Schwarmintelligenz und Demokratisierung des Netzes – das waren Schlagworte aus den Anfängen des Social Webs. Heute wissen wir: Es gibt auch so etwas wie Schwarmblödheit, und Demokratie ohne Regeln ist Anarchie im Netz – und die mutiert schnell zum Monster. Eines, das Trolle gebiert, Kultur zerstört und jeden, der an einem echten Diskurs interessiert ist, vertreibt. Klaus Eck hat gestern auf Google+ gefragt: “Müssen wir mit einer zunehmenden Aggressivität der Onliner rechnen?” Ich meine: “Nein. Aber wir sollten Communities besser managen und die Aggressiven sofort rausschmeißen.”
Mir ist klar, das Thema wird polarisieren und provozieren. Es gibt es bei diesem Thema so gut wie keine Neutralität. Alle sind irgendwie betroffen – als Täter oder Leidtragende. Und die meisten verfolgen dabei auch irgendeine Absicht – was aber längst nicht alle zugeben und die Bewertung der Meinungen dazu hinterher nicht unbedingt leichter macht. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, welchen Schuh er oder sie sich anzieht. Aber der Reihe nach…
Bevor ich zur eigentlichen These des Artikels komme, möchte ich zwei Geschichten erzählen. Die erste ist wahr, die zweite auch, aber eher so eine Parabel.
Ich erinnere mich an eine vielversprechende Website mit guten Inhalten, aber einem lausigen Community-Management. Den Betreibern ging es vornehmlich um Profit, um Klicks und Quantität. Nach außen wurde natürlich eher so getan, als gehe es nur um Qualität. Doch diese Lüge offenbarte sich regelmäßig in den Kommentaren: Jeder durfte dort ungefiltert hinterlassen, was ihm in den Sinn kam. Ob es mit dem Thema zu tun hatte oder nicht, konstruktiv war, vielleicht sogar intelligent spielte keine Rolle. Es brachte schließlich Traffic, mindestens einen Klick.
Was aber tatsächlich passierte, war etwas anderes: Binnen kürzester Zeit waren die Kommentare voll mit Blödeleien, Abseitigem, Banalem oder gar geistigem Unrat – auch den berüchtigten Nazi-Vergleichen. Und zehn solcher Kommentare in Folge reichten aus, um die wenigen konstruktiven und intelligenten Leser zu verscheuchen. Wer sieht sich schon gerne in einem solchen Umfeld, wenn er tatsächlich etwas zu sagen hat? Wer will mit anderen diskutieren, die das dokumentiertermaßen nicht wollen – oder schlimmer: nicht können?
Kurzum: Binnen kurzer Zeit blieben auch die wenigen wertvollen Kommentare aus. Qualität suchte man auf der Seite immer länger. Und mit der Zeit sank mit der Qualität auch die Zahl der sichtbaren Besucher und Diskussionen (wenn man sie überhaupt so nennen kann). Und damit auch die Glaubwürdigkeit des Slogans, es handele sich um eine Qualitätsseite. Die Marke hatte sich selbst beschädigt.
Die zweite Geschichte spielt in einem ganz anderen Genre – dem Nachtleben. In einem Club.
Ein guter Club hat immer eine harte Tür. Türsteher gehören zwar nicht zu den beliebtesten Zeitgenossen, weil sie regelmäßig Egos zerbröseln, aber sie sind ungemein nützlich. Wer schon am Eingang unangenehm auffällt, kommt gar nicht erst rein. Und wer drinnen die Party stört, fliegt raus und bekommt – je nach Vergehen – Hausverbot.
Man sollte meinen, dass das solche Clubs extrem unsympathisch macht, doch das Gegenteil ist der Fall: Sie entwickeln sich regelmäßig zu Hotspots; in ist, wer drin ist. Und drinnen wird amtlich gefeiert. Denn die, die drinnen sind, wissen sich zu benehmen, sind nett zueinander, rücksichtsvoll und haben gemeinsam Spaß. Vielleicht rempeln mal zwei zusammen, eine tritt der anderen auf die Füße – trotzdem bleiben alle friedlich oder kommen gar so erst ins Gespräch.
Natürlich gibt es auch diejenigen, die über den angeblich so elitären Club schimpfen – in den meisten Fällen aber sind es diejenigen, die rausgeflogen oder regelmäßig an der harten Tür gescheitert sind. Wenn man schon out ist, muss man wenigstens das Drinnen für Scheiße erklären, damit die Raumverteilung ausgeglichen ist. Ein verständlicher, weil menschlicher Reflex. Glaubwürdiger macht das einen aber nicht.
Social Media brauchen mehr Türsteher
Social Media haben viel mit solchen Clubs und Webseiten gemein: Wird die Kommunikation dort nicht moderiert und gemanagt, sinkt die Qualität. Die ist sicher von Seite zu Seite verschieden, und die Maßstäbe dazu werden subjektiv von jedem Hausherren anders festgelegt. Aber nur so funktioniert es: So wie der Clubbesitzer ist auch der Seitenbetreiber dafür verantwortlich, was in seinem Laden passiert. Und wer will schon die Verantwortung übernehmen, wenn dort jeder machen kann, was er will? Davon abgesehen geht das selten gut, und ich kenne auch kein florierendes Forum, das ohne Moderatoren auskäme.
An der ersten Geschichte erkennt man übrigens auch die Milchmädchenrechnung: Masse zahlt sich nicht aus, Klasse aber schon.
Spätestens an dieser Stelle kommen die beiden Schlagwörter “Zensur” und “Willkür” ins Spiel. Doch es wäre naiv, Community-Management mit Willkür und Zensur zu vergleichen: Willkür kann es schon nicht sein, wenn der Manager nach festen Regeln und im Interesse seines Club-Konzepts handelt. Und Zensur wäre es nur, wenn der Community-Manager einen generellen Internet-Bann aussprechen könnte. Anders gesagt: Wer in einem Club Hausverbot bekommt, kann immer noch in zahlreichen anderen Lokalen Party machen. Oder weniger metaphorisch: Wer schlecht drauf oder gerade in Motzlaune ist; wer unbedingt trollen möchte, der kann im Internet jederzeit sein eigenes Motzblog eröffnen, dort andere diffamieren oder bekritteln. Nur muss er oder sie dann dazu stehen, aus der Anonymität heraus und sich sein eigenes Forum aufbauen. Warum aber die eigene Community dafür auf dem Altar der angeblichen Meinungsfreiheit opfern? Die Meinungsfreiheit bleibt davon unberührt. Das Internet ist groß.
Ist so ein Rausschmiss professionell?
Drei Indizien, die Trollgeist verraten
- Unfehlbarkeit. Andere zu kritisieren, ist leicht. Den Splitter im fremden Auge zu entdecken, ist reizvoller, als am eigenen Balken zu operieren. Doch was ist das Motiv: Will der Kritiker konstruktiv helfen oder nur sich selbst erhöhen? Und so verraten sich viele dieser Besserwisser dadurch, dass sie zwar austeilen, aber nie einstecken können. Sie glauben, wer Kritik äußert, muss immer richtig liegen und darf selbst nicht kritisiert werden. Unfehlbarkeit ist aber Sache der Götter – es sei denn, man hält sich selbst für den Größten.
- Pauschalkritik. Alles totaler Bullshit, weil iss so. Ungefähr so liest sich wertlose Kritik. Sie ist generell, aber nie konkret. Sie sagt, was schlecht ist, ohne zu sagen, wie es besser werden könnte. Es sind Gegenthesen ohne Beleg. Ventilierte Emotion. Mehr nicht. Letztlich aus einem einfachen Grund: Wer einen Vorschlag macht, macht sich damit angreifbar, braucht Argumente, muss begründen, womöglich auch einen Irrtum eingestehen.
- Pointismus. Den zynischen Wortwitz gibt es in jeder Debattenkultur. Aber in keiner guten. Denn er hat immer nur einen Zweck: den anderen durch eine gezielte Pointe bloßstellen und ihn zum Gespött machen. Spott ist der Humus, auf dem zwar Shitstorms gedeihen. Die sind aber selten konstruktiv, belustigen nur die Meute und hinterlassen verbrannte Brücken. Lieber einen Diskurs crashen, als eine Pointe auslassen. Aber wehe man wird selber mal so behandelt! Trolle messen mit ungleichem Maß.
Ja, sehr sogar. Es ist längst dokumentiert, dass es im Netz auch so etwas wie Trolltourismus, Shitstorm-Gaffer und Diskussions-Crasher gibt. Und meine Erfahrung ist da sehr eindeutig: Schmeißt man die nicht sofort raus, ist die “Party” bald vorbei, die Diskussion wertlos und die wirklich am Thema interessierte Community verstimmt.
Das ist in Foren nicht anders: Die wirklich guten, werden moderiert. Und der Moderator achtet gewissenhaft darauf, dass Neue, die simple Fragen stellen, von den Geeks nicht gleich verspottet werden und Mitglieder, die partout anderer Meinung sind, diese trotzdem stehen lassen zu können ohne gleich das Forum zu crashen (was aber nicht alle können und deshalb rausfliegen).
In den oben schon zitierten Google+-Thread wirft Hans Steup (den ich auch hier im Blog als regelmäßigen konstruktiven Kommentator schätze) denn auch zu Recht ein:
Ist es wirklich Zensur, wenn ich “unfreundliche” Kommentare lösche? Ist es wirklich Meinungsfreiheit, wenn ich sie stehen lasse? Jeder von uns würde jeden aus seinem Wohnzimmer rausschmeißen, der die Partygäste anpöbelt oder nur zum Flyer verteilen vorbei kommt.
Natürlich soll das nicht heißen, Kritik – vor allem dann, wenn sie unangenehm ist – auszublenden und zu löschen. Community-Management ist kein Freibrief zur Image-Politur. Aber…
Die Frage ist auch immer WIE die Kritik geäußert wurde und zu welchem Zweck. Es gibt Kommentatoren, die machen das konstruktiv und mit dem Ziel, dass die Seite besser und allen geholfen wird. Das lässt sich in der Regel leicht am charmanten und verständnisvoll-bescheidenen Ton erkennen.
Und dann gibt es die anderen. Die tun so, als hätten Sie beim Aufdecken eines Zahlendrehers gerade geheime Nato-Codes enthüllt und müssten der Welt zeigen, was für eine unglaubliche Schlamperei hier doch herrscht und wie genial sie sind, dass sie das aufdecken konnten. Kurz: Sie erhöhen sich, indem sie andere klein machen. Das ist nicht konstruktiv, sondern deutet vielmehr auf eine veritable Profilneurose hin. Man könnte auch sagen, sie missbrauchen die Kommentarfunktion zur Selbsttherapie.
Auch in solchen Fällen neige ich inzwischen mehr und mehr dazu, zu empfehlen: Nimm die berechtigte Kritik an, korrigiere den Fehler – aber weise den Neurotiker in seine Schranken. Und allzu aufdringliche Selbstbeweihräucherung darf man auch mal löschen. Und sei es nur als Test: Die wirklich souveränen Kommentatoren werden das verschmerzen und darüber lächeln können. Sie schicken dann vielleicht eine Mail, fragen nach und nehmen sich selbst einfach nicht so wichtig. Auch das übrigens ein Erfahrungswert.
Jene aber, die dann sofort lospoltern und meinen ihr motziger Dreizeiler wäre eine so wichtige Offenbarung für die Welt gewesen, dass das Löschen eigentlich Blasphemie gleichkommt, die sollte man gleich in den “Block”-Status erheben und den Spamfilter um ihre Kennung erweitern.
Eine starke Community entsteht nicht einfach – sie wird gebaut
Ja, das klingt hart. Aber Menschen sind nun mal verschieden und nicht wenige haben ein destruktives Wesen. Sie kommen nur vorbei und machen sich auch nur bemerkbar, wenn es etwas zu meckern gibt. An allem suchen sie das Schlechte, den Haken, den Makel im Gewand. Es sind Menschen, die in die Kneipe kommen, wenn es Freibier gibt und sich dann über hässliche Gläser beschweren. Von solchen Menschen liest man nie einen positiven oder konstruktiven Kommentar. Immer nur Kritik, Gemoser, Genörgel. Und wenn mal hart diskutiert wird, mischen sie sich nur ein, um anderen zu zeigen, wie doof die und wie klug sie selbst sind.
Man muss es mal ganz deutlich sagen: Solche Menschen bringen niemanden voran – nicht einmal sich selbst. Sie saugen Energie von anderen ab und stehlen Zeit, die in die freundlichen, intelligenten und wirklich konstruktiven Leser hundert Mal besser investiert ist.
Deshalb, daher und darum: Schmeißen Sie Trolle raus. Sofort, ohne lange zu fackeln. Im Zweifel auf Bewährung.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Mel
Ich finde es gut, dass jemand das mal direkt anspricht! Ich komme aus einem großen Forum und bei uns wurde angezählt und nach dem 3. Verweis gesperrt – rigoros ohne wenn und aber! Normalerweise müsste man Trollen durch Ignorieren die Basis entziehen, aber das kann man nicht, weil es immer wieder andere User gibt, die sich doch provozieren lassen und antworten. Ich bin auf meinen Seiten sehr rigoros, es werden maximal 3 Pn`s geschrieben, dann ist Feierabend.
Jochen Mai
Immerhin drei Verweise! Nobel. Ich bin da ganz ehrlich: Bei mir gibt’s nur noch eine Verwarnung und dann ist Ende. Das ist aber auch reiner Selbstschutz: Ich hab weder die Zeit noch die Lust, mich lange mit anonymen Heckenschützen oder Fremden, die noch nie etwas beigetragen haben, rumzustreiten.
Jonas Wendler
Hallo Jochen!
Ein wirklich sehr guter Beitrag. Direkt und ehrlich. Klasse.
Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass unter Umständen ein elitärer Kreis auch abschreckend sein kann. Um auf das Beispiel des Clubs zurückzukommen, würde ich, wenn zu strikte oder sogar unnütze Hausregeln aufgestellt wurden, diesen meiden. Ich will schließlich auf der Party auch meinen Spass haben. Wenn nur ausgewählte Lackaffen mit Stock im Hintern Eintritt gewährt wird, dann will ich da nicht hin. (An dieser Stelle muss ich mich für meine Ausdrucksweise entschuldigen)
Beste Grüße!
Jonas
Jochen Mai
Hallo Jonas,
erst mal Danke – und ich verstehe, was du meinst. Allerdings sehe ich die Sache mit den “Lackaffen” (schon ok) anders. Dass du einen Club mit Typen, die du nicht magst, meidest, ist ja völlig normal. Es ist aber auch ein Indiz dafür, dass es sich dabei um eine andere soziale Gruppe handelt. Will sagen: Die Lackaffen mögen sich vermutlich untereinander sehr. Häufiger noch unterscheiden sich Clubs bei der Sozialauswahl sogar noch durch die Art der Musik, die dort gespielt wird. Heavy Metal ist zum Beispiel nicht so meins, in einen solchen Club würde ich nicht gehen. Deswegen muss der Club aber nicht elitär oder Sch… sein. Ich passe nur einfach nicht dazu. Dafür gibt es andere Clubs, in die ich gehe, in die man Hardrocker nicht reinlassen würde. Deswegen würde ich aber nicht meinen, hier werden bestimmte Gruppen diskriminiert oder elitär ausgegrenzt.
Hans
… das ging ja schnell :) Oder gab’s dazu schon einen Entwurf :)
-Hans, der den Türsteher eindeutig befürwortet :)
Hans
… und danke für die Blumen :) – bin gerne hier.
Jochen Mai
Da nich für. Wir finden das ja auch gut, dass du hier bist und so konstruktiv kommentierst! So, jetzt aber Schluss mit dem gegenseitigen Schulterklopfen…
Jochen Mai
Ja, der Entwurf war schon länger geschrieben und lag im Stehsatz. Irgendwie fand ich nie den rechten Anlass und Zeitpunkt dafür – bis gestern. Ich hab dann nur noch ein paar Passagen ergänzt.
Thomas
Blogger, Forenbetreiber, wie auch Clubbesitzer, wollen eventuell Umsatz machen, eventuell sich selbst vermarkten, eventuell ihre Profilierung ausleben oder eventuell auch nur einfach Beifall oder Aufmerksamkeit. Wer oder was nicht passt, fliegt raus. Wo ist das Problem?
Jochen Mai
Das Problem ist oben ausführlich beschrieben: Das Spannungsverhältnis von Meinungsfreiheit, Zensur, Kritik, Schwarmintelligenz und Trolltum.
Stephan
Einfach gut…. und entspricht auch meinen Erkenntnissen. Danke! Stephan
Jasmin
Vielen Dank für diesen umfassenden Artikel.
Ich hoffe, dass auch die Unternehmen erkennen, dass eine einfache Existenz in den sozialen Medien nicht ausreicht, sondern auch die Moderatorentätigkeit vom Verantwortlichen Personal erkannt wird.
Wir hatten erst heute die Diskussion, angeregt durch die Schließung der Kommentarfunktion des Kölner Zoos, ob es professionell ist, jegliche Diskussion zu unterbinden, weil eben auch Troll-Beiträge geschrieben werden oder die Kritik eben nicht konstruktiv geäußert wird. Eindeutig ist doch nur, dass Beiträge mit strafbaren Inhalten zu löschen sind. Bei allen anderen Beiträgen liegt die Entscheidung beim Anbieter. Er muss jedoch auch verdeutlichen, warum Beiträge gelöscht werden, um nicht unglaubwürdig zu werden.
Ich hoffe (und das nicht nur, weil ich auf Jobsuche als Community Managerin bin), dass die Unternehmen erkennen, dass Community Management eben nicht so nebenbei gemacht werden kann und es dazu ausgebildete Fachkräfte braucht.
Hans
@Jasmin: Wir hatten gestern auf einer Veranstaltung in der Kaffeepause das Thema “Anglizismen”. Der Vortrag hieß “More Traffic, More Sales” und fand in Berlin, Deutschland mit deutschen Muttersprachlern statt.
Es ist erwiesen, dass viele Deutsche neumodische englische Begriffe nicht verstehen. Douglas ist mit der Kampagne “Come in and find out” nur ein Beispiel.
“Beim Internet” haben sich so viele englischsprachige Begriffe etabliert… äh, eingebürgert, dass manche Leute schlicht keine Ahnung haben, wovon man bei Content, Conversion, Customer Dingsda eigentlich spricht.
Die Folge ist, dass die Leute es mit der Angst zu tun bekommen. Sascha Lobo (deutscher Internet-”Guru”) benutzte auf einer großen Maklermesse in seinem Vortag das Wort “Angst” (vor Social Media) und ich dachte, naja, er trägt mal wieder dick auf. Eine Woche später nannte ein Makler bei einem Vortag über Social Media das Wort “Angst” als Grund für sein Fernbleiben von Facebook.
Angst scheint einer der Hauptgründe zu sein, dass viele deutsche Unternehmen sich noch nicht strategisch mit Social Media und Co. beschäftigen. Die Ursache für die Angst liegt im mangelnden Verständnis.
… so jetzt komme ich endlich zum Kern … :)
Community XYZ Manager ist für viele ein solch unverständlicher abstrakter Begriff.
Verwenden Sie in ihrem nächsten Vorstellungsgespräch den Begriff “Türsteher”. Wenn Sie gut drauf sind, lassen Sie sich Visitenkarten drucken mit dieser Tätigkeitsbezeichnung :)
Im Kopf Ihres möglichen Arbeitgebers entsteht sofort ein bekanntes Bild. Sie müssen kaum noch erklären, was Sie für ihn tun werden. Er weiß es. Und er wird ab diesem Tag bei jedem Türsteher, den er sieht, an Sie, Jasmin, denken :)
Wenn’s geklappt hat, erzählen Sie uns hier davon :) – wenn nicht, auch….
- Hans Steup, Berlin
Andreas Maurer, 1&1
Da kann ich auch nur zustimmen. Gerade aus Unternehmenssicht ist das Löschen von Beiträgen und der Rauswurf von Nutzern sehr sensibel, denn der Zensurvorwurf kommt natürlich fast immer.
Wir haben uns aber auf unseren Facebook-Seiten – dort scheint das Problem im Moment am stärksten zu wachsen, auch für eine härtere Linie entschieden, bislang mit Erfolg.
Interessanter Weise verstehen das sogar 90 Prozent der betroffenen Nutzer. Und wenn im Troll-Posting ein Problem versteckt ist, versuchen wir selbstverständlich trotzdem, das zu lösen.
Wichtig und hilfreich bei dabei ist, in einer Netiquette klare Regeln aufzustellen, was geht und was nicht – und diese bei Bedarf auch anzupassen.
Stephan
….Unternehmen, mit einem Community Management, haben aber schon eine bestimmte Stufe erreicht. Das findet man aber auch nicht überall. So fand sich eine Aussage von zwei DAX Unternehmen, die über die PR Abteilungen verlauten ließen, dass sie Social Media nicht nutzen würden (1), hatten aber Facebook- und LinkedIn Profile, Twitter Accounts etc. (1). Ich habe das Gefühl, dass Social Media immer noch nicht da angekommen ist, wo uns die Verbreitung glauben lassen möchte.
lG
Stephan
(1) http://linkedinsiders.wordpress.com/2012/03/29/unternehmen-konnen-social-media-nicht-nicht-nutzen/
Sabine
Wow, das ist mal eine klare Ansage. Finde ich richtig gut. Danke für den Artikel.
Sara
Ein wirklich toller Artikel, dem ich vollkommen zustimmen kann. Auch meine Erfahrung zeigt, dass man gewissen Teilnehmern einer Community schnell und effizient in die Schranken weisen muss, um die zu schützen, die sich wirklich ernsthaft und sachlich unterhalten wollen.
Natürlich finde ich schon, dass es auch Verwarnungen geben muss, gerne auch in einem mehrstufigen Verfahren. Aber es gibt immer wieder Nutzer, bei denen man sofort merkt, dass man dort nur gegen eine Wand redet und argumentiert. Da haben alle Verwarnungen keinen Sinn.
Caldrin
tl;dr Trolle rauswerfen, “gute” Nutzer einspannen.
Die Seite Stackoverflow geht sogar noch radikaler vor. Da werden selbst freundliche, aber nicht zum Thema passende Beiträge aussortiert. Das ganze passiert aber nicht durch einen oder wenige Community-Manager sondern die ganze Community. Nutzer können ab einer gewissen Menge positiver Beiträge andere Beiträge hoch- oder runterwerten. Das funktioniert wunderbar und macht Stackoverflow zur (meiner Meinung nach) besten Alternative für Fragen und Antworten im Bereich Programmierung. Es wäre interessant zu wissen, ob das auch für Blogs funktionieren kann.
Ein prominentes Gegenbeispiel in Deutschland ist IMHO das Lawblog von Udo Vetter. Vetter moderiert nur rechtlich relevante Sachen. Dadurch ist fast jeder zweite Kommentar “Diktatur, Diktatur.” Unlesbar.
Hans
… dreimal anzählen sind zweimal zu viel.
Hans
…ich schon wieder :) Hier noch ein passender Artikel von Mike Elgan:
http://www.datamation.com/networks/why-blocking-people-makes-the-world-a-better-place-1.html
Pingback: Drollige Trolle, … oder doch lieber einfach einen Trollinger? | Lernspielwiese
Pingback: Von Clubs, Türstehern und Trollen. Und was das alles mit Community Management zu tun hat. | Lernspielwiese
Pingback: Community Building – worauf kommt es an? « Allgemein « DialogArtists