Flugverspätung: Wann gibt es eine Entschädigung?

Reisen könnte so viel Spaß machen. Leider wird die Freude über die Urlaubs- oder Geschäftsreise aber oft schon an Flughafen und Bahnhof durch kräftige Verspätungen getrübt. 60 Minuten, 90 Minuten, 120 Minuten oder auch die Bekanntgabe, dass der Flug oder Zug ganz ausfällt, sind dabei keine Seltenheit. Verspätungen und Ausfälle lassen sich zwar nicht verhindern, bei langen Wartezeiten steht Passagieren aber eine Entschädigung zu, die in vielen Fällen nicht in Anspruch genommen wird. Dabei ist es gar nicht schwer, sein Geld zurück zu bekommen…

Flugverspätung: Wann gibt es eine Entschädigung?

Geld zurück: Ab wann steht Passagieren eine Erstattung zu?

Wahrscheinlich hat es jeder schon einmal erlebt: Mit gepackten Koffern stehen Sie am Flughafen oder Bahnsteig und starren frustriert auf die Anzeigetafel: Eine stundenlange Verspätung kündigt sich dort an – schlimmstenfalls gar die Annullierung beziehungsweise der Ausfall des Zuges oder Fluges.

Millionen Passagiere erleiden dieses Schicksal jedes Jahr – wodurch in vielen Fällen ein Anspruch auf eine entsprechende Entschädigung beziehungsweise Erstattung des Tickets entsteht. Oft wird dieser aber nicht geltend gemacht, weil sich die Betroffenen entweder mit der Situation abfinden oder schlicht nicht wissen, dass ihnen Geld zusteht und wie sie es bekommen können.

Damit Ihnen das nicht passiert und Sie wissen, ob und wann Ihnen eine Entschädigung für einen verspäteten Flug zusteht, haben wir die wichtigsten Punkte zusammengestellt:

Verspäteter Flug: Wann gibt es eine Entschädigung und Geld zurück?

  • Ab einer Verspätung von drei Stunden – wenn die Ursache bei der Airline liegt und keine außergewöhnlichen Umstände wie besonders schlechtes Wetter oder ein Streik gegeben sind – haben Fluggäste ein Anrecht auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro.
  • Ab einer Verspätung von zwei Stunden muss die Airline für Verpflegung der Passagiere sorgen und Getränke zur Verfügung stellen.
  • Findet der Flug erst am nächsten Tag statt, haben Sie Anspruch auf die Übernachtung und den entsprechenden Transfer zu einem Hotel.
  • Wie hoch die tatsächliche Entschädigung bei einer Verspätung ist, richtet sich nach der Entfernung Ihrer Flugstrecke. Bei einem Flug bis zu 1500 Kilometern werden 250 Euro erstattet, bei einer Entfernung von mehr als 3500 Kilometern zum Zielort stehen Ihnen 600 Euro zu.

Dies gilt für Pauschalreisen genauso wie für direkt gebuchte und verspätete Flüge.

Verspäteter Zug: Welche Erstattung steht mir zu?

  • Ab einer Verspätung von 20 Minuten ist die Zugbindung einer Fahrkarte aufgehoben und Sie können auch mit einem anderen Zug fahren.
  • Kommen Sie mehr als 60 Minuten zu spät an Ihrem Zielbahnhof an, stehen Ihnen 25 Prozent des Fahrtpreises als Entschädigung zu.
  • Steigt die Verspätung auf mehr als zwei Stunden, können Sie 50 Prozent des Preises erstattet bekommen.

Diese Regelungen zu kennen ist, allerdings nur der erste Teil. Sie müssen Ihre Forderungen anschließend immer noch selber geltend machen, um auch tatsächlich eine Entschädigung zu erhalten.

Verspäteter Flug: So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Zunächst einmal richten Sie sich mit Ihrem Wunsch nach Entschädigung direkt an die zuständige Airline oder die Bahn. Dabei müssen Sie genau angeben, wann Sie reisen wollten, welchen Start- und Zielort Ihre Reise hatte und warum Sie eine Erstattung fordern.

Wichtig: Heben Sie für diesen Fall immer Ihre Tickets auf oder machen Sie Screenshots und Kopien von elektronischen Flug- oder Bahn-Tickets!

Hier hilft es, wenn Sie den genauen Grund für die Verspätung auflisten können – am besten bestätigt durch einen Mitarbeiter der Airline oder Bahn. Im besten Fall kommt es hier bereits zu einer Einigung und der Verkehrsdienstleister überweist Ihnen die entsprechende Entschädigung direkt aufs Konto. Leider läuft es nicht immer ganz so einfach ab.

Dann haben Sie immer noch die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zu wenden und einen kostenlosen Schlichtungsantrag zu stellen. Auf diese Weise können Sie Ihre Entschädigung doch noch erhalten.

Verkaufen Sie Ihren Anspruch auf Entschädigung

Verkaufen Sie Ihren Anspruch auf EntschädigungNoch einfacher geht es inzwischen über das Internet. Da sich nicht jeder Passagier, der Anspruch auf eine Entschädigung wegen Flugverspätung hat, selbst darum kümmern möchte, Anträge ausfüllen oder im Zweifelsfall mehrere Monate auf die Erstattung zu warten, gibt es inzwischen auch zahlreiche Online-Dienstleister, die das für Sie übernehmen – gegen eine Gebühr natürlich.

Exemplarisch seien an dieser Stelle genannt:

Das Prinzip dahinter ist recht simpel: Nachdem gleich online geprüft wurde, ob Sie tatsächlich einen Anspruch auf eine Erstattung aufgrund eines verspäteten Flugs haben, verkaufen Sie diesen Anspruch an den Dienstleister. Die Gebühr dafür liegt meist zwischen 20 und 25 Prozent. Sie erhalten also nicht die volle Entschädigung, sondern nur die errechnete Summe minus Gebühr – die dafür aber schon nach kurzer Zeit von dem Dienstleister (sogenannte Sofortentschädigung). Der geht dafür auch in Vorkasse und ins (überschaubare) Risiko und muss die Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter durchsetzen, um sein Geld wiederzubekommen.

Einige Anbieter, wie etwa Flug-Erstattung.de, bieten auch eine zweite Variante an, bei der Sie etwas mehr Geld zurück bekommen, dafür aber länger warten müssen: In dem Fall übernimmt der Dienstleister (meist stehen Anwälte dahinter) sämtliche Gerichts- und Anwaltkosten und erstreitet erst einmal die Erstattung bei der Airline. Weil der Dienstleister hier nicht in Vorleistung tritt, bekommen Sie in der Regel deutlich mehr heraus. Es lohnt sich also, hier mehr Zeit mitzubringen.

Verspäteter Flug? Hier gibt es einen Musterbrief zur Entschädigung

Falls Sie die Entschädigung lieber selber durchsetzen wollen, haben wir für Sie hier auch noch einen kostenlosen Musterbrief erstellt, den Sie Sie als WORD-Vorlage oder PDF-Dokument jederzeit herunterladen und ausfüllen können.

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Wir wünschen Ihnen dennoch weiterhin eine gute und hoffentlich pünktliche Reise!

[Bildnachweis: Ekaterina Pokrovsky by Shutterstock.com]
21. Juli 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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