Änderungsvertrag: Muster + Welche Regeln beachten?

Der Arbeitsvertrag regelt die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit. Anpassungen – etwa zum Gehalt oder der Arbeitszeit – sind nicht einseitig möglich, sondern müssen über einen Änderungsvertrag erfolgen. Wir zeigen mit Muster, wie ein Änderungsvertrag in der Praxis aussieht und was Sie dabei unbedingt beachten müssen…

Aenderungsvertrag Zustimmen Was Beachten Arbeitsrecht

Definition: Was ist ein Änderungsvertrag?

Der Änderungsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, mit der ein bestehender Arbeitsvertrag modifiziert und angepasst wird, ohne diesen zu ersetzen. Stimmen beide Parteien der Änderung zu, werden die Bedingungen aus dem Änderungsvertrag gültig und das laufende Arbeitsverhältnis entsprechend angepasst.

So können einzelne Aspekte verändert werden, ohne einen komplett neuen Vertrag aufzusetzen. Ein Änderungsvertrag ist dabei immer eine einvernehmliche Lösung, die nur wirksam wird, wenn Unternehmen und Mitarbeiter zustimmen. Hier können Arbeitnehmer selbst frei entscheiden, ob Sie unterschreiben oder ablehnen.

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Gründe: Wann braucht es einen Änderungsvertrag?

Grundsätzlich gilt: Einen Änderungsvertrag braucht es, weil Bestimmungen aus einem geschlossenen Arbeitsvertrag nicht einfach einseitig geändert werden dürfen. Arbeitgeber können nicht entscheiden, zentrale Rahmenbedingungen oder Hauptpflichten aus dem Vertrag anzupassen.

In der Praxis gibt es viele konkrete Gründe, warum sich Arbeitsbedingungen ändern und ein Änderungsvertrag nötig ist. Einige häufige Szenarien:

Ausnahmen: Wann braucht es keinen Änderungsvertrag?

Manche Änderungen kann der Arbeitgeber bereits über sein Direktionsrecht klären. Demnach dürfen Vorgesetzte durch Weisungen Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung genauer bestimmen. So werden Mitarbeiter gemäß den betrieblichen Erfordernissen eingesetzt. Es braucht deshalb nicht gleich einen Änderungsvertrag, wenn Sie eine Aufgabe erledigen sollen, die nur zum erweiterten Tätigkeitsbereich Ihres Jobs zählt.

Weitere Ausnahme: Sind mögliche Änderungen und Flexibilität bereits im Arbeitsvertrag vereinbart, wird ein Änderungsvertrag überflüssig. Regelt Ihr Vertrag einen möglichen Einsatz an verschiedenen Standorten des Arbeitgebers, kann Ihr Chef Sie auch dort einsetzen – selbst wenn Sie vorher nur am Hauptsitz gearbeitet haben.

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Inhalt eines Änderungsvertrags: Was muss drinstehen?

Durch die geltende Vertragsfreiheit in Deutschland gibt es keine konkreten Vorgaben für Form und Inhalt eines Änderungsvertrags. Trotzdem sollten die Vereinbarungen aufgrund der Nachweisbarkeit immer schriftlich festgehalten werden.

Wichtig sind zudem die folgenden Inhalte, damit die vertraglichen Abmachnungen klar sowie transparent sind und Problemen vorbeugen:

    Titel

    Das Dokument sollte einen eindeutigen Titel tragen. Es wird sofort klar, worum es geht und um welchen Vertrag es sich handelt

  • „Änderungsvertrag zum Arbeitsvertrag vom TT.MM.JJJJ“
  • „Änderungsvertrag für den am TT.MM.JJJJ geschlossenen Arbeitsvertrag“
  • Vertragsparteien

    Aus dem Änderungsvertrag muss eindeutig hervorgehen, zwischen welchen beiden Vertragsparteien dieser geschlossen wird. Dazu braucht es die entsprechenden persönlichen Daten des Arbeitnehmers und des Unternehmens.

  • Name, Anschrift, Position, gegebenenfalls Mitarbeiternummer
  • Firma, Rechtsform, Anschrift (des Unternehmens)
  • Bezug auf bestehenden Arbeitsvertrag

    In einer kurzen Formulierung sollte noch einmal deutlich gemacht werden, was durch den Vertrag vereinbart wird und auf welchen Arbeitsvertrag die Änderungen sich beziehen.

  • „Die Parteien schließen folgenden Änderungsvertrag zum Arbeitsvertrag vom TT.MM.JJJJ“
  • „Die im Arbeitsvertrag vom TT.MM.JJJJ getroffenen Vereinbarungen werden einvernehmlich geändert.“
  • Konkrete Änderungen und neue Vereinbarungen

    Zentraler Inhalt sind die konkreten Änderungen, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgehalten werden. Oft ist dies im Änderungsvertrag ein Aspekt des laufenden Vertrages (zum Beispiel das Gehalt) – es können aber auch mehrere Bestimmungen über einen einzelnen Vertrag angepasst werden.

  • „Die wöchentliche Arbeitszeit wird auf 5 Stunden reduziert.“
  • „Das monatliche Bruttogehalt beträgt 3.500 Euro.“
  • Zeitpunkt der Änderungen

    Wichtig ist der konkrete Zeitpunkt, ab dem die Veränderungen gelten. Hier sollte ein genaues Datum genannt werden, zu dem die neuen Bestimmungen wirksam werden.

  • „Die Vereinbarungen werden zum TT.MM.JJJJ geändert.“
  • „Die Anpassungen dieses Änderungsvertrages treten am TT.MM.JJJJ in Kraft.“
  • Hinweis auf andere Vertragsbestandteile

    Der Änderungsvertrag macht noch einmal deutlich, dass nur die genannten Rahmenbedingungen geändert werden. Für den restlichen Arbeitsvertrag hat die Vereinbarung keinerlei Auswirkungen.

  • „Alle weiteren Bestandteile des Arbeitsvertrages bleiben von den Änderungen unberührt.“
  • „Im Übrigen gelten die bisherigen Regelungen unverändert fort.“
  • Unterschriften beider Vertragsparteien

    Gültig und wirksam ist der Änderungsvertrag erst, wenn beide Seiten ihre Unterschrift auf das Dokument gesetzt haben. Das beweist, dass beide Vertragsparteien den Änderungen zustimmen und es sich nicht um den Versuch einer einseitigen Vertragsanpassung handelt.

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Änderungsvertrag Muster

Das folgende Muster zeigt, wie ein Änderungsvertrag zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer aussehen kann. In unserem Muster wird sowohl eine Änderung der Arbeitszeit als auch des monatlichen Gehalts vereinbart.

In der Praxis hängt die Gestaltung vom Unternehmen, aber auch von Art und Umfang der Änderungen ab. Das Muster können Sie direkt im Browser editieren und zum Beispiel als Word-Datei abspeichern. Klicken Sie dafür einfach in den Kasten:

Änderungsvertrag

Änderungsvertrag zum Arbeitsvertrag vom TT.MM.JJJJ
zwischen [Name des Arbeitgebers] und Herrn/Frau [Name des Arbeitnehmers].

Zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer werden die im Arbeitsvertrag vom TT.MM.JJJJ geschlossenen Vereinbarungen mit dem TT.MM.JJJJ einvernehmlich geändert.

Zu diesem Zeitpunkt werden folgende Veränderungen wirksam:

  1. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 5 Stunden die Woche. Der Arbeitstag beginnt um 8 Uhr und endet um 14 Uhr.
  2. Das monatliche Gehalt des Arbeitnehmers beläuft sich auf 2.580 Euro.

Alle weiteren im Arbeitsvertrag aufgeführten Vereinbarungen bleiben davon unberührt.

________________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitnehmer

________________________________
Ort, Datum, Unterschrift Arbeitgeber

Disclaimer: Dieses Muster dient lediglich als Beispiel und zur Orientierung. Es ersetzt keine fachliche Prüfung und Beratung durch einen Anwalt für Arbeitsrecht. Falls Sie das Muster verwenden, übernehmen wir keinerlei Haftung für die korrekte Anwendung im Einzelfall.

Muster: Kostenloser Download

Dieses Änderungsvertrag Muster können Sie direkt kostenlos über den folgenden Button als PDF herunterladen:

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Checkliste: Richtig auf einen Änderungsvertrag reagieren

Ein Änderungsvertrag kann wichtige Bedingungen Ihres Arbeitsverhältnisses anpassen – nicht immer nur zu Ihrem Vorteil. Entsprechend wichtig ist, dass Sie richtig darauf reagieren und sich genau überlegen, wie Sie vorgehen.

Unsere Checkliste zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie jetzt tun sollten:

    1. Änderungsvertrag in Ruhe prüfen

  • Vertrag nicht sofort unterschreiben
  • Ausreichend Bedenkzeit einfordern (mindestens 5-7 Tage)
  • Dokument sorgfältig und in Ruhe lesen
  • 2. Auswirkungen verstehen

  • Änderungen und Konsequenzen analysieren
  • Vor- oder Nachteile einordnen
  • Langfristige Folgen beurteilen
  • 3. Betriebsrat einschalten (falls vorhanden)

  • Betriebsrat über Änderungsvertrag informieren
  • Fragen und Unklarheiten klären
  • Mögliche Risiken einschätzen
  • 4. Rechtlichen Rat einholen

  • Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen
  • Um eine rechtliche Bewertung bitten
  • Möglichkeiten besprechen
  • Dieser Punkt ist besonders wichtig bei Verschlechterung der Bedingungen oder der Androhung einer Änderungskündigung (mehr dazu weiter unten).

    5. Verhandlungen führen

  • Eigene Änderungswünsche anbringen
  • Gegenvorschläge und Alternativen formulieren
  • Bessere Bedingungen aushandeln
  • 6. Entscheidung treffen

  • Unterschreiben, wenn Bedingungen stimmen
  • Weitere Verhandlungen anstreben
  • Ablehnen, wenn Bedingungen inakzeptabel sind
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Muss ich einem Änderungsvertrag zustimmen?

Die Zustimmung zu einem Änderungsvertrag ist immer freiwillig und Ihre eigene Entscheidung. Der Arbeitgeber darf Sie weder dazu drängen noch unter Druck setzen. Wollen Sie die angepassten Bedingungen nicht akzeptieren, können Sie einen Änderungsvertrag ohne Angabe von Gründen ablehnen.

In diesem Fall bleiben die bisherigen Rahmenbedingungen unverändert weiter bestehen. Eigenständig kann das Unternehmen dies nicht ändern – es bleibt aber die Möglichkeit zu einer Änderungskündigung, um Mitarbeiter zur Zustimmung zu bewegen.

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Änderungsvertrag nicht unterschreiben: Die Änderungskündigung

Mit einer Änderungskündigung bietet der Arbeitgeber Ihnen an, das Arbeitsverhältnis unter neuen oftmals schlechteren Bedingungen fortzuführen. Stimmen Sie nicht zu, greift die Kündigung und die Zusammenarbeit wird endgültig beendet.

Das ist jedoch nicht in jedem Fall möglich. Für eine solche Änderungskündigung gelten einige Voraussetzungen:

  • Formale Voraussetzungen der Kündigung müssen erfüllt sein.
  • Eine Weiterbeschäftigung zu aktuellen Bedingungen ist nicht möglich.
  • Es gibt keine übermäßigen und unverhältnismäßigen Verschlechterungen.
  • Falls vorhanden, gab es eine Information und Anhörung des Betriebsrats.

Wie auf eine Änderungskündigung reagieren?

Bei einem solchen Angebot will der Arbeitgeber Sie nicht kündigen, ermöglicht das weitere Arbeitsverhältnis aber nur zu den angepassten Bedingungen. Als Arbeitnehmer haben Sie drei Möglichkeiten:

  1. Sie nehmen das Angebot an

    Damit wird das Arbeitsverhältnis unter den neuen Konditionen ab dem Augenblick weitergeführt, ab dem die Kündigung gewirkt hätte. Sie behalten Ihren Job, müssen sich aber mit den neuen Bedingungen arrangieren.

  2. Sie lehnen das Angebot ab

    Aus der Änderungskündigung wird nun eine Beendigungskündigung. Diese kann innerhalb von 3 Wochen mit einer Kündigungsschutzklage angefochten werden.

  3. Sie nehmen das Angebot unter Vorbehalt an

    Sie halten die Änderungen nicht für sozial gerechtfertigt und erheben Klage. Heißt: Sie stimmen unter Vorbehalt zu und arbeiten zu den neuen Bedingungen weiter – bis ein Arbeitsgericht die Wirksamkeit geklärt hat. Entscheidet das Arbeitsgericht zu Ihren Gunsten, muss der Arbeitgeber Sie zu den alten Konditionen weiterbeschäftigen. Wird die Kündigung als rechtens anerkannt, haben Sie weiterhin die Position zu den neuen Bedingungen.

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FAQ: Fragen und Antworten zum Änderungsvertrag

Zum Abschluss haben wir noch einmal die häufigsten Fragen rund um den Änderungsvertrag in einem übersichtlichen FAQ für Sie zusammengefasst und beantwortet:

Was ist ein Änderungsvertrag?

Ein Änderungsvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung, mit der bestehende Regelungen eines Arbeitsvertrags angepasst werden. Er ersetzt den ursprünglichen Vertrag nicht, sondern ergänzt oder modifiziert nur bestimmte Punkte.

Ist ein Änderungsvertrag verpflichtend?

Die Zustimmung zu einem Änderungsvertrag ist stets freiwillig. Eine solche Abmachung kann nur im gegenseitigen Einvernehmen geschlossen werden. Arbeitnehmer können eine vorgeschlagene Änderung ablehnen, Arbeitgeber dürfen nicht dazu drängen oder Sanktionen verhängen. Sie können jedoch die Möglichkeit einer Änderungskündigung prüfen.

Wie unterscheiden sich ein Änderungsvertrag und eine Änderungskündigung?

Ein Änderungsvertrag ist eine einvernehmliche Lösung ohne Kündigungsfristen. Eine Änderungskündigung stellt hingegen vor die Wahl: Stimmen Sie den neuen Bedingungen nicht zu, endet das Arbeitsverhältnis und die Kündigung wird wirksam.

Kann ein Änderungsvertrag mehrere Änderungen gleichzeitig enthalten?

Sollen mehrere Anpassungen zu einem Arbeitsvertrag vorgenommen werden, können alle gewünschten Änderungen in einem Dokument zusammengefasst werden. Wichtig ist aber, dass jede Änderung klar formuliert und nachvollziehbar strukturiert wird. Unklare oder unvollständige Passagen können später zu juristischen Problemen führen.

Kann ein Änderungsvertrag Vorteile für Arbeitnehmer haben?

Änderungsverträge müssen nicht schlecht sein. Sie können auch zahlreiche Verbesserungen beinhalten: höhere Vergütung, Homeoffice-Regelungen, flexible Arbeitszeiten, neue Zusatzleistungen… Teilweise haben Mitarbeiter sogar Mitgestaltungsmöglichkeiten durch Gespräche und Verhandlungen mit dem Arbeitgeber.


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