Alles auf einen Blick
- Definition: Mit einem Beschwerdeschreiben teilen Sie einem Unternehmen oder Anbieter schriftlich Ihre Unzufriedenheit über ein Produkt, eine Leistung oder ein spezifisches Verhalten mit.
- Ziel: Das Schreiben dokumentiert Ihren Frust und weist den Hersteller auf das Problem hin. Gleichzeitig ist es eine formelle Aufforderung zur Lösung.
- Anspruch: Bei einem Beschwerdeschreiben haben Sie keinen rechtlichen Anspruch auf eine Nachbesserung. Dieser besteht nur bei echten Mängeln an Produkten (siehe: Reklamation).
- Höflichkeit: Bleiben Sie im Beschwerdeschreiben stets höflich und konstruktiv. Beleidigungen oder Androhungen weiterer Schritte werden meist ignoriert.
- Lösungen: Unternehmen zeigen sich in vielen Fällen kulant und bieten z.B. einen Ersatz oder andere Optionen im Interesse des Kunden an.
- Folgen: Bleibt eine Antwort oder zufriedenstellende Lösung aus, können Sie nach dem Beschwerdebrief die Verbraucherzentrale einschalten oder bei hohem Streitwert einen Fachanwalt einschalten.
Die Zahl der Beschwerdeschreiben ist laut Verbraucherzentralen zuletzt deutlich angestiegen. Besonders groß sind die Sprünge bei Versicherungen – hier sind im Vergleich zum Vorjahr 60 % mehr Beschwerden eingegangen. Die meisten Beschwerdeschreiben richten sich aber an digitale Angebote im Online-Handel.
Warum ein Beschwerdeschreiben formulieren?
Täglich werden viele Millionen Lieferungen und Dienstleistungen erbracht – nicht immer zur vollen Zufriedenheit der Kunden und Verbraucher. Verspätungen, schlechte Qualität oder offensichtliche Mängel passieren immer wieder. Manche Dinge lassen sich telefonisch klären, für andere ist die Schriftform geeigneter. Abhängig ist das vom Grad der Verärgerung und Ihrem Ziel bei der Beschwerde. Ein Beschwerdeschreiben erfüllt hierbei mehrere Funktionen:
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Sie formulieren Ihren Ärger
Den Ärger einfach runterzuschlucken, ist kontraproduktiv und ändert nichts. Im Gegenteil: Anhaltender Frust kann sich auf zukünftige Geschäftsbeziehungen auswirken.
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Sie dokumentieren den Sachverhalt
Mit einem Beschwerdeschreiben können Sie dokumentieren, was zu welchem Zeitpunkt schiefgelaufen ist und wie Sie deshalb bereits tätig geworden sind.
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Sie verdeutlichen den Ernst der Lage
Einem Anruf oder einer E-Mail fehlt oft der offizielle Charakter. Ein schriftliches Beschwerdeschreiben wirkt stärker. Das liegt psychologisch schon daran, dass wichtige Behördenbriefe ebenfalls noch immer in Papierform ausgestellt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Beschwerde und Reklamation?
Sowohl bei einer Beschwerde als auch bei einer Reklamation erläutern Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie mit einem Produkt oder einer Leistung nicht zufrieden sind. Aus juristischer Sicht gibt es jedoch einen Unterschied:
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Beschwerde
Mit der Beschwerde drücken Sie Ärger und Ihre Enttäuschung aus. Klassisches Beispiel: Sie kaufen einen Fernseher, der im Prospekt als High-End-Produkt beschrieben wurde. In natura sieht das Gerät jedoch billig und schlecht verarbeitet aus. Oder Sie haben einen Termin vereinbart, der nicht eingehalten wurde.
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Reklamation
In einer Reklamation geht es dagegen um tatsächliche Produktmängel: Der Auftrag wurde nicht so erledigt wie bestellt – statt grauer Kacheln wurden weiße geliefert. Oder das Produkt funktioniert nicht. Sie haben daher einen Anspruch auf Nachbesserung oder Entschädigung, wenn eine Garantie besteht.
Umgangssprachlich ist zwar in beiden Fällen häufig von einem Beschwerdeschreiben oder einer Beschwerde die Rede. Juristisch handelt es sich bei Mängeln, die unter die Garantieleistung fallen, aber um eine Reklamation. Gleichwohl kann ein Beschwerdebrief dazu führen, dass Unternehmen aus Kulanz einen Rabatt anbieten oder die Ware umtauschen.
Wie verfasse ich ein Beschwerdeschreiben?
Was sollte ein Beschwerdeschreiben beinhalten? Mit einem einfachen „Ich bin total unzufrieden“ ist es nicht getan. Wichtig sind Zahlen, Daten und Fakten. Der Inhalt Ihres Schreibens sollte daher folgende Punkte ansprechen:
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Eckdaten
Datum, Namen, Adressen, Telefon-, Kunden- und Bestellnummern. So ist das Beschwerdeschreiben nachvollziehbar und kann eindeutig zugeordnet werden.
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Betreff
Eine kurze Betreffzeile zum Anlass Ihres Schreibens ist Pflicht. Dazu reichen „Beschwerde“ oder „Beschwerdeschreiben“ mit einem kurzen Grund.
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Anrede
Eine höfliche Formulierung, möglichst mit konkretem Ansprechpartner. Haben Sie keinen Namen, reicht „Sehr geehrte Damen und Herren„.
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Beschreibung
Versuchen Sie anschließend, genau zu beschreiben, was Sie beanstanden und weshalb Sie unzufrieden sind. Also konkret: Worüber beschweren Sie sich?
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Lösung
Machen Sie direkt einen eigenen Vorschlag zur Lösung oder was Sie sich vom Anbietet wünschen. Damit zeigen Sie Selbstbewusstsein und Kompromissbereitschaft.
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Abschluss
Das Schreiben beenden Sie offiziell mit einer höflichen Grußformel (z.B. „mit freundlichen Grüßen“) und Ihrer handschriftlichen Unterschrift.
Der richtige Ton im Beschwerdeschreiben
Grundregel: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Bei allem Verständnis für den Ärger sollten Sie nie vergessen, die Form zu wahren und respektvoll zu bleiben. Wer gleich lospoltert und freche Beleidigungen formuliert, braucht nicht auf Kulanz zu hoffen. Auch bei einer Beschwerde gilt die Unschuldsvermutung: Nicht immer steckt böse Absicht dahinter, und ein Fehler sagt noch nichts über die generelle Qualität des Unternehmens.
Beschwerdeschreiben Muster
Wie ein korrekter Beschwerdebrief aussehen kann, zeigen wir Ihnen im folgenden Muster. Die Vorlage können Sie anschließend kostenlos herunterladen oder gleich hier im Browser bearbeiten. Dazu einfach auf den Kasten klicken:
Vorlage für ein Beschwerdeschreiben
Musterweg 99
12345 Musterstadt
Beispiel GmbH
z.Hd. Ansprechpartner
Beispielstr. 1
12345 Musterstadt
Bestellnummer: 987654321
Kundennummer: 0815
Beschwerde wegen nicht erfolgter Lieferung
Sehr geehrter Herr Beispiel,
nachdem ich wiederholt am 10. und 12. dieses Monats Ihren Mitarbeiter telefonisch auf die noch ausstehenden Ersatzteile hingewiesen habe, bin ich etwas ungehalten: Die Lieferung ist noch immer nicht erfolgt – nach nunmehr fast 3 Wochen!
Sicher können Sie meine Enttäuschung über die Verzögerung nachvollziehen, zumal mir Ihr Mitarbeiter versichert hatte, die fehlenden Ersatzteile umgehend zuzuschicken. Als langjähriger Kunde bin ich darüber sehr verärgert, zumal die Zusammenarbeit in der Vergangenheit stets reibungslos funktioniert hat.
Falls die Lieferung inzwischen erfolgt ist, betrachten Sie mein Schreiben als gegenstandslos. Sollte ich jedoch bis zum TT.MM.JJJJ nichts mehr von Ihnen hören und die Lieferung weiterhin ausbleiben, werde ich vom Kaufvertrag zurücktreten.
Mit freundlichem Gruß
Unterschrift
Das Beschwerdeschreiben stellen wir Ihnen zusätzlich als kostenlose Mustervorlage zum Download zur Verfügung – wahlweise als PDF-Datei oder als Word-Dokument:
Beschwerdeschreiben Muster (PDF)
Beschwerdeschreiben Vorlage (Word)
Tipps zum Verfassen eines Beschwerdeschreibens
Mit dem richtigen Inhalt haben Sie bereits den ersten Schritt zu einem guten Beschwerdeschreiben getan. Zusätzlich helfen diese Tipps beim Verfassen:
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Höflichkeit
Beschweren kann man sich auch höflich. Schildern Sie den Sachverhalt und Ihre Erwartungen möglichst neutral – ohne Vorwürfe zu machen oder verbale Angriffe einzubauen.
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Adressierung
Wenden Sie sich direkt an den zuständigen Sachbearbeiter. So landet Ihr Beschwerdeschreiben auf dem richtigen Schreibtisch und der Verantwortliche kann reagieren. Erst wenn das nicht fruchtet, können Sie sich an den Vorgesetzten wenden.
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Klarheit
Kommen Sie auf den Punkt und schildern Sie klar, welchen Grund Ihr Beschwerdeschreiben hat: Was ist falsch gelaufen? Was entspricht nicht den Erwartungen oder der Vereinbarung? Werden Sie konkret und vermeiden Sie Pauschalisierungen.
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Entgegenkommen
Zeigen Sie sich gesprächs- und kompromissbereit. Schließlich wünschen Sie sich eine Lösung. Diese erreichen Sie nur miteinander und durch Kooperation.
Beispiele für gute und schlechte Formulierungen
Um einen effektiven Beschwerdebrief zu verfassen, ist es wichtig, schlechte Formulierungen zu vermeiden. Hier sind einige Beispiele, wie es richtig geht:
Gute Formulierungen
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Positiv beginnen
Beginnen Sie Ihren Brief mit einem positiven Statement, um eine positive Grundstimmung zu schaffen. Beispiel: „Bisher hat mich Ihre Qualität stets überzeugt, doch…“
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Präzise Beschreibung
Beschreiben Sie das Problem klar und präzise, ohne Anschuldigungen. Beispiel: „Mit der gelieferten Ware bin ich nicht zufrieden, da die Ausführung im Punkt XY nicht der Beschreibung entspricht.“
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Respektvolle Kritik
Formulieren Sie Ihre Kritik respektvoll und ohne Angriff. Beispiel: „Ich fühlte mich am Telefon von Ihrem Servicemitarbeiter unfreundlich abgefertigt.“
Schlechte Formulierungen
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Einfache Beleidigungen
Vermeiden Sie Beleidigungen und Anschuldigungen, da diese nicht zu einer konstruktiven Lösung führen. Beispiel: „Vielleicht sollten Sie Ihrem Telefonservice mal Kundenfreundlichkeit beibringen.“
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Unklare Beschwerden
Vermeiden Sie unklare Beschwerden und ungenaue Aussagen, die der Empfänger schwer zuordnen kann. Beispiel: „Ich fühlte mich von Herrn XY schlecht beraten.“
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Verallgemeinerungen
Vermeiden Sie Verallgemeinerungen, die nicht zur Situation passen. Beispiel: „In Ihrer Firma klappt im Service gar nichts.“
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