Die Kündigung hat einen schlechten Ruf. Wer sie bekommt, hat vermutlich seinen Job nicht gut gemacht oder ist in seiner beruflichen Laufbahn in eine Sackgasse geraten. So allgemein lässt sich die Kündigung aber nicht reduzieren. Fast jeder Arbeitnehmer wird in seinem Berufsleben mit Entlassungen konfrontiert - und zwar mit zwei Arten von Kündigungen:

  • Die Eigenkündigung: Der Arbeitnehmer selbst reicht die Kündigung ein.
  • Die Fremdkündigung: Der Chef kündigt dem Arbeitnehmer.

Für jede dieser Arten sind unterschiedliche Arbeitsrecht-Regeln wichtig und Verhaltensweisen ratsam. Beide Formen behandeln wir in diesem Dossier zur Kündigung und zum Kündigungsschreiben - Ihre Rechten und Pflichten und worauf Sie achten müssen...

Kuendigung Rote Karte Arbeitsrecht Chef gefeuert

Kündigungsschreiben Arbeitsvertrag: Checkliste gegen Formfehler

Kündigungsschreiben Arbeitsvertrag: Checkliste gegen FormfehlerUnabhängig davon, wer wem kündigt, gibt es für die Kündigung beziehungsweise für das Kündigungsschreiben ein paar formale Anforderungen.

Werden diese nicht eingehalten und kommt es zu Formfehlern, ist die Kündigung häufig unwirksam, mindestens aber anfechtbar.

Wie so oft lauern diese Formfehler im Detail. Damit dabei nichts schiefgeht oder vergessen wird, haben wir die wichtigsten Formvorschriften und Anforderungen an ein Kündigungsschreiben in Form einer Checkliste (und Infografik) zusammengetragen:

Kündigungsschreiben-Aufbau-Mustervorlage

  • Persönliche Angaben

    Es gehören unbedingt der vollständige (Firmen-)Name und die Anschrift in den Briefkopf einer Kündigung. Bei größeren Unternehmen ist es sinnvoll zusätzlich die Personalnummer und ein Geburtsdatum zu nennen, um jegliche Verwechslungsgefahr mit etwaigen Namenszwillingen auszuschließen.

  • Datum

    Vergessen Sie bitte niemals, das aktuelle Datum auf der Kündigung. So können Sie im Zweifel die Einhaltung der (gesetzlichen) Kündigungsfristen nachweisen. Innerhalb des Unternehmens können Sie sich die fristgemäße Übergabe des Schreibens auch quittieren lassen.

  • Betreff

    Der Betreff sollte auf jeden Fall das Wort "Kündigung" enthalten. Damit ist der Inhalt eindeutig und rechtlich bindend.

  • Anrede

    Selbst wenn Sie im Zorn gehen - die korrekte Anrede ist ein Akt der Höflichkeit. Mindestens sollten Sie "Sehr geehrte Damen und Herren" schreiben, wenn Sie den Chef schon nicht persönlich anreden wollen. Der Personalchef kann in der Kündigung aber auch adressiert werden. Umgekehrt, bei der Kündigung durch den Arbeitgeber, ist der Arbeitnehmer natürlich immer zu nennen.

  • Unterschrift

    Die Kündigung muss in jedem Fall von Ihnen selbst persönlich handschriftlich unterschrieben werden. Bei der Kündigung durch den Arbeitgeber muss dies der Chef oder ein zuständiger Personalverantwortlicher tun (zum Beispiel der Personalchef oder -direktor). Keine eingescannte Unterschrift! Natürlich ist es immer netter, wenn man vorher noch freundlich grüßt.

  • Zugang Wird die Kündigung persönlich übergeben, ist der Zugang natürlich klar. Anders sieht es aus, wenn der Empfänger nicht anwesend und zum Beispiel im Urlaub ist. Generell gilt die Kündigung als "zugegangen", sobald diese im Machtbereich des zu Kündigenden ist. Kündigt der Arbeitnehmer, gilt dies, sobald die Kündigung etwa in der Personalabteilung abgegeben wird.

    Kündigt der Arbeitgeber, muss der Gekündigte aber zumindest die Chancen gehabt haben, die Kündigung wahrzunehmen. Bei einer Kündigung per Post, reicht es zwar in der Regel, wenn die Kündigung allein im Briefkasten zugestellt wird (weil man erwarten kann, dass der regelmäßig geleert wird). Ist der Arbeitnehmer aber gerade längere Zeit im Urlaub, laufen die (Widerspruchs- und Klage-)Fristen erst nach dessen Rückkehr an.

Für die Kündigung selbst ist vor allem entscheidend, dass sie diese beiden arbeitsrechtlichen Grundregel stets einhält:

  • Die Kündigung muss immer schriftlich auf Papier erfolgen (Kündigungen per E-Mail, Fax oder Post-it gelten nicht).
  • Die Kündigung muss eigenhändig mit vollem Namen unterschrieben werden.

Ebenfalls wichtig: Die Aussage muss eindeutig sein. Lamentieren und labern sowie der Konjunktiv ("hiermit würde ich ganz gerne mein Arbeitsverhältnis beenden...") sind in einem Kündigungsschreiben tabu.

Für den künftigen Ex-Arbeitnehmer oder -Arbeitgeber muss klar sein, dass gekündigt wird - und nichts anderes. Interpretationsspielraum ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht.

Kündigungsfristen beachten!

Kündigungsfristen beachtenBei jeder ordentlichen Kündigung sind zudem die schon angesprochenen Kündigungsfristen zu beachten (sie stehen immer im Arbeitsvertrag), sodass Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach der Kündigung nicht sofort freigestellt werden, sondern erst noch eine Weile - hoffentlich im Guten - zusammenarbeiten müssen.

Diese Kündigungsfristen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch in §622 geregelt und gelten grundsätzlich für alle Jobs und Arbeitgeber einheitlich. Die sogenannte Grundkündigungsfrist beträgt 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Achten Sie deshalb auf das Datum der Kündigung beziehungsweise wann Sie diese selbst einreichen.

Diese Kündigungsfrist ist besonders für Arbeitnehmer relevant, da sie immer gleich lang bleibt. Arbeitgeber und Unternehmen müssen sich stattdessen an anderen Fristen orientieren, die mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit länger werden.

Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Unternehmen...

  • zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats.
  • fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Egal, wie lange die Kündigungsfrist für Sie als Arbeitnehmer dauert: Sie ist bei jeder ordentlichen Kündigung unbedingt einzuhalten.

Kündigung Arbeitnehmer: Muster für das Kündigungsschreiben

Kündigung Arbeitnehmer: Muster für das KündigungsschreibenBeginnen wir mit der angenehmeren Variante: der Kündigung durch den Arbeitnehmer.

Wenn Mitarbeiter kündigen, dann hat das in der Regel einen Grund: den Chef (siehe Grafik). Erst kürzlich kam eine Studie zur Arbeitsqualität in Deutschland im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales (Befragt wurden mehr als 7000 Beschäftigte und rund 700 Personalverantwortliche) zu dem Ergebnis:

Es ist nicht die schlechte Bezahlung, die Mitarbeiter zum Jobwechsel treibt - es sind vor allem die Suche nach einem besseren Chef (76 Prozent) und besserem Klima (73 Prozent) sowie bessere Arbeitsinhalte (72 Prozent). Die bessere Bezahlung (61 Prozent) stand dabei erst auf Platz 5 der Jobwechselmotive - noch hinter den Karriere- und Weiterbildungsaussichten (66 Prozent).

Kündigungsgründe-Grafik

Wer also allen Grund dazu hat und ernsthaft kündigen will, der muss das seinem Arbeitgeber mitteilen und eine Kündigung schreiben.

Das fällt vielen Arbeitnehmern schwer - sei es aus gelernter Loyalität oder weil sie in der Vergangenheit unter den Kollegen manche Freunde gefunden haben, sogenannte Frollegen.

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer das Recht, seinen Arbeitsvertrag jederzeit zu kündigen.

Dazu brauchen Sie keine ausschmückende Prosa und lange Ausführungen. Ein Post-it mit der Aufschrift "Chef, ich kündige!" reicht zwar nicht. Ein schlichtes "Hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Datum" bringt die Sache aber genauso auf den Punkt und reicht im Zweifelsfall völlig aus.

Auch sonst gibt es für die Formulierung des Kündigungsschreibens (von obigen Formvorschriften abgesehen) kaum Vorgaben. Um Ihnen den Schritt dennoch zu erleichtern, haben wir für Sie hier noch zwei Gratis-Vorlagen und Musterschreiben einer Kündigung zum Herunterladen vorbereitet:

  • WORD DOC kostenlos herunterladen Gratis IconPDF kostenlos herunterladen Gratis IconKündigungsschreiben Muster 1

  • WORD DOC kostenlos herunterladen Gratis IconPDF kostenlos herunterladen Gratis IconKündigungsschreiben Muster 2


Kündigung Arbeitsvertrag: Bitte nichts überstürzen!

Kündigung Arbeitsvertrag: Die wichtigsten RegelnDas alte Arbeitsverhältnis kann gar nicht schnell genug beendet werden, der Job macht Ihnen keinen Spaß mehr und Sie wollen nur noch kündigen? In manchen Situationen gut nachvollziehbar. Falsch wäre es dennoch, wenn Sie sich von Emotionen zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen ließen.

Die Vorstellung, dem Chef vor dem gesamten Team die Meinung zu geigen oder voller Genugtuung die Kündigung auf den Schreibtisch zu donnern, mag verführerisch sein. Denken Sie aber immer daran: Wie Sie sich während der Kündigung und des Abschieds verhalten, bestimmt zu einem großen Teil, wie Sie in Erinnerung bleiben.

Damit bei Ihrer Kündigung wirklich alles problemlos verläuft, sollten Sie die folgenden Spielregeln möglichst beachten:

  • Schlafen Sie eine Nacht drüber.

    Klingt simpel, kann im Ernstfall aber hilfreich sein. In jedem Job kann es stressig werden oder zu Meinungsverschiedenheiten kommen, bei denen man das Gefühl hat, alles hinschmeißen zu wollen. Geben Sie diesem Drang nicht nach.

    Nehmen Sie sich die Zeit, um eine größere Distanz zu gewinnen, bevor Sie ernsthaft eine Kündigung erwägen. Oft sehen die Dinge einen Tag später bereits ganz anders aus, wenn die Gemüter sich ein wenig beruhigen konnten.


  • Gehen Sie im Guten.

    Denken Sie immer daran: Nach der Kündigung müssen Sie noch einige Wochen weiterarbeiten und werden Chef und Kollegen täglich sehen. Wie die Kündigung abläuft, entscheidet maßgeblich darüber, wie Sie diese Zeit gestalten.

    Bleiben Sie deshalb immer freundlich und professionell. Auch geht es niemanden etwas an, aus welchen Gründen Sie den Arbeitgeber verlassen. Binden Sie niemandem auf die Nase, dass Sie den Chef für inkompetent halten. Das wird es auch nicht besser machen. Wenn Sie überhaupt Gründe angeben wollen, bleiben Sie lieber vage und sagen, dass Sie sich nach etwas Neuem umsehen und andere Herausforderungen suchen.


  • Melden Sie sich arbeitslos.

    Nicht vergessen: Sollten Sie noch keinen unterschrieben Arbeitsvertrag in der Hand halten, der Ihnen eine neue Anstellung sichert, müssen Sie sich bei der Agentur für Arbeit melden und angeben, dass Sie von nun an arbeitssuchend sind.

    Informieren Sie sich auch bei einem Beratungstermin darüber, welche Schritte möglicherweise noch notwendig sind, damit es keine Probleme mit der Behörde gibt. Rechnen Sie bei einer Eigenkündigung aber auch mit einer dreimonatigen Sperre des Arbeitslosengeldes. Ihre finanziellen Reserven sollten das erlauben.


  • Schweigen Sie lieber.

    Wenn Sie selbst gekündigt haben, gilt die alte Weisheit: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Egal, ob es um den Noch-Arbeitgeber oder um die zukünftige Position geht: Je mehr Sie reden, desto größer die Chance, dass Ihnen etwas unbedachtes über die Lippen huscht.

    So ist es unangebracht, den alten Kollegen vorzuschwärmen, wie toll Sie es bei Ihrem neuen Arbeitgeber haben werden und wie viel Sie von nun an verdienen. Gleichzeitig ist es auch tabu, das derzeitige Unternehmen vor den Ex-Kollegen in spe schlecht zu reden.

Kündigung Arbeitgeber: Gefeuert - und jetzt?

KündigungsgründeEs gibt die aberwitzigsten Gründe, warum Arbeitgeber kündigen und Mitarbeiter entlassen (siehe PDF rechts). Natürlich sind nicht alle davon rechtlich wirksam. Ein Schock bleibt die Kündigung aber trotzdem erst einmal.

Gekündigt worden... für die meisten Arbeitnehmer stellt die Kündigung einen gravierenden Einschnitt dar, obwohl der Jobzyklus nahelegt, dass nach einigen Jahren ohnehin ein Wechsel sinnvoll ist. Der Job und damit auch das bisherige Einkommen fallen in Bälde weg. Zudem wirkt die Kündigung wie ein Schandfleck im Lebenslauf. Und weil neue Jobs bekanntlich nicht einfach vom Himmel fallen, steht man jetzt erst einmal vor dem Nichts.

Das Wichtigste ist jetzt: Behalten Sie trotzdem einen kühlen Kopf und lassen Sie die Nachricht erst einmal sacken.

Arbeitsrechtler sprechen bei einer Kündigung auch von einer einseitig empfangsbedürftigen Willenserklärung. Heißt: Dem Arbeitsvertrag mussten zwar beide Seiten zustimmen; damit die Kündigung arbeitsrechtlich wirksam wird, muss Sie Ihnen nur zugehen - egal, ob Sie daran mitwirken, irgendetwas unterschreiben oder nicht.

Allerdings sind eben auch an die Kündigung von Seiten des Arbeitgebers zahlreiche Formvorschriften geknüpft, die Arbeitsrichter regelmäßig eng und zugunsten der Beschäftigten auslegen.

Das bedeutet: Schon ein einziger Fehler lässt das Kündigungsschreiben unwirksam werden und stärkt Ihre Verhandlungsposition - sei es für eine Kündigungsschutzklage oder für eine höhere Abfindung.

Will Ihr Chef Ihnen kündigen, muss er also auf einiges achten. Das fängt schon bei der Begründung an...

Kündigungsgründe: Das muss der Arbeitgeber beachten

Haben Sie zum Beispiel die Probezeit überstanden, braucht es einen triftigen Grund, um Ihnen ordentlich zu kündigen. Dabei werden im Arbeitsrecht vor allem vier Kündigungsgründe unterschieden:

  1. Die betriebsbedingte Kündigung

    Aufträge bleiben aus, eine Standort muss geschlossen werden oder der Arbeitgeber muss die Insolvenz anmelden. Diese und weitere Ursachen können der Grund für eine betriebsbedingte Kündigung sein.

    Man spricht hier davon, dass dringende betriebliche Erfordernisse vorliegen müssen, die eine Weiterbeschäftigung unmöglich machen. Allerdings muss der Arbeitgeber diese genau begründen, um damit eine Kündigung rechtfertigen zu können.

  2. Die personenbedingte Kündigung

    Hier ist der Arbeitnehmer selbst der Grund für die Kündigung - wegen Gründen, die in seiner Person liegen und weil er die Aufgaben des Arbeitsvertrages nicht mehr erfüllen kann (meist wegen Krankheit oder eines schweren Unfalls). In dem Fall muss aber die Prognose negativ sein. Ist kurzfristige Besserung zu erwarten, kann keine personenbedingte Kündigung ausgesprochen werden.

  3. Die verhaltensbedingte Kündigung

    Dauerhaftes Zuspätkommen, eine unzulässige Nebentätigkeit oder ein anderes vertragswidriges Verhalten können zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen.

  4. Die fristlose Kündigung

    Sie ist die wohl drastischste Variante unter den Kündigungen. Sie kann daher nur in besonders schweren Fällen ausgesprochen werden. Zu einer fristlosen Kündigung gehören beispielsweise eine Straftat oder ein erheblicher Pflichtverstoß, der die weitere Zusammenarbeit für den Arbeitgeber unmöglich macht.

Kündigung in der Probezeit: Was sagt das Arbeitsrecht?

Kündigung Probezeit: Was sagt das ArbeitsrechtDer neue Job hat gerade erst begonnen, da flattert auch schon die Kündigung ins Haus. Das ist oft ein besonderer Schock für Arbeitnehmer, schließlich hatte man sich auf etwas Langfristiges eingestellt und vielleicht schon damit begonnen, Pläne zu schmieden.

Nach dem Schock kommen dann zwei Fragen auf:

  • Ist eine solche Kündigung in der Probezeit laut Arbeitsrecht überhaupt erlaubt? und
  • Wie gehe ich damit um?

Die Antwort auf die erste Frage lautet leider: Ja, in der Probezeit kann ein Arbeitgeber Sie jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen vor die Tür setzen und Ihren Arbeitsvertrag auflösen.

Keine Angst, dass ist nicht automatisch ein schwerer Knick im Lebenslauf. Wie Sie mit der Kündigung in der Probezeit umgehen, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema:

Kündigung mit Formfehlern: Leider unwirksam

Spricht der Arbeitgeber Ihnen eine der oben genannten Kündigungen aus, ist zwar bitter. Anschließend sollten Sie diese aber als Erstes auf formelle Fehler prüfen. Umso leichter lässt sich die Kündigung wegen eben dieser Formfehler anfechten oder ist gar nicht gültig.

Neben der oben schon angesprochenen fehlenden Schriftform oder fehlenden Unterschrift (oder der eines nicht Berechtigten) gibt es noch weitere Gründe, woran Kündigung immer wieder vor dem Arbeitsgericht scheitern:

  • Die Kündigung stammt von einer anderen Firma. Kein Scherz, alles schon vorgekommen. Falls es mal eine Umstrukturierung gab oder das Unternehmen seit einiger Zeit unter anderem Namen firmiert, muss das zuerst im (neuen) Arbeitsvertrag Eingang finden. Achten Sie daher auf den Briefkopf der Kündigung: Stimmt die Firma mit der im Arbeitsvertrag überein? Nicht? Dann könnte die Kündigung schon unwirksam sein.
  • Falls vorhanden, muss das Unternehmen vorab den Betriebsrat einschalten und ihm die Gründe für die Kündigung mitteilen. Hat der Bedenken gegen den Rausschmiss, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer bis zu einer Entscheidung des Arbeitsgerichts weiter zu beschäftigen. Das Gehalt wird dann natürlich auch weitergezahlt, da man Sie ja nicht kündigen konnte.
  • Auch muss der Arbeitgeber klären, ob beispielsweise ein Sonderkündigungsschutz besteht. So haben Schwangere, Schwerbehinderte und Betriebsräte ein deutlich erhöhtes Schutzrecht bei einer Kündigung.
  • Einer verhaltensbedingten Kündigung muss meist eine Abmahnung vorausgehen. Das heißt, der Mitarbeiter muss dazu grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gegen seine Vertragspflichten verstoßen haben. Indem der Chef dies abmahnt, sagt er dem Mitarbeiter, dass er dieses Verhalten missbilligt und sich eine Änderung wünscht.

    Das muss er aber zuerst tun, bevor er - und auch nur im Wiederholungsfall - kündigen kann. Fehlt eine solche Abmahnung, ist das Arbeitsrecht meist auf der Seite des Mitarbeiters und erklärt die Kündigung für unwirksam, da zunächst andere Mittel hätten genutzt werden müssen.
  • Ob eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt ist, dürfen Gerichte zwar nur eingeschränkt prüfen. Dafür können sie aber begutachten, ob die Gründe stimmen, die zum geringeren Arbeitsbedarf geführt haben. Die schlechte wirtschaftliche Lage reicht übrigens nicht: Der Unternehmer muss konkret erläutern, wie sich der Auftragsrückgang auf die Arbeitsmenge auswirkt und wie viele Arbeitskräfte überflüssig werden – im gesamten Unternehmen.

    Deshalb ist eine Kündigung zum Beispiel unwirksam, wenn überzählige Arbeitnehmer an anderer Stelle weiterbeschäftigt werden könnten.

In all diesen Fällen haben Sie innerhalb von drei Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Widerspruch einzulegen.

Zugegeben, wer einen Arbeitsrechtsprozess gewinnt, wird nur selten auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird dadurch ja nicht wirklich besser.

Doch der Jobverlust wird meist finanziell besser abgemildert, in Form einer höheren Abfindung - auch wenn es darauf keinen gesetzlichen Anspruch gibt.

Achtung beim Aufhebungsvertrag

Kündigung Arbeitsvertrag Kündigungsschreiben KündigungsfristManchmal bieten Chefs - scheinbar großzügig - mit der Kündigung gleich einen sogenannten Aufhebungsvertrag an.

Wer den unterschreibt, sollte wissen, dass er oder sie anschließend zwölf Wochen lang kein Arbeitslosengeld (Es beträgt in der Regel 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der vergangenen zwölf Monate) bekommt. Juristisch hat derjenige die Arbeitslosigkeit damit selbst verursacht.

Einzige Ausnahme: Der Arbeitgeber droht mit einer (nicht ver­hal­tens­be­ding­ten) Kündi­gung, die auch erfolgreich wäre. In dem Fall ist laut Bun­des­so­zi­al­ge­richt dem Arbeitnehmer die Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten (Az. B 11a/11 AL 69/04 R) und die Arbeitsagentur darf keine Sperr­zeit we­gen des Auf­he­bungs­ver­trags verhängen.

In allen anderen Fällen aber (und das ist die Mehrheit) sollte sich das Sperrzeit-Minus in der Abfindungssumme im Aufhebungsvertrag widerspiegeln. Falls der Arbeitgeber darauf nicht eingeht, können Sie auch mit einer sogenannten Kündigungsschutzklage drohen.

Sie endet in der Regel damit, dass ein Vergleich beim Arbeitsgericht geschlossen wird – aber damit ist man gegenüber der Arbeitsagentur schon aus dem Schneider.

Und: Allein die glaubhafte Andeutung einer solchen Klage erhöht oft schon die Abfindungssumme.

Kündigung: Was tun bei einem wirksamen Kündigungsschreiben?

Wer eine wirksame Kündigung erhalten hat, sollte sich umgehend um ein Zwischenzeugnis bemühen beziehungsweise dieses beantragen. Sonst verlieren Sie nur Zeit während der Kündigungsfrist und Bewerbungsphase, die jetzt starten sollte.

Zusätzlicher Vorteil: Das Zwischenzeugnis ist bindend für das spätere Arbeitszeugnis - letzteres darf also nicht ohne Grund schlechter ausfallen. Und sind Sie mit der Bewertung Ihrer Leistungen schon jetzt nicht zufrieden, können Sie sofort dagegen vorgehen. Auch das spart Zeit.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen - womöglich findet der doch noch ein paar Formfehler, die der Laie übersieht oder er gibt wichtige Hinweise, worauf Sie nach der Kündigung achten müssen, sei es die Vergütung noch offener Urlaubstage oder eine mögliche Einigung zur Freistellung während der Kündigungsfrist.

Ansonsten haben wir auch für diesen Fall der Kündigung durch den Arbeitgeber noch ein paar wichtige Regeln und Tipps für Sie:

  1. Arbeitslos melden

    Melden Sie sich umgehend und innerhalb von drei Tagen beim Arbeitsamt als arbeitslos. Bringen Sie dazu die Kündigung und Ihren Arbeitsvertrag mit. Auch wenn Sie schon bald wieder einen neuen Job finden: Um den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen, muss der gekündigte Arbeitnehmer drei Monate vor Ende der Kündigungsfrist (bei kürzeren Fristen drei Tage nach Erhalt der Kündigung) dies der Arbeitsagentur persönlich mitteilen. Sie sichern sich damit also finanziell ab.

  2. Weiter arbeiten

    Wer gekündigt wurde, kann nicht einfach zuhause bleiben. Noch gilt ja der Arbeitsvertrag und dessen Fristen. Wer also nicht sofort nach der Kündigung freigestellt wird, muss weiterhin auf der Arbeit erscheinen. Ein Verstoß kann abgemahnt werden und sogar zur fristlosen Kündigung führen (auf die es manche Arbeitgeber anlegen). Das sieht dann nicht nur schlecht im Arbeitszeugnis aus, sondern führt mitunter auch zu einer Sperrfrist bei der Arbeitsagentur.

  3. Profi bleiben

    Egal, wie schäbig man sich Ihnen gegenüber auch verhält - bleiben Sie stets professionell. Ab jetzt arbeiten Sie genau genommen nicht mehr für Ihren Chef, sondern für Ihren Ruf. Und der hängt Ihnen noch länger an und nimmt Einfluss auf spätere Bewerbungschancen. Weitere Infos hierzu finden Sie in den unten verlinkten Dossiers.

  4. Jobs suchen

    Haben Sie alle wichtige Details zum auslaufenden Arbeitsvertrag geklärt und es geht nur noch darum, die Kündigungsfrist abzuarbeiten, sollten Sie sich umgehend an die Jobsuche machen. Je schneller Sie damit beginnen, desto kürzer ist die Zeit zwischen den beiden Positionen und die Kündigung fällt vielleicht gar nicht auf.

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