Noch immer verdienen Frauen trotz vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit rund 23 Prozent weniger als Männer. Diskriminierung am Arbeitsplatz nennen das viele. Zu Recht. Doch scheinen das einige Frauen ganz anders zu sehen. Laut aktuellen Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Universität Bielefeld und der Universität Konstanz finden die Frauen die ungleiche Bezahlung durchaus „gerecht“.

Die Wissenschaftler um Stefan Liebig, Jürgen Schupp und Thomas Hinz befragten dazu rund 10.000 Arbeitnehmer und wählten eine recht innovative Fragetechnik: Sie erkundigten sich nämlich nicht nach der Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, sondern zunächst nach der individuell empfundenen. Wer also meinte, sein Gehalt sei ungerecht (weil zu niedrig), sollte dann den angemessenen Betrag nennen. Und dabei stellten die Wissenschaftler Erstaunliches fest: Zwar empfanden die meisten Arbeitnehmer– wenig überraschend – ihr Einkommen als zu niedrig, jedoch stuften die Frauen ihr Idealgehalt noch deutlich unter dem derzeit tatsächlichen Gehalt der Männer ein – und das sowohl bei ungelernten Kräften wie bei Akademikerinnen. Stark verkürzt ließe sich auch sagen: Frauen geben sich schlicht mit weniger zufrieden als Männer.