Wohin man bei Stellenangeboten für Hochschulabsolventen auch schaut: Es wimmelt vor Anzeigen für Trainee-Programme. Doch Trainee-Programm ist nicht gleich Trainee-Programm. Die Qualität der Ausbildung, die Bezahlung und die Karriereperspektiven unterscheiden sich enorm. Kein Wunder: Es fehlen jegliche Standards. Somit kann jedes Unternehmen ein Trainee-Programm mit eigenen Rahmenbedingungen anbieten. Entsprechend uneinheitlich ist das Angebot und groß die Verunsicherung der Absolventen.

Was macht ein Trainee-Programm aus?

Die Kernidee hinter einem Trainee-Programm ist, dass der Teilnehmer (in aller Regel Hochschulabsolventen) praxisnah zu einer vielseitig einsetzbaren Nachwuchskraft ausgebildet wird. Dazu durchläuft er verschiedene Abteilungen und Bereiche, um das Unternehmen in seiner Gesamtheit kennenzulernen. Der Trainee soll lernen, abteilungsübergreifend zu denken und zu handeln, so dass er auf seiner Zielposition nicht nur seinen eigenen Fachbereich im Blick hat, sondern auch die Auswirkungen auf andere Unternehmensbereiche in seine Entscheidungen mit einbezieht.

Neben allgemeinen Trainee-Programmen bieten Unternehmen auch Traineeships mit einem bestimmten fachlichen Schwerpunkt an. Beispielsweise lernt ein HR-Trainee nicht alle Abteilungen des Unternehmens kennen, sondern die HR-relevanten Bereiche wie Personalentwicklung, Recruiting, Lohnkostenabrechnung, Arbeitsrecht, Organisation etc. Die Trainee-Ausbildung wird durch regelmäßige fachliche Weiterbildungsmaßnahmen ergänzt.

Diese Nachwuchsprogramme der Konzerne richten sich vornehmlich an zielstrebige Berufseinsteiger mit überdurchschnittlichen Hard und Soft Skills, sogenannte High Potentials. Vor allem große Konzerne bilden so ihre eigenen Fach- und Führungskräfte von morgen aus. Als Paradebeispiel für den Erfolg dieser Strategie dient der heutige Beiersdorf–CEO Thomas Quass, der seinerzeit das Trainee-Programm des Unternehmens Anfang der Achtzigerjahre absolvierte.

Die Vorteile gegenüber dem Direkteinstieg liegen vor allem in der umfassenderen Ausbildung. Außerdem lernen die Trainees durch die Stationswechsel viele Entscheidungsträger innerhalb der Firma kenne. Für den beruflichen Aufstieg kann dieser Netzwerkaufbau von hohem Nutzen sein. Häufig gleicht das die im Vergleich zum Direkteinsteiger geringere Bezahlung aus.

Fehlende Standards sorgen für Verwirrung

Doch bei Trainee-Programmen gibt es keinerlei Richtlinien, wie es beispielsweise in der IHK-Ausbildungsordnung für Azubis geregelt ist. Jedes Unternehmen kann sein eigenes Trainee-Programm ausrufen, ohne sich an bestimmte Vorschriften halten zu müssen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Unternehmen die Unsicherheit der Absolventen beim Berufseinstieg und die Angst vor der Arbeitslosigkeit ausnutzen.

Unter dem ansprechenden Label „Trainee-Programm“ bieten sie Jobs an, die nichts oder nur wenig mit der eigentlichen Idee gemein haben und substituieren damit Stellen für Direkteinsteiger – nur bei geringerer Bezahlung.

Es fehlt entweder an den Ressourcen, dem Know-how oder dem Willen, ein hochwertiges Trainee-Programm anzubieten und umzusetzen. Nicht nur bei kleinen Unternehmen ist das zu beobachten. Beispielweise bietet ein renommiertes Berliner Hotel ein dreimonatiges Trainee-Programm im Servicebereich an. In so kurzer Zeit eine fundierte Ausbildung zu absolvieren, ist ambitioniert. Meistens handelt es sich in solchen Fällen aber lediglich um ein besseres Praktikum.

Es bedarf einheitlicher Standards, um Hochschulabsolventen beim Eintritt in die Arbeitswelt eine bessere Orientierung zu bieten.

Ähnlich sieht dies Sebastian Müller, Referent in der Personalentwicklung der Jungheinrich AG und mitverantwortlich für das Hochschulmarketing. Das Unternehmen bietet eigenen Angaben zufolge seit 35 Jahren ein etabliertes Nachwuchsprogramm für Hochschulabsolventen an und plädiert für einen differenzierten Umgang: “Mittlerweile wird der Begriff Trainee-Programm inflationär benutzt. Wir raten jedem Bewerber, Struktur, Inhalt und Zielsetzung des Trainee-Programms zu hinterfragen.”

Das Fehlen einheitlicher Standards sorgt bei Jobsuchenden für große Verwirrung. Durch den Namen Trainee-Programm ist jedenfalls nicht ersichtlich, um was für eine Ausbildung es sich handelt, welche Inhalte und Perspektiven sich dahinter verbergen.

Checkliste für ein hochwertiges Trainee-Programm

Bewerber sollten sich daher vorab gründlich über die angebotene Trainee-Stelle und das Unternehmen informieren. Schließlich stellt der erste Job nach dem Studium die Weichen für den Verlauf der weiteren Karriere.

Ein hochwertiges Trainee-Programm zeichnet sich vor allem durch folgende Aspekte aus:

  • Je hochwertiger das Programm, desto anspruchsvoller ist auch der Auswahlprozess. Ein Assessment Center innerhalb des Bewerbungsprozesses ist ein Indiz für ein fundiertes Trainee-Programm.
  • Der Trainee bekommt im Vorfeld seine kurz- und mittelfristigen Karrierechancen im Unternehmen aufgezeigt.
  • Der Trainee durchläuft verschiedene Abteilungen und lernt unterschiedliche Unternehmensbereiche kennen („job rotation“). Die individuellen Stärken der Trainees finden bei der Wahl der einzelnen Ausbildungsstationen Berücksichtigung.
  • Die Ausbildung ist transparent und läuft strukturiert ab. Der Trainee bekommt einen Ansprechpartner (Mentor) zur Seite gestellt, der regelmäßig Feedback gibt und den Trainee an seinem Erfahrungsschatz teilhaben lässt.
  • Für die fachliche und persönliche Weiterentwicklung, finden kontinuierlich Trainings und Workshops statt („trainings-off-the-job“). Haniel bildet seine Trainees beispielsweise an der unternehmenseigenen Akademie aus.
  • Für den Aufbau persönlicher Beziehungen zu anderen (angehende) Fach- und Führungskräften des Unternehmens finden regelmäßig Netzwerktreffen statt.
  • Das Gehalt liegt nicht signifikant unterhalb der Vergütung eines Direkteinsteigers gleicher Qualifikation.
  • Das Trainee-Programm dauert mindestens zwölf bis 24 Monate, um einen umfassenden Einblick in das Unternehmen und die Branche gewährleisten zu können.
  • Der Trainee erhält eigene Projekte und verantwortungsvolle Aufgaben.
  • Das Trainee-Programm ist fest auf eine Übernahme der Teilnehmer ausgerichtet (Tipp für Bewerber: nach der bisherigen Übernahmequote fragen!).
  • Die spätere Zielposition ist zu Beginn des Programms noch nicht genau festgelegt, da die Entwicklung des Trainees im Laufe des Programms berücksichtigt wird.
  • In seiner Zielpositionen hat der Trainee einen eigenen Verantwortungsbereich und bekommt ein signifikant höheres Gehalt.

Chance für Quereinsteiger

Natürlich kann nicht jedes Trainee-Programm alle Kriterien erfüllen, was sich durch die Vielfalt der Unternehmen erklärt. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben nicht die finanziellen und personellen Kapazitäten wie große Konzerne. Dennoch müssen ihre Berufseinstiegsprogramme nicht zwangsläufig schlecht sein.

Bewerber sollten deshalb immer das Gesamtpaket betrachten und das Angebot in Relation zu ihren Qualifikationen und beruflichen Zielen setzen. Bei weniger anspruchsvollen Trainee-Stellen ergeben sich vermehrt Einstiegschancen für Quereinsteiger und Absolventen mit unterdurchschnittlicher Qualifikation, denen der schnelle Einstieg in den Arbeitsmarkt schwer fällt.

Das Etablieren von einheitlichen und verbindlichen Mindeststandards für alle Unternehmen wäre allerdings dennoch ein konsequenter Schritt in die richtige Richtung.

Über den Autor:

Der gelernte Wirtschaftspädagoge Lukas große Klönne ist Redaktionsleiter der Jobbörse Absolventa und Initiator des Trainee-Infoportals Trainee-Gefluester

Apropos: Kennen Sie eigentlich schon die Karrierebibel Jobbörse? Dann schauen Sie doch mal vorbei…