TIPPS, TOOLS & DOSSIERS

Kündigung: Wichtige Regeln & Musterschreiben

Eine Kündigung hat oftmals einen schlechten Ruf, scheint sie doch anzudeuten, dass jemand seinen Job nicht gut gemacht hat oder in seiner beruflichen Laufbahn in eine Sackgasse geraten ist. So allgemein lässt sich das Thema allerdings nicht über einen Kamm scheren. Fast jeder wird in seinem Berufsleben mit Entlassungen in Berührung kommen – und zwar auf einer von zwei Arten von Kündigungen:

  • Die Eigenkündigung: Der Arbeitnehmer selbst reicht die Kündigung ein.
  • Die Fremdkündigung: Der Chef kündigt dem Arbeitnehmer.

Für jede dieser Arten sind entsprechend unterschiedliche Dinge wichtig und Verhaltensweisen ratsam. Beide Formen behandeln wir in diesem Dossier zur Kündigung und zu Kündigungsschreiben beziehungsweise Ihren Rechten und Pflichten sowie worauf Sie achten müssen.

Beginnen wir mit dem Angenehmeren: der selbst eingeleiteten Kündigung


Kündigung Arbeitsvertag: Muster für das Kündigungsschreiben

Kündigung-Arbeitnehmer-Arbeitgeber-rote-Karte

Wenn Mitarbeiter kündigen, dann hat das in der Regel einen Grund – einen: den Chef (siehe Grafik). Erst kürzlich kam eine Studie zur Arbeitsqualität in Deutschland im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales (Befragt: mehr als 7000 Beschäftigte und rund 700 Personalverantwortliche) zu dem Ergebnis:

Es ist nicht die schlechte Bezahlung, die Mitarbeiter zum Jobwechsel treibt – es sind vor allem die Suche nach einem besseren Chef (76 Prozent) und besserem Klima (73 Prozent) sowie bessere Arbeitsinhalte (72 Prozent). Die bessere Bezahlung (61 Prozent) stand dabei erst auf Platz 5 der Jobwechelmotive – noch hinter den Karriere- und Weiterbildungsaussichten (66 Prozent).

Kündigungsgründe-Grafik


Allerdings reicht die Entscheidung zur Kündigung alleine nicht aus – diese muss dem Arbeitgeber auch noch mitgeteilt werden, also müssen Sie eine Kündigung schreiben. Das fällt vielen sehr schwer, selbst wenn es der scheinbar einzig richtige Weg ist. Es bleibt eben doch eine Loyalität zum alten Job. Erst recht, wenn Sie lange für den Laden gearbeitet haben und manche Kollegen zu Freunden wurden.

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer das Recht, seinen Arbeitsvertrag jederzeit zu kündigen.

Meist sind dabei allerdings noch ein paar Kündigungsfristen zu beachten (sie stehen immer im Arbeitsvertrag), sodass Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach der Kündigung nicht sofort freigestellt werden, sondern erst noch eine Weile – hoffentlich im Guten – zusammenarbeiten müssen.

Diese Kündigungsfristen sind im Bürgerlichen Gesetzbuch in §622 geregelt und gelten grundsätzlich für alle Jobs und Arbeitgeber einheitlich. Die sogenannte Grundkündigungsfrist beträgt 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Achten Sie deshalb auf das Datum, an den Sie Ihre die Kündigung Ihres Vertrages einreichen.

Diese Frist ist besonders für Arbeitnehmer relevant, da sie immer gleich lang bleibt. Arbeitgeber und Unternehmen müssen sich stattdessen an anderen Fristen orientieren, die mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit länger werden.

Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Unternehmen…

  • zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats.
  • fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.


Egal, wie lange die Kündigungsfrist für Sie als Arbeitnehmer dauert: Sie ist bei jeder ordentlichen Kündigung unbedingt einzuhalten.

Für die Kündigung selbst ist vor allem entscheidend, dass Sie die arbeitsrechtlichen Spielregeln einer Kündigung beachten und typische Formfehler vermeiden, die sonst womöglich die Kündigung unwirksam machen.

Die wichtigste Regel für das Kündigungsschreiben lautet:

  • Die Kündigung muss immer schriftlich auf Papier erfolgen und
  • eigenhändig mit vollem Namen unterschrieben werden.


Kündigungen per E-Mail, Fax oder Post-it gelten nicht.

Ebenfalls wichtig: Ihre Aussage muss eindeutig sein. Lamentieren und labern sowie der Konjunktiv („hiermit würde ich ganz gerne mein Arbeitsverhältnis beenden…“) sind in einem Kündigungsschreiben tabu. Für den künftigen Ex-Arbeitgeber muss klar sein, dass Sie kündigen – und nichts anderes. Interpretationsspielraum ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht.

Dazu brauchen Sie dann allerdings auch keine ausschmückende Prosa und lange Ausführungen. Ein schlichtes „Hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Datum“ bringt die Sache auf den Punkt und reicht im Zweifelsfall völlig aus.

Sonst gibt es für die Formulierungen kaum Vorgaben, doch da Sie ohnehin nicht viel schreiben brauchen, sind diese auch nicht nötig. Als Gratis-Vorlagen haben wir hier noch zwei Muster einer Kündigung zum Download…

  • Word-DownloadPDF-DownloadKündigungsschreiben Muster 1

  • Word-DownloadPDF-DownloadKündigungsschreiben Muster 2


Kündigung Arbeitsvertrag: Die wichtigsten Regeln

Das alte Arbeitsverhältnis kann kaum schnell genug beendet werden, der Job macht Ihnen keinen Spaß mehr und Sie wollen nur noch kündigen? In manchen Situationen mag eine solche Einstellung vielleicht nachvollziehbar sein, wenn ein Arbeitnehmer und Arbeitgeber seit längerer Zeit keinen gemeinsamen Nenner mehr finden.

Falsch wäre es jedoch, wenn Sie sich von diesen Emotionen zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen lassen. Die Vorstellung, dem Chef vor dem gesamten Team die Meinung zu geigen oder voller Genugtuung die Kündigung auf den Schreibtisch zu donnern mag verführerisch sein, doch denken Sie immer daran: Wie Sie sich während der Kündigung und des Abschieds verhalten, bestimmt zu einem großen Teil, wie Sie in Erinnerung bleiben.

Professionell bleiben und Größe zeigen oder rachsüchtig und vor Wut schreiend? Und wer weiß, wem Sie als Arbeitnehmer in den nächsten Jahren vielleicht noch einmal wieder begegnen. Da wollen Sie nicht vor Scham im Boden versinken.

Damit bei Ihrer Kündigung wirklich alles problemlos verläuft, haben wir die wichtigsten Regeln noch einmal zusammengefasst:

  • Schlafen Sie eine Nacht drüber

    Klingt simpel, kann im Ernstfall aber sehr hilfreich sein. In jedem Job kann es stressig werden oder zu Meinungsverschiedenheiten kommen, bei denen man das Gefühl hat, alles hinschmeißen zu wollen. Geben Sie diesem Drang nicht nach.

    Nehmen Sie sich die Zeit, um eine größere Distanz zu gewinnen, bevor Sie ernsthaft eine Kündigung erwägen. Oft sehen die Dinge einen Tag später bereits ganz anders aus, wenn die Gemüter sich ein wenig beruhigen konnten.


  • Machen Sie keine Fehler bei der Kündigung

    Ist der Entschluss zur Kündigung endgültig, sollten Sie darauf achten, keine Fehler in Ihre Kündigung zu schreiben (mehr dazu auch weiter unten). Sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihre Kündigung ungültig wird und Sie noch länger im alten Job bleiben müssen.

    Allen voran sollten Sie sich über Ihre Kündigungsfrist im Klaren sein und diese unbedingt einhalten. Egal, wie schnell Sie am liebsten weg wollen, müssen Sie den bestehenden Arbeitsverträgt fristgerecht kündigen.


  • Gehen Sie im Guten

    Denken Sie immer daran: Nach der Kündigung müssen Sie noch einige Wochen weiter arbeiten und werden Chef und Kollegen täglich sehen. Wie die Kündigung abläuft, entscheidet maßgeblich darüber, wie sich diese Zeit gestalten wird.

    Bleiben Sie deshalb immer freundlich und professionell. Auch geht es niemanden etwas an, aus welchen Gründen Sie den Arbeitgeber verlassen. Binden Sie niemandem auf die Nase, dass Sie den Chef für inkompetent halten. Das wird es auch nicht besser machen. Wenn Sie überhaupt Gründe angeben wollen, bleiben Sie lieber vage und sagen, dass Sie sich nach etwas Neuem umsehen und andere Herausforderungen suchen.


  • Melden Sie sich arbeitslos

    Nicht vergessen: Sollten Sie noch keinen unterschrieben Arbeitsvertrag in der Hand halten, der Ihnen eine neue Anstellung sichert, müssen Sie sich bei der Agentur für Arbeit melden und angeben, dass Sie von nun an arbeitssuchend sind.

    Informieren Sie sich auch bei einem Beratungstermin darüber, welche Schritte möglicherweise noch notwendig sind, damit es keine Probleme mit der Behörde gibt.


  • Schweigen Sie lieber

    Wenn Sie selbst gekündigt haben, gilt die alte Weisheit: Reden ist silber, Schweigen ist gold. Egal, ob es um den Noch-Arbeitgeber oder um die zukünftige Position geht: Je mehr Sie reden, desto größer die Chance, dass Ihnen etwas unbedachtes über die Lippen rutscht.

    Es ist nicht angebracht, den alten Kollegen vorzuschwärmen, wie toll Sie es bei Ihrem neuen Arbeitgeber haben werden und wie viel Sie von nun an verdienen. Gleichzeitig ist es auch tabu, das derzeitige Unternehmen schlecht zu reden.

Kündigungsschreiben Arbeitsvertrag: Checkliste gegen Formfehler

Kündigung Arbeitgeber Vertrag Probezeit ExtratippSind die Fronten zwischen Ihnen und dem Chef verhärtet, wird diese vielleicht alles daran setzen, um Ihnen das Leben schwer zu machen. Um so besser, wenn Sie erst gar keine Angriffsfläche bieten.

Dies gilt ganz besonders für das Kündigungsschreiben. Wie so oft lauern die Formfehler im Detail. Einige davon haben wir oben schon angesprochen. Damit dabei aber nichts schiefgeht oder vergessen wird, noch einmal die wichtigsten Formvorschriften und Anforderungen an ein Kündigungsschreiben in Form einer Checkliste:

  • Persönliche Angaben

    Es gehören unbedingt Ihr vollständiger Name und die Anschrift in den Briefkopf einer Kündigung. Bei größeren Unternehmen ist es sinnvoll zusätzlich die Personalnummer und ein Geburtsdatum zu nennen, um jegliche Verwechslungsgefahr mit etwaigen Namenszwillingen auszuschließen.

  • Datum

    Vergessen Sie bitte niemals, das aktuelle Datum auf Ihrer Kündigung. So können Sie im Zweifel die Einhaltung der Kündigungsfrist nachweisen. Innerhalb des Unternehmens können Sie sich die fristgemäße Übergabe des Schreibens auch quittieren lassen.

  • Betreff

    Er sollte auf jeden Fall das Wort „Kündigung“ enthalten. Damit ist der Inhalt eindeutig und rechtlich bindend.

  • Anrede

    Selbst wenn Sie im Zorn gehen – die korrekte Anrede ist ein Akt der Höflichkeit. Mindestens sollten Sie „Sehr geehrte Damen und Herren“ schreiben, wenn Sie den Chef schon nicht persönlich anreden wollen. Der Personalchef kann aber auch adressiert werden.

  • Unterschrift

    Die Kündigung muss in jedem Fall von Ihnen persönlich handschriftlich unterschrieben werden. Keine eingescannte Unterschrift! Natürlich ist es immer netter, wenn Sie vorher noch freundlich grüßen…



Alle Punkte finden Sie hier noch einmal in der graphischen Übersicht:

Kündigungsschreiben-Aufbau-Mustervorlage


Kündigung durch den Arbeitgeber: Was heißt es, gefeuert zu werden?

aarisham/shutterstock.comGekündigt worden… für die meisten Arbeitnehmer stellt die Kündigung einen gravierenden Einschnitt dar. Der Job und damit auch das bisherige Einkommen fallen in Bälde weg. Zudem wirkt die Kündigung wie ein Schandfleck im Lebenslauf… Außerdem fallen neue Jobs bekanntlich nicht einfach vom Himmel und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß.

Das Wichtigste ist jetzt: Behalten Sie trotzdem einen kühlen Kopf und lassen Sie die Nachricht erst einmal sacken.

Arbeitsrechtler sprechen bei einer Kündigung auch von einer einseitig empfangsbedürftigen Willenserklärung. Heißt: Dem Arbeitsvertrag mussten noch beide zustimmen; damit die Kündigung aber arbeitsrechtlich wirksam wird, muss Sie Ihnen nur zugehen – egal, ob Sie daran mitwirken, irgendetwas unterschreiben oder nicht.

Allerdings sind auch an die Kündigung von Seiten des Arbeitgebers zahlreiche Formvorschriften geknüpft, die Arbeitsrichter regelmäßig eng und zugunsten der Beschäftigten auslegen. Das bedeutet: Schon ein einziger Fehler lässt das Schreiben unwirksam werden und stärkt damit Ihre Verhandlungsposition – sei es für eine Kündigungsschutzklage oder für eine höhere Abfindung.

Will Ihr Chef Ihnen kündigen, muss er also auf einiges achten.

Kündigungsgründe

Haben Sie erst einmal die Probezeit überstanden, braucht es einen triftigen Grund, um Ihnen ordentlich zu kündigen. Dabei werden vor allem vier Kündigungsgründe unterschieden:

  1. Die betriebsbedingte Kündigung.

    Aufträge bleiben aus, eine Standort muss geschlossen werden oder der Arbeitgeber muss die Insolvenz anmelden. Diese und weitere Ursachen können der Grund für eine betriebsbedingte Kündigung sein.

    Man spricht hier davon, dass dringende betriebliche Erfordernisse vorliegen müssen, die eine Weiterbeschäftigung unmöglich machen. Allerdings muss der Arbeitgeber diese sehr genau begründen, um damit eine Kündigung rechtfertigen zu können.


  2. Die personenbedingte Kündigung.

    Hier ist der Arbeitnehmer selbst der Grund für die Kündigung – wegen Gründen, die in seiner Person liegen und weil er die Aufgaben des Arbeitsvertrages nicht mehr erfüllen kann (meist wegen Krankheit oder eines schweren Unfalls). In dem Fall muss aber die Prognose negativ sein. Ist kurzfristige Besserung zu erwarten, kann keine personenbedingte Kündigung ausgesprochen werden.


  3. Die verhaltensbedingte Kündigung.

    Dauerhaftes Zuspätkommen, eine unzulässige Nebenbeschäftigung oder ein anderes vertragswidriges Verhalten können zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen.


  4. Die fristlose Kündigung.

    Sie ist die wohl drastischste Variante unter den Kündigungen. Sie kann daher nur in besonders schweren Fällen ausgesprochen werden. Zu einer fristlosen Kündigung gehören beispielsweise eine Straftat oder ein erheblicher Pflichtverstoß, der die weitere Zusammenarbeit für den Arbeitgeber unmöglich macht.

Kündigung Probezeit: Was sagt das Arbeitsrecht?

Der neue Job hat gerade erst so richtig begonnen, da flattert auch schon die Kündigung ins Haus. Das ist oft ein besonderer Schock für Arbeitnehmer, schließlich hatte man sich auf etwas langfristiges eingestellt und vielleicht schon damit begonnen, Pläne zu schmieden.

Nach dem Schock kommen dann oftmals zwei Fragen auf:

  • Ist eine solche Kündigung in der Probezeit laut Arbeitsrecht überhaupt erlaubt? und
  • Wie gehe ich nun damit um?

Die Antwort auf die erste Frage lautet leider: Ja, in der Probezeit kann ein Arbeitgeber Sie jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen vor die Tür setzen und Ihren Arbeitsvertrag auflösen.

Keine Angst, dass ist nicht automatisch ein schwerer Knick im Lebenslauf. Wie Sie mit der Kündigung in der Probezeit umgehen, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema:

Kündigung vom Arbeitgeber: Formfehler, die eine Kündigung unwirksam machen

Spricht der Arbeitgeber eine der oben genannten Kündigungen aus, ist das für die Betroffenen bitter. Sie sollten aber als Erstes prüfen, ob nicht vielleicht doch formelle Fehler gemacht wurden.

Denn dann kann die Kündigung wegen eben diser Formfehlern angefochten werden und wäre dementsprechend nicht gültig. Das sind übrigens die Hauptgründe für eine unwirksame Kündigung:

  • Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Mündliche Kündigungen (zwischen Tür und Angel) sind immer unwirksam. Brüllt der Chef Sie also an Sie sind gefeuert!!! hat das erstmal keine bindenden Konsequenzen.
  • Die Kündigung muss von einem dazu Berechtigten unterschrieben werden. Handschriftlich – ein Unterschriftsstempel ist ungültig. In größeren Unternehmen ist das oft der Leiter der Personalabteilung, in kleineren in der Regel der Chef. Trifft das Kriterium nicht zu, ist die Kündigung ebenfalls formal unwirksam. Tipp: Auch den Briefkopf der Kündigung beachten! Stimmt die Firma mit der im Arbeitsvertrag überein?
  • Falls vorhanden, muss das Unternehmen vorab den Betriebsrat einschalten und ihm die Gründe für die Kündigung mitteilen. Hat der Bedenken gegen den Rausschmiss, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer bis zu einer Entscheidung des Arbeitsgerichts weiter zu beschäftigen. Das Gehalt wird dann natürlich auch weitergezahlt, da man Sie ja nicht kündigen konnte.
  • Einer verhaltensbedingten Kündigung muss meist eine Abmahnung vorausgehen. Das heißt, der Mitarbeiter muss dazu grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gegen seine Vertragspflichten verstoßen haben. Indem der Chef dies abmahnt, sagt er dem Mitarbeiter, dass er dieses Verhalten missbilligt und sich Änderung wünscht.

    Das muss er aber zuerst tun, bevor er – und auch nur im Wiederholungsfall – kündigen kann. Fehlt eine solche Abmahnung, ist das Arbeitsrecht meist auf der Seite des Mitarbeiters und erklärt die Kündigung für unwirksam, da zunächst andere Mittel hätten genutzt werden müssen.
  • Ob eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt ist, dürfen Gerichte zwar nur eingeschränkt prüfen. Dafür können sie aber begutachten, ob die Gründe stimmen, die zum geringeren Arbeitsbedarf geführt haben. Die schlechte wirtschaftliche Lage reicht nicht: Der Unternehmer muss konkret erläutern, wie sich der Auftragsrückgang auf die Arbeitsmenge auswirkt und wie viele Arbeitskräfte überflüssig werden – im gesamten Unternehmen.

    Deshalb ist eine Kündigung unwirksam, wenn überzählige Arbeitnehmer an anderer Stelle weiterbeschäftigt werden könnten.



In all diesen Fällen haben Sie innerhalb von drei Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Widerspruch einzulegen.

Zugegeben, wer einen Arbeitsrechtsprozess gewinnt, wird nur selten auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird dadurch ja nicht gerade besser. Doch der Jobverlust wird meist finanziell besser abgemildert, in Form einer höheren Abfindung – auch wenn es darauf keinen gesetzlichen Anspruch gibt.

Achtung bei Aufhebungsvertrag

Kündigung Arbeitsvertrag Kündigungsschreiben KündigungsfristManchmal bieten Chefs – scheinbar großzügig – auch einen Aufhebungsvertrag an.

Wer den unterschreibt, sollte wissen, dass er oder sie anschließend zwölf Wochen lang kein Arbeitslosengeld (Es beträgt in der Regel 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der vergangenen zwölf Monate) bekommt. Juristisch hat derjenige die Arbeitslosigkeit selbst verursacht.

Einzige Ausnahme: Der Arbeitgeber droht mit einer (nicht ver­hal­tens­be­ding­ten) Kündi­gung, die auch erfolgreich wäre. In dem Fall ist laut Bun­des­so­zi­al­ge­richt dem Arbeitnehmer die Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten (Az. B 11a/11 AL 69/04 R) und die Arbeitsagentur darf keine Sperr­zeit we­gen des Auf­he­bungs­ver­trags verhängen.

In allen anderen Fällen aber (und das ist die Mehrheit) sollte sich das Sperrzeit-Minus in der Abfindungssumme widerspiegeln. Falls der Arbeitgeber darauf nicht eingeht, können Sie auch mit einer sogenannten Kündigungsschutzklage drohen. Sie endet in der Regel damit, dass ein Vergleich beim Arbeitsgericht geschlossen wird – aber damit ist man gegenüber der Arbeitsagentur schon aus dem Schneider.

Und: Allein die glaubhafte Andeutung einer solchen Klage erhöht schon oft die Abfindungssumme.

Kündigung: Was tun bei einem wirksamen Kündigungsschreiben?

Wer eine wirksame Kündigung erhalten hat, sollte sich umgehend um ein Zwischenzeugnis bemühen beziehungsweise dieses beantragen. Sonst verlieren Sie nur Zeit während der Kündigungsfrist und Bewerbungsphase, die jetzt starten sollte.

Zusätzlicher Vorteil: Das Zwischenzeugnis ist bindend für das spätere Arbeitszeugnis – es darf nicht ohne Grund schlechter ausfallen. Sind Sie indes damit nicht zufrieden, können Sie schon jetzt dagegen vorgehen – und sparen wieder Zeit.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen – womöglich findet der doch noch ein paar Formfehler, die der Laie übersieht oder er gibt wichtige Hinweise, worauf Sie nach der Kündigung achten müssen, sei es die Vergütung noch offener Urlaubstage oder eine mögliche Einigung zur Freistellung während der Kündigungsfrist.

Ansonsten haben wir auch für diesen Fall der Kündigung durch den Arbeitgeber noch einmal die wichtigsten Regeln für Sie zusammengefasst:

  1. Arbeitslos melden.

    Melden Sie sich umgehend und innerhalb von drei Tagen beim Arbeitsamt als arbeitslos. Bringen Sie dazu die Kündigung und Ihren Arbeitsvertrag mit. Auch wenn Sie schon bald wieder einen neuen Job finden: Um den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen, muss der gekündigte Arbeitnehmer drei Monate vor Ende der Kündigungsfrist (bei kürzeren Fristen drei Tage nach Erhalt der Kündigung) dies der Arbeitsagentur persönlich mitteilen. Sie sichern sich damit also finanziell ab.


  2. Weiter arbeiten.

    Wer gekündigt wurde, kann nicht einfach zuhause bleiben. Noch gilt ja der Arbeitsvertrag und dessen Fristen. Wer also nicht sofort nach der Kündigung freigestellt wird, muss weiterhin auf der Arbeit erscheinen. Ein Verstoß kann abgemahnt werden und sogar zur fristlosen Kündigung führen (auf die es manche Arbeitgeber anlegen). Das sieht dann nicht nur schlecht im Arbeitszeugnis aus, sondern führt mitunter auch zu einer Sperrfrist bei der Arbeitsagentur.


  3. Profi bleiben.

    Egal, wie schäbig man sich Ihnen gegenüber auch verhält – bleiben Sie stets professionell und souverän. Ab jetzt arbeiten Sie genau genommen nicht mehr für Ihren Chef, sondern für Ihren Ruf. Und der hängt Ihnen noch länger an und nimmt Einfluss auf spätere Bewerbungschancen. Weitere Infos hierzu finden Sie in den folgenden verlinkten Dossiers.


  4. Jobs suchen.

    Haben Sie alle wichtige Details zum auslaufenden Arbeitsvertrag geklärt und es geht nur noch darum, die Kündigungsfrist abzuarbeiten, sollten Sie sich umgehend an die Jobsuche machen. Je schneller Sie damit beginnen, desto kürzer ist die Zeit zwischen den beiden Positionen und die Kündigung fällt vielleicht gar nicht auf.

Die kuriosesten Kündigungsgründe (weltweit)

KündigungsgründeWie kreativ und kleinlich manche Vorgesetzte sind, wenn es darum geht, einen Kündigungsgrund für einen Mitarbeiter zu finden, müssen viele Arbeitsgerichte auf der ganzen Welt immer wieder feststellen. Das Arbeitsrecht wird dabei immer wieder auf die Probe gestellt.

Eine schier unglaubliche Anzahl von Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer landet regelmäßig vor Gericht, um zu einer Einigung zu kommen. Das gilt sowohl in Deutschland, aber auch weltweit. Zum Abschluss finden Sie hier eine Auswahl der kuriosesten Kündigungsgründe aus aller Welt. Viel Spaß beim Schmunzeln – oder Kopfschütteln…

  • Chef nicht gegrüßt – Kündigung!

    Schon das erste Beispiel zeigt, dass kuriose Kündigungen nicht nur aus fernen Ländern kommen, sondern auch in Deutschland passieren. Ein Außendienstmitarbeiter begegnete seinem Chef zweimal außerhalb des Betriebs – und grüßte diesen beide Male nicht. Für den Chef scheinbar Grund genug für eine Kündigung. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht urteilte. Einen Gruß zu verweigern, ist kein Grund für eine Kündigung. Schon gar nicht außerhalb der Arbeit.


  • Lebensgefährtin vom Chef zu alt geschätzt – Kündigung!

    Eine Auszubildende zur Rechtsanwalts-Fachangestellten musste in Mannheim feststellen, wie sehr Männer auf das Alter ihrer Partnerinnen bedacht sind. Ihr Chef zeigte ihr ein Foto seiner Lebensgefährtin und fragte, für wie alt die Auszubildende diese schätze. Die Antwort lautete „40“, das wahre Alter lag bei Anfang 30. Das erzürnte den Chef so sehr, dass es zum Streit kam und er fristlos kündigte. Das Gericht entschied zu Gunsten der Auszubildenden, die bis dahin aber schon einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden hatte.


  • Einfach zu schön – Kündigung!

    An Kuriosität kaum zu überbieten ist der Fall eines Zahnarztes aus den USA. Dieser kündigte einer Arzthelferin einzig und allein aus dem Grund, dass sie „zu schön“ sei. Durch ihr fabelhaftes Aussehen sei er in ständiger Versuchung und seine Ehe sowie seine Karriere seien gefährdet. Der Gipfel der Kuriosität: Das amerikanische Gericht gab dem Arzt obendrein auch noch Recht und bestätigte die Kündigung.


  • Brennendes Auto gelöscht – Kündigung!

    Wie würden Sie reagieren, wenn Sie auf dem Parkplatz vor Ihrem Geschäft ein brennendes Auto bemerken? Von drinnen zuschauen oder draußen helfen? Sein Mut und die gute Tag kosteten den Mitarbeiter eines Supermarkts im amerikanischen Michigan den Job. Er stürmte aus dem Geschäft und löschte das brennende Fahrzeug. Für seinen Chef war der Fall klar: Unrechtmäßiges Verlassen des Arbeitsplatzes, woraufhin die Kündigung folgte.


  • Private Briefe frankiert – Kündigung!

    In Hessen hatte der Mitarbeiter einer Versicherung für einige private Briefe die Frankiermaschine seines Arbeitgebers genutzt. Daraus entstand ein Schaden von nicht einmal fünf Euro. Das war aber unerheblich, denn die fristlose Kündigung folgte trotzdem. Unabhängig von der Höhe des Schadens sah auch das Gericht ein rechtswidriges Erschleichen von Leistungen – und bestätigte die fristlose Kündigung.


  • Erfolgreiche Sportmannschaft – Kündigung!

    Viele freuen sich darüber, wenn die Sportmannschaft der eigenen Schule erfolgreich ist. Nicht so der Rektor einer Highschool in Texas. Die Damen-Basketballmannschaft gewann mit sage und schreibe 100 zu 0. Die Reaktion des Schulleiters: Kündigung für den Trainer des Teams. Beim Spiel habe er kein Mitgefühl, sondern übertriebenen Ehrgeiz an den Tag gelegt. Ein Verhalten, das der Rektor nicht hinnehmen wollte.


  • Leben gerettet – Kündigung!

    Wer beim Schwimmen im Meer in Not gerät, ist froh, wenn ein Rettungsschwimmer in der Nähe ist. So erging es vermutlich auch einem Schwimmer in Florida. Der Rettungsschwimmer eilte ihm zur Hilfe und rettete den Mann. Allerdings hatte er für die Rettung seinen Zuständigkeitsbereich um einige hundert Meter verlassen. Als Dank für die Rettung eines Lebens erhielt er die Kündigung. Nach negativen Medienberichten nahm der Arbeitgeber diese aber wieder zurück.

[Bildnachweis: Brian A Jackson, aarisham, maraga by Shutterstock.com]
  • Oriana Irisity

    Hallo, ich möchte wissen, wenn mein Arbeitgeber den Grund meiner Kündigung in dem Brief schriftlich NICHT feststellt, ist die Kündigung trotzdem wirksam?

    Antworten

  • Henry

    In meinem Kündigungsschreiben steht, dass mir die Gründe persönlich mitgeteilt wurden und das auch so passiert ist, ist das dann rechtens? Auch gegenüber dem Arbeitsamt, oder bekomme ich da eine Sperre?

    Antworten

    • Jochen Mai Autor

      Wenn dir gekündigt wurde, bekommst du keine Sperre. Aber die Gründe müssen schon angegeben werden, auch schriftlich. Ich vermute mal, mit einem guten Anwalt lässt sich die Kündigung anfechten.

  • Sven

    Ich habe ein Pflichtverstoß begangen. Soweit weiß hat der Chef 2 Wochen nach Bekanntwerden des Verstoßes Zeit mich aufgrunddessen zu kündigen ? Zählt als Stichtag das Datum des Schreibens oder der Erhalt der Kündigung ?

    Antworten

    • Jochen Mai Autor

      Ich bin kein Fachanwalt, aber ich würde sagen: Weder noch. Was zählt ist der Zeitpunkt, ab wann der Chef von dem Pflichtverstoß Kenntnis hat. Danach erst kann er ja entscheiden, wie er reagiert – mit Abmahnung oder Kündigung (je nach Verstoß).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*