Wie heißt es so schön: Beziehungen schaden nur dem, der keine hat. Und der muss sich in der Regel bewerben. Vielen ist das unangenehm, denn es hat vor allem mit Verkaufen und Selbstanpreisung zu tun: Sie sind die Ware – und die sucht den bestmöglichen Käufer. Wie Schlussverkauf sollte das allerdings auch nicht aussehen. Ramsch kauft keiner gern.
Wie aber sieht eine perfekte Bewerbung aus: Edle Hülle? Buntes Deckblatt? Chronologischer Lebenslauf? Eingescannte Fotos? Vieles von dem, was in Bewerbungsratgebern steht, fällt ins Reich der Moden und Mythen. Das Nachsehen hat der Jobsucher. Was Personaler wirklich schick finden, ist eine klassisch-schlichte Bewerbung ohne jeden Schnickschnack – und die besteht aus drei wesentlichen Teilen: dem Anschreiben, dem Lebenslauf und dem Bewerbungsfoto.
Das Anschreiben
Das Anschreiben ist keine Dreingabe, sondern das Initial. Es liegt obenauf und ist das Erste, was dem Personaler ins Auge springt. Entsprechend übersichtlich und prägnant muss es sein – aber bitte nicht überkandidelt. Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Anschreiben seine Motivation. Wichtig ist hierbei, dem Adressaten klar zu zeigen, warum man sich auf diese konkrete Stelle bewirbt, und warum man der Beste ist, den er dafür bekommen kann. Es genügt nicht, allein die Höhepunkte der eigenen Biografie zu wiederholen. Die stehen ja im Lebenslauf. Hier stehen vielmehr soziale Kompetenzen im Vordergrund . Auf sie achten Personaler vor allem.
Zunächst aber gehen Sie bitte ganz konkret auf die ausgeschriebene Stelle ein. Nur nicht mit einem Standardsatz à la Hiermit bewerbe ich mich… Der versetzt Personaler sofort ins Koma und belegt, dass Sie keine Phantasie haben. Aus selbigem Grund steht an dieser Stelle auch keine Formulierungsalternative von mir. Die Gefahr ist zu groß, dass die doch einige abschreiben, und dann rufen mich die genervten Personaler an… Nö. Verzichten Sie bitte grundsätzlich auf Floskeln oder peinliche Zitate von großen Literaten, was einige Quacksalber ernsthaft empfehlen. Nicht Schiller, Goethe oder Hemingway bewerben sich, sondern Sie! Kommen Sie also gleich zum Punkt. Ganz persönlich.
Seien Sie dabei ruhig mutig. Kondensieren Sie Ihre bisherigen Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem Plädoyer, das nur einen Schluss zulässt: Dieser Job wurde für Sie gemacht (nur bitte nicht wörtlich!). Absolventen sollten bei ihrer Argumentation vor allem auf Studienschwerpunkte abzielen, Berufserfahrene auf die aktuelle Position und erfolgreich absolvierte Projekte. Lassen Sie dabei subtil einfließen, dass Sie sich mit dem Unternehmen, seinen Produkten, seiner Kultur beschäftigt haben, indem Sie etwa ein paar aktuelle Zahlen zitieren oder auf ein kürzlich publiziertes Interview des CEO oder das Produkt eingehen. Die Betonung hierbei liegt auf subtil. Es muss klarwerden, warum Sie sich für die ausgeschriebene Stelle interessieren, warum für dieses Unternehmen und warum Sie den Anforderungen des Jobs gewachsen sind. Aber schreiben Sie nicht so etwas wie Ich bin konflikt- und teamfähig… Komagefahr! Sie erinnern sich? Bringen Sie nur harte Fakten, zwischen den Zeilen spricht aus ihnen dasselbe – aber es ist dann keine These, sondern belegtes Faktum. Lassen Sie sich zum Formulieren ruhig ein paar Tage Zeit. Schnellschüsse gelingen selten. Denken Sie daran: Ihr Anschreiben muss beim Leser Interesse wecken. Da sollte jeder Satz sitzen.
Zu den unverzichtbaren Elementen jedes Anschreibens gehören indes: Ihr Name, Adresse sowie E-Mail-Adresse und Telefonnummer in der Kopfzeile. Darunter das Datum. Linksbündig Vor- und Zuname des Adressaten (nicht: „An die Personalabteilung“) sowie Anschrift, eine konkrete Betreffzeile („Bewerbung / Ihre Stellenanzeige vom 24. Juli 2007 in der Lokalzeitung“). Abschließend eine Unterschrift (nicht gedruckt!) und der Anlagenvermerk (Lebenslauf, Zeugnisse). Und nur der Form halber: Natürlich verwenden Sie jede Bewerbung nur einmal! Das Papier (Standard: DIN A4) ist nicht nur einfachstes Kopierpapier, sondern besser. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten). Und die Texte sind frei von Grammatik- und Orthografiefehlern. Optimal ist zudem, wenn Sie nur eine Schrifttype (nur nicht die 0815-Typen Arial oder Times) sowie Einzüge, Linien und Abstände (eineinhalbzeilig hat sich bewährt) auf sämtlichen Seiten einheitlich verwenden. Die Bewerbung bekommt sonst leicht einen Patchwork-Charakter. Das Anschreiben sollte zudem nicht länger als eine Seite sein.
Der Lebenslauf
Ob der Lebenslauf amerikanisch – also mit der aktuellen Position zuerst – oder chronologisch verfasst wird, ist Geschmacksache und variiert von Personaler zu Personaler. Wichtiger ist, dass das Profil des Bewerbers schnell erfasst werden kann. Personaler müssen hunderte solcher Mappen lesen, die wenigsten investieren dazu jeweils mehr als vier Minuten. Das Wesentliche muss also sofort ins Auge springen. Die tabellarische Form ist heute Standard, darauf sind Rekruter trainiert. Also bleiben Sie ruhig dabei: links Zeitangaben, rechts Fakten. Und keinen optischen Firlefanz! Glauben Sie mir: Das nervt nur, und das Rad hat dabei auch noch keiner neu erfunden.
Ein Lebenslauf ist eine reine Faktensammlung. Kurz, knapp, knackig. Stichworte reichen, Kommentare sind tabu. Genauso eine Anrede oder Grußformel zum Schluss. Persönliche Daten (Name, Geburtstag und –ort, Anschrift, Familienstand, Staatsangehörigkeit), Ausbildung (dazu gehört auch evtl. geleisteter Wehr- oder Ersatzdienst), Berufserfahrung, besondere Qualifikationen (Weiterbildung, Kenntnisse, Fähigkeiten, Sprachen), Interessen (Mitgliedschaften, soziale Dienste – keine Hobbys!) – das sind die wichtigsten Stationen der Vita. Natürlich sollten Sie alles zeitlich exakt einordnen, vor allem lückenlos. Das weckt sonst den Verdacht, Sie wollten eine peinliche Station vertuschen. Monatsangaben reichen in der Regel, also: 06/2003 – 06/2006 Ausbildung zum Bankkaufmann in der Kreissparkasse Köln.
Ein guter Tipp von Gerhard Winkler ist, direkt unter die persönlichen Angaben, eine Zeile mit der angestrebten Position einzufügen. Das betont Ihren Anspruch auf die ausgeschriebene Stelle. Danach sollte dann sofort Ihr stärkstes Argument folgen. Bei Absolventen sind es die Ausbildung und Studienschwerpunkte, bei Jobwechslern die aktuelle Position, bei Arbeitsuchenden ihre besonderen Qualifikationen.
Formal müssen Sie den Lebenslauf am Ende noch mit Ort, Datum und einer Unterschrift versehen. Er ist damit eine Urkunde. Machen Sie darin falsche Angaben, die Ihren künftigen Arbeitgeber bewusst täuschen sollen und er findet das später heraus, kann er sie fristlos feuern, ggflls. schadenersatzpflichtig verklagen. Also bleiben Sie immer bei der Wahrheit!
Das Bewerbungsfoto
Um das Bewerbungsfoto wird viel Bohai gemacht. Dabei ist es ganz einfach: Die Größe variiert zwischen 6 x 4 oder 9 x 6 Zentimeter. Das entspricht zugleich dem Goldenen Schnitt. Es sollte weder aus dem Automaten noch aus dem Urlaub stammen, sondern ein wertiges Porträt (also keine Ganzkörperaufnahme) vor einem neutralen Hintergrund sein. Am besten von einem Profi gemacht. Wenn Sie Abzüge in die Bewerbung integrieren, kommen diese auf das erste Blatt des Lebenslaufs – und zwar oben in die erste Zeile der Tabelle. Ob rechts oder links, hängt davon ab, in welche Richtung Ihre Nase zeigt: Sie sollte immer in die Seite hineinzeigen, nie heraus! Das wirkt harmonischer. Befestigen Sie das Lichtbild bitte mit einem Klebestift, nicht mit einer Büroklammer. Wer das Foto digital in das Lebenslauf-Dokument integriert, sollte unbedingt auf zwei Dinge achten: Erstens, eine möglichst hohe Auflösung wählen, damit der Druck später besser wird; zweitens, möglichst fototaugliches hochwertiges Papier verwenden. Sonst können Sie genauso gut eine Fotokopie einschicken.
Das Motiv zeigt Sie selbst im Halbporträt, dazu etwas Schulterpartie. Damit das Gesicht nicht glänzt, sollten Sie es vorher abpudern oder mit weichem Klopapier sanft abreiben. Nur nicht zu doll, sonst sehen Sie aus wie ein Hitzkopf. Ihre Kleidung – wie das gesamte Lichtbild – sollte zum angestrebten Job passen: Wenn Sie Banker werden wollen – sehen Sie aus wie ein Banker! Wollen Sie in einer hippen Werbeagentur anheuern – sehen Sie bloß nicht aus wie ein Banker! Sondern wie ein Werber. Das ist aber schon fast die Ausnahme. Ein Minimum an Seriosität schadet nie. Männer tragen also in der Regel ein dunkles Sakko ein sauberes und gebügeltes Hemd und eine aktuelle Krawatte (bitte keine Micky-Maus-Motive!); Für Frauen gilt ähnliches, mit Ausnahme der Krawatte natürlich. Schulterfrei-Look ist tabu, ebenso tiefe Dekolletees und zu viel Make-up. Psychotests haben zudem ergeben: Frauen mit Pferdeschwanz wirken seriöser und haben bessere Chancen zum Vorstellungsgespräch geladen zu werden als Frauen mit langen offenen Haaren!
Schwarzweiß oder farbig? Das ist letztlich Geschmacksache. Monochrome Bilder wirken unaufdringlicher und eleganter, können aber auch manieriert aussehen. Farbfotos dagegen sind authentischer, je nach Beleuchtung aber auch misstönend. Fragen Sie hierzu lieber ein paar Freunde, welche Alternative diese sympathischer finden.
Und sparen Sie nie am Foto, am Papier oder an der Mappe. Geiz ist nur in der Produktwerbung geil – persönlich nie!







Manuel
Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel und die ganzen nützlichen Hinweise. Den letzten Satz finde ich persönlich mit am Wichtigsten. Lieber ein bisschen mehr für die Bewerbung ausgeben. Ist ja schließlich wie in eine Investition, die sich später einmal auszahlen soll ;-)
Mina
Mein lieber Jochen,
das ist ein ganz fantastischer Artikel! Du kennst dich aus und hast dein Wissen auf sympathische Weise weitergegeben!
Danke! Hoffe deine Tipps helfen mir bei der Bewerbung.
Liebe Grüße,
Mina
Jochen Mai
Liebe Mina,
viel Erfolg bei der Jobsuche! Und wenn es half, lass es mich wissen…
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