn Sie für ein asiatisches Unternehmen tätig sind, bekommen Sie diese wahrscheinlich gleich am ersten Tag.

    Egal ob im Meeting, bei Geschäftsterminen oder im Gespräch mit anderen Kontakten: Sowohl in China als auch in Japan werden stets Visitenkarten ausgetauscht. Dabei gilt:

    • Immer mit beiden Händen übergeben.
    • Beim Überreichen nennen Sie Ihren Namen.
    • Erhalten Sie eine Visitenkarte, lesen Sie diese gleich aufmerksam durch.
    • Auf keinen Fall kritzeln Sie respektlos Ihre Notizen darauf.
    • Halten die Karte eine Weile und stecken Sie sie erst dann ein.
    • Aber auf keinen Fall in die Hosentasche. Das ist für Ihr Gegenüber despektierlich.

    Am besten haben Sie ein edles Etui für Visitenkarten vorbereitet. In diesem können Sie sowohl Ihre eigenen aufbewahren, bis diese weitergegeben werden, als auch die erhaltenen Karten gut und respektvoll verstauen.

  • Geschenke

    Gastgeschenke werden auch in China und Japan gern gesehen, wobei es auch hier Besonderheiten gibt, die Sie berücksichtigen sollten. In beiden Ländern sollten Sie darauf achten, dass Ihre Geschenke keine Symbole beinhalten, die eine schlechte Bedeutung haben. In China ist das Beispielsweise die Zahl Vier oder auch eine Uhr – diese stehen in Zusammenhang mit dem Tod und haben in Geschenken nichts zu suchen.

    In Japan sollten Sie sich Scheren, Brieföffner oder Messer als Geschenk verkneifen, da diese für Trennungen stehen, Abbildungen von Fuchs und Dachs gelten als Symbol für Hinterhältigkeit und sollten ebenfalls vermieden werden.

    Typisch japanisch ist es, den Wert des eigenen Geschenks beim Überreichen herunterzuspielen. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich würde mich freuen, wenn Sie diese trotzdem annehmen… Das bedeutet nicht, dass es sich wirklich um ein kleines Präsent handelt, Japaner demonstrieren so jedoch Bescheidenheit.

    Sowohl in China als auch in Japan sollten Sie ein Geschenk allerdings niemals sofort und im Beisein des Gegenübers auspacken. Das wirkt gierig. Verstauen Sie dies lieber vorsichtig und respektvoll, bedanken Sie sich sofort und wiederholen Sie den Dank beim nächsten Zusammentreffen noch einmal.

    Edle und aufwändige Verpackungen machen einen besonders guten Eindruck. Vorsicht: Weißes Geschenkpapier und auch weiße Blumen sind in Japan tabu, weil Weiß die Trauerfarbe des Landes ist.

  • Geschäftsessen

    In Japan und China haben Sie einen Vorteil, wenn Sie mit Stäbchen essen können – diese werden klassischerweise zu jedem Essen gereicht. In der internationalen Geschäftswelt ist es allerdings auch gut möglich, dass Sie zusätzlich Messer und Gabel erhalten. Wenn Sie sich für die Stäbchen entscheiden, sollten Sie damit weder in den Schüsseln umherrühren, noch die Stäbchen hochkant in den Reis stecken – dies ist als Symbol eng mit dem Tod verbunden. Für die Stäbchen wird stets eine kleine, meist hölzerne Ablage bereitgestellt.

    Bei einem chinesischen oder japanischen Geschäftsessen dürfen Sie sich nicht wundern, wenn um Sie herum kräftig geschlürft wird. In Deutschland zeugt dies vielleicht von schlechten Manieren, in China zeigt man so, dass es wirklich gut schmeckt. Auch ist es hier ganz normal, alkoholische Getränke beim Geschäftsessen zu genießen. Sie schenken sich jedoch nicht selbst ein, sondern immer dem Tischnachbarn, wobei in der Regel der Mann für die Frau einschenkt und der Ranghöhere für den Rangniedrigeren.

  • Verhandlungen

    Das Geschäftsessen wird häufig mit einer Verhandlung kombiniert, jedoch gilt hier: Eins nach dem anderen! Beim Essen selbst hat die Verhandlung nichts zu suchen, hier wird über etwas anderes gesprochen. Erst wenn das Essen beendet ist, wird mit der geschäftlichen Verhandlung begonnen.

    Höflichkeit und Respekt sind dabei die wichtigsten Faktoren. Selbst wenn die Meinungen während der Verhandlung und Diskussion auseinander gehen, sollte stets ein sehr freundlicher Ton gewahrt werden. Die Stimme zu heben oder unfreundlich zu reagieren, gilt als absoluter Fauxpas.

  • Einladungen

    Es ist im geschäftlichen Miteinander in Asien ganz normal, dass einer den anderen einlädt, etwa zum angesprochenen Geschäftsessen. Wenn Sie einen Chinesen zum Essen einladen, wird dieser die Einladung zwar gerne annehmen, beim Essen selbst aber zunächst sehr zurückhaltend sein und sich nur eine sehr kleine Portion nehmen. Es gehört zum guten Ton, dass Sie Ihren Gegenüber mehrfach zum Essen auffordern und ihm noch mehr anbieten.

    Werden Sie Ihrerseits eingeladen, können Sie sich an diesem Verhalten orientieren und sollten nicht verwundert sein, wenn Ihr chinesischer Gastgeber Sie immer wieder ermuntert, noch mehr zu essen und ordentlich zuzugreifen.

    In Japan stehen die Chancen hingegen gut, dass Sie in eine Karaokebar eingeladen werden. Hier heißt es: Ob Sie singen wollen oder nicht, ablehnen ist keine Option und ist grob unhöflich. Am besten kommt es an, wenn Sie sich voll und ganz reinhängen und wirklich mitmachen. Ihnen mag das anfangs peinlich sein, im Ansehen Ihrer japanischen Geschäftskollegen steigen Sie jedoch enorm.

  • Kommunikation

    Die Kommunikation in asiatischen Ländern birgt einige Tücken. Zum einen sollten Sie nicht nur aufmerksam zuhören, sondern dies auch im Gespräch zeigen. Indem Sie nach zwei oder drei Sätzen Ihres Gegenübers Ja sagen, demonstrieren Sie, dass Sie aufmerksam sind und wirklich verstanden haben, was gesagt wurde – tun Sie das nicht, könnte Ihr Gesprächspartner davon ausgehen, dass Sie dem Gesagten nicht mehr folgen können.

    Wenn Sie Fragen stellen, sollten Sie daran denken, dass der Wahrheitsgehalt von Auskünften nicht immer so eindeutig ist. In Japan und China möchte niemand zugeben, eine Antwort nicht zu wissen. Sie bekommen also in jedem Fall eine Auskunft, allerdings muss diese nicht unbedingt stimmen. Ein Nein werden Sie hingegen wahrscheinlich nie zu hören bekommen.

    Auf offene Kritik sollten Sie in asiatischen Ländern grundsätzlich verzichten. Ein weiteres No-Go ist, kritische oder peinliche Themen anzuschneiden. Folgende Themen stehen für Sie auf dem Index:

    • Politik
    • Menschenrechte
    • Sex
    • Umweltverschmutzung

    Halten Sie sich lieber an unverfängliche Themen. In Japan sollten Sie zudem vorsichtig mit Komplimenten umgehen. Sie meinen es vielleicht gut, doch ist es besser, den Kollegen um seinen professionellen Rat zu fragen, statt ihn für sein Wissen zu loben.

  • Weiteren Besonderheiten

    Zum Abschluss noch einige allgemeine Hinweise, an die Sie in China und Japan denken sollten: So gilt das Naseputzen und Schneuzen als großes Tabu und sollte in Gegenwart von anderen tunlichst vermieden werden. Sollten Sie sich bei einem Geschäftstermin oder Essen die Nase putzen müssen, empfiehlt es sich, mit einer kurzen Entschuldigung auf die Toilette zu gehen und erst dort das Taschentuch rauszuholen.

    Auch sollten Sie daran denken, stets Ihre Schuhe auszuziehen, wenn Sie eine Wohnung betreten. Alles andere wäre sehr respektlos vor dem privaten Wohnraum Ihres Gastgebers. Zu guter Letzt sind Asiaten stets darauf bedacht, das Gesicht zu wahren. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, Ihren Gegenüber nicht zu beleidigen oder zu verärgern. Sollten Sie es doch tun, reagieren Chinesen und Japaner häufig nur noch mit Desinteresse.

[Bildnachweis: deviyanthi79 by Shutterstock.com]
13. Februar 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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