Entgeltfortzahlung: Das sollten Sie im Krankheitsfalle wissen

Wenn Sie krank sind, müssen Sie sich im Normalfall keine Sorgen um Ihr Einkommen machen: Die Entgeltfortzahlung erhalten auch Arbeitnehmer, die krankheitsbedingt nicht arbeiten können. Das ist keine Selbstverständlichkeit und war nicht immer so. Selbst heutzutage wissen viele Arbeitnehmer in anderen Beschäftigungsverhältnissen als dem Normalarbeitsverhältnis nicht um ihre Rechte. Damit Sie informiert sind, klären wir hier über die Voraussetzungen für Entgeltfortzahlung auf.

Entgeltfortzahlung: Das sollten Sie im Krankheitsfalle wissen

Definition: Was ist unter Entgeltfortzahlung zu verstehen?

Entgeltfortzahlung Entgeltfortzahlungsgesetz §3 Zusammenfassung Berechnung Kind krank Krankmeldung MinijobBei der Entgeltfortzahlung handelt es sich um eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Das heißt, obwohl der Arbeitnehmer nicht seine Arbeitsleistung erbringen kann, zu der er sich durch den Arbeitsvertrag verpflichtet hat, erhält er sein volles Gehalt – arbeitsrechtlich Arbeitsentgelt genannt. Gesetzliche Grundlage für die Fortzahlung ist seit 1994 das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG), welches in Paragraph 3 regelt:

Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.

Diese Summe muss der Arbeitgeber übrigens selbst aufbringen, sofern er nicht gegen Arbeitsunfähigkeit versichert ist.

Diese Entgeltfortzahlung ist ein Meilenstein unter den Arbeitnehmerrechten. Erst seit 1957 ist sie zwingend auch für Arbeiter vorgeschrieben – damals wurde sie nach einem 16-wöchigen Streik durch die Metallarbeiter erwirkt. Damals fiel allerdings die Höhe noch geringer aus und auch die Ungleichbehandlung von verschiedenen Arbeitnehmergruppen wurde erst 1994 endgültig abgeschafft.

Voraussetzungen: Wer hat Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Der § 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes gilt für alle Arbeitnehmer gleichermaßen. Das heißt, nicht nur Vollzeitkräfte erhalten Entgeltfortzahlung, sondern auch:

Um Missbrauch vorzubeugen, müssen für die Entgeltfortzahlung bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Die wichtigste wurde bereits genannt: Die Krankheit muss unverschuldet sein.

Wer also grob fahrlässig handelt und dadurch seinen krankheitsbedingten Arbeitsausfall selbst provoziert, kann von der Entgeltfortzahlung ausgenommen sein. Was sind solche Fälle, in denen der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern kann? Beispielsweise, wenn Sie…

  • mit Alkohol am Steuer infolge eines selbstverschuldeten Unfalls arbeitsunfähig werden,
  • eine Schlägerei beginnen und dadurch verletzt werden,
  • bei einem gefährlichen Nebenjob sich verletzen,
  • sich Verletzungen aufgrund von Nichtbeachtung von Unfallverhütungsvorschriften zuziehen,
  • infolge von verunglückten Schönheitsoperationen, Tätowierungen oder Piercings, die allesamt aus medizinischer Sicht nicht notwendig waren, arbeitsunfähig werden.

Der Arbeitgeber darf die Entgeltfortzahlung allerdings nicht einfach einbehalten, sondern muss nachweisen, dass sein Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit selbst zu verantworten hat.

Hat er Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit seines Mitarbeiters, muss er den medizinischen Dienst der Kranken- und Pflegekassen (MDK) beauftragen.

Darüber hinaus müssen diese Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Arbeitnehmer ist mindestens seit vier Wochen im Unternehmen beschäftigt (Wartezeit). Ausnahmen können im Tarifvertrag geregelt sein – so gilt für Beschäftigte im TVöD diese vierwöchige Frist nicht.
  • Der Arbeitgeber ist unverzüglich über den Ausfall und die voraussichtliche Dauer zu unterrichten, denn als Arbeitnehmer haben sie gemäß § 5 EFZG Anzeige- und Nachweispflichten. Der Arbeitgeber kann vertraglich festlegen, dass ab dem ersten Tag der Krankmeldung ein ärztliches Attest erforderlich ist. Anderenfalls ist spätestens nach dem dritten Tag die Krankheit durch einen Arzt nachzuweisen.
  • Legt der Mitarbeiter den Attest nicht vor, darf der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern. Er muss nach Vorlage jedoch rückwirkend ab dem ersten Tag des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls nachzahlen.
  • Weist der Mitarbeiter trotz Aufforderung die Arbeitsunfähigkeit nicht nach, kann der Arbeitgeber eine Abmahnung oder sogar Kündigung ausgesprechen.
  • Der Arbeitnehmer sich innerhalb von sechs Monaten nicht erneut wegen derselben Erkrankung krank (Fortsetzungskrankheit).
  • Seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Erkrankung müssen zwölf Monate vergangen sein.

Lohnfortzahlung bei Arbeitgeberwechsel

Entgeltfortzahlung Arbeitgeberwechsel Entgeltfortzahlungsgesetz §3 Zusammenfassung Berechnung Kind krank Krankmeldung MinijobWechselt ein Arbeitnehmer im Laufe des Jahres den Arbeitgeber, ist es unerheblich, wie häufig und wie lange er in dem vorherigen Arbeitsverhältnis erkrankt war.

Die wichtigste Voraussetzung, nämlich die vierwöchige Wartezeit, beginnt mit jedem neuen Arbeitsverhältnis. War der Mitarbeiter ununterbrochen vier Wochen beschäftigt, hat er im Krankheitsfalle wieder einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Berechnung der Entgeltfortzahlung

Wie berechnet sich die Entgeltfortzahlung? Üblicherweise beginnt sie mit dem ersten Tag der Krankheit. Wer auf der Arbeit erkrankt, erhält ab dem nächsten Tag Entgeltfortzahlung. Folgend einige Fallbeispiele. Es kann vorkommen, dass ein Arbeitnehmer erst seit drei Wochen beschäftigt ist und schon krankheitsbedingt ausfällt. In diesem Fall springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein.

Ist der Arbeitnehmer über die vier Wochen hinaus krank, zahlt mit Beginn der fünften Woche der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung für die Dauer von maximal sechs Wochen. Die vierwöchige Wartezeit verkürzt also weder den Fortzahlungsanspruch noch entbindet sie den Arbeitgeber komplett davon.

Beispiel

Ein Mitarbeiter in Festanstellung hat zum 1. August seine Arbeit aufgenommen, fällt ab dem 20. August aufgrund von Krankheit innerhalb der Wartezeit (1. bis 28. August) aus. Ab dem 29. August muss der Arbeitgeber dann für bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung leisten. Ist der Arbeitnehmer bereits am 29. August wieder gesund, entfällt die Verpflichtung.

Bei kurzfristigen Beschäftigungen oder Kündigungen endet die Entgeltfortzahlung mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Sofern die Wartezeit beachtet wurde und der Arbeitnehmer noch innerhalb des Arbeitsverhältnisses erkrankt, ist der Arbeitgeber in der Pflicht.

Beispiel

Zur Überbrückung von Auftragsspitzen wurde eine Aushilfe für die Dauer von zwei Monaten auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung eingestellt. Der Vertrag läuft vom 1. September bis zum 31. Oktober. Ab dem 1. Oktober würde sie im Krankheitsfalle Anspruch auf Entgeltfortzahlung haben. Ist sie über den 31. Oktober – dem Ende ihres Arbeitsverhältnisses – hinaus krank, bekommt sie Krankengeld von ihrer Krankenkasse.

Wie hoch ist die Entgeltfortzahlung?

Für die Dauer von maximal sechs Wochen erhalten kranke Mitarbeiter die Entgeltfortzahlung. Die Entgelthöhe entspricht dem normalen Gehalt, dass Sie bei normaler Arbeitsleistung zu erwarten hätten. Überstunden – sofern sie nicht regelmäßig anfallen – werden nicht einkalkuliert.

Bei variablen Gehältern, die abhängig von Zielvereinbarungen sind, wird der in der Arbeitszeit übliche Durchschnittsverdienst weitergezahlt. Ist ein Stundenlohn üblich, werden die entfallenen Arbeitsstunden mit dem Stundenlohn multipliziert und als Arbeitslohn fortgezahlt.

Wer durch Wechselschichten ein Anrecht auf Sonn- und Feiertagszuschläge hätte, bekommt diese weiterhin gezahlt. Ebenfalls mit in die Entgeltfortzahlung hinein fallen vermögenswirksame Leistungen sowie allgemeine Lohnerhöhungen oder Lohnminderungen.

Bei Erkrankungen, die über sechs Wochen hinaus gehen, übernimmt die Krankenkasse und zahlt Krankengeld. Das liegt allerdings in der Regel nur bei 70 Prozent, maximal bei 90 Prozent. Es fällt somit geringer als der letzte Monatslohn aus.
Ausgenommen sind seit 2012 davon Organspender, die im Falle des Krankengeldes Anspruch auf 100 Prozent des letzten Gehalts haben.

Keinen Anspruch auf Krankengeld haben Selbständige und Saisonarbeitskräfte.

Entgeltfortzahlung Rechner für Fristen

Entgeltfortzahlung Rechner Entgeltfortzahlungsgesetz §3 Zusammenfassung Berechnung Kind krank Krankmeldung MinijobVerschiedene gesetzliche Krankenkassen stellen einen Rechner zur Verfügung, mit dem Sie wichtige Fristen bei Schwangerschaft oder im Krankheitsfalle bestimmen können. Hier können Sie erkennen, bis wann Ihnen (sofern die Wartezeit vorbei ist) Entgeltfortzahlung zusteht und ab welchem Datum Sie mit Krankengeld rechnen müssen:

Kind krank? Diese Möglichkeiten haben Eltern

Grob gilt: Eltern von Kindern, die unter 12 Jahre alt sind, dürfen sich bis zu zehn Tage im Jahr krankschreiben lassen, um sich um ihr krankes Kind zu kümmern.

Während dieser Freistellung erhalten sie Entgeltfortzahlung. Für Alleinerziehende sind sogar bis zu 20 Tagen bezahlte Freistellung möglich. Voraussetzung ist hier wie bei der eigenen Erkrankung, dass Sie mit einem ärztlichen Attest ab dem ersten Tag die Krankheit nachweisen.

Als Arbeitnehmer müssen Sie und Ihr Kind Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse sein. Außerdem kann kein anderes Familienmitglied – etwa der Partner oder ein Großelternteil – die Pflege des erkrankten Kindes übernehmen.

Ihr Arbeitgeber kann im Arbeitsvertrag allerdings festgelegt haben, dass die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle eines Kindes explizit ausgeschlossen ist. In diesem Fall ist eine unbezahlte Freistellung möglich, Ihre Krankenkasse zahlt dann das Kinderkrankengeld.

[Bildnachweis: Dragana Gordic by Shutterstock.com]
14. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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