Managerhaftung: So sichern Sie sich ab

Manager schwimmen im Geld, fahren teure Autos, leben in Saus und Braus – soweit das Klischee. Aber es ist eben nur genau das: ein Klischee. Denn neben dem enormen Arbeitspensum, das täglich bewältigt werden muss, gerät oft auch in Vergessenheit, dass Manager extreme Risiken tragen. Eine falsche Entscheidung bringt für sie im Zweifel den wirtschaftlichen Totalschaden mit sich. Denn sie haften mit ihrem Privatvermögen – für ihre eigenen Fehler, aber auch für die ihrer Mitarbeiter. Aber es gibt Versicherungen in punkto Managerhaftung. Wie Manager sich absichern können…

Managerhaftung: So sichern Sie sich ab

Managerhaftung: Unachtsamkeit kann schwere Folgen haben

Schon ein vergleichsweise kleiner Fehler kann Führungskräfte finanziell ruinieren: Denn sie müssen grundsätzlich mit ihrem vollen privaten Vermögen für betriebliche Schäden aufkommen. Das gilt nicht nur für Vorstände, Aufsichtsräte, Geschäftsführer und Beiräte. Betroffen sind auch:

  • leitende Angestellte
  • Betriebsleiter
  • Generalbevollmächtigte

Daher sollten diese Gruppen darauf achten, von ihrem Arbeitgeber entsprechend versichert zu werden. Denn die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherungen werden direkt von dem Unternehmen für seine Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte abgeschlossen und sind üblicherweise Bestandteil der Arbeitsverträge.

In Deutschland kommen dem immer mehr Firmen nach und schließen deutlich häufiger als noch vor ein paar Jahren spezielle Policen – geläufig unter dem Kürzel D&O für Directors und Officers Liability Insurance – ab.

Denn angesichts der zunehmenden Globalisierung nehmen internationale Rechtsstreitigkeiten und Verstöße gegen Compliance-Richtlinien zu. Gut, wenn der Manager dann abgesichert ist – denn es kann um Millionen gehen.

Die Gründe, wofür ein Manager zur Rechenschaft gezogen werden kann, sind vielfältig:

  • fehlende Ausschreibungen
  • fehlende Genehmigungen anderer Gremien
  • mangelhaftes Risikomanagement
  • Rechnungen werden bezahlt, obwohl das Unternehmen bereits insolvenzreif ist
  • Bilanzfehler
  • Korruption
  • fehlende Marktforschung
  • Hinterziehung von Steuer- oder Sozialversicherungsbeiträgen

Bei Zahlungsschwierigkeiten ist die Gefahr der Managerhaftung besonders hoch

igor.stevanovic/shutterstock.comGerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, ist die Geschäftsführung besonders gefordert. Zum Beispiel sind für ausstehende Zahlungen der Zeitpunkt, die Reihenfolge und die Aufteilung maßgeblich.

Oft wird nicht beachtet, dass Überweisungen an die Sozialversicherung und das Finanzamt stets Vorrang haben vor anderen Gläubigerforderungen. Bei einer drohenden Insolvenz lauert also in jeder Zahlung ein persönliches Haftungsrisiko.

Das Problem ist allerdings, dass viele Führungskräfte schlicht die Bandbreite der Risiken unterschätzen, für die sie haftbar gemacht werden können. Denn auch ein Fehlverhalten von Kollegen oder Mitarbeitern aus dem eigenen Bereich kann in einer Schadenersatzklage münden.

Hinzu kommt, dass die meisten Gesellschaften nicht nur einen, sondern mehrere Geschäftsführer beschäftigen, die zusammen eine so genannte Haftungsgemeinschaft bilden. Im Klartext heißt das: Jeder Geschäftsführer kann im Zweifelsfall auch für Fehler der anderen zur Verantwortung gezogen werden.

Bei Abschluss einer D&O-Versicherung ist es daher wichtig, dass all die genannten Punkte abgedeckt sind.

Ich habe nichts gewusst – das zählt nicht

Wer in einem Unternehmen Verantwortung übernimmt, sollte stets wissen, wer, was, wann und warum im Namen der Geschäftsleitung tut. Denn das Argument, man habe von allem nichts gewusst, ist vor Gericht keinen Pfifferling wert.

Tritt eine Versicherung für einen entstandenen Schaden ein, heißt das aber nicht, dass es für den betroffenen Manager weiter geht wie bisher. Viele Versicherungen pochen auf so genannte Rausschmissklauseln: Bevor ein Schaden gemeldet werden kann, muss der Verantwortliche seinen Hut nehmen. Auf diese Weise schützen sich die Versicherer auch vor potenziellem Versicherungsbetrug. Wer täuscht schon einen Schaden mit Hoffnung auf eine Ausgleichszahlung vor, wenn er hinterher nicht mehr Teil der Firma ist?

Bei Auswahl und Abschluss einer D&O-Police sind Fachwissen und Verhandlungsgeschick gefragt. Unternehmen sollten daher immer erfahrene Finanzexperten zu Rate ziehen, die sie von der Risikoanalyse bis zur Schadensabwicklung unterstützen.

Hierbei sind folgende Punkte zu beachten:

  • Versicherungssumme und Jahreshöchstleistung: Von Vorteil sind Versicherungslösungen, die nach dem Baukastenprinzip funktionieren. Sie erlauben eine flexible Ab- oder Zuwahl einzelner Leistungselemente und der Versicherungsschutz ist dann nicht überdimensioniert.
  • Wichtig ist auch, dass der Schutz für sämtliche Jahre der Tätigkeit gewährleistet ist und darüber hinaus. Denn bei einem Haftpflichtschaden, der auf die Jahre im Unternehmen zurückzuführen ist, haften die verantwortlichen Manager auch nach ihrem Ausscheiden persönlich, unbegrenzt und mit ihrem gesamten Privatvermögen.
  • Manager sollten sich immer eine Kopie des D&O-Vertrags aushändigen und diesen nochmal von Expertenseite prüfen lassen, ob er eventuell nachteilige Klauseln beinhaltet.
  • Vorsicht etwa bei Regelungen zur Selbstbeteiligung. Hier sollte unbedingt eine möglichst niedrige Obergrenze festgelegt sein.
  • Der Vertrag sollte außerdem Risikoausschlüsse beinhalten: Das gilt besonders bei Schäden, die durch ein Abweichen von Gesetz, Satzung oder Weisung entstehen, ohne vorsätzliche Absicht, das Unternehmen zu schädigen.
  • Und: Manager sollten sich vertraglich von allen Haftungsrisiken freistellen lassen, wenn der Arbeitgeber keinen Versicherungsschutz bietet. Doch das ist Verhandlungssache.

Der letzte Punkt ist die sicherste Variante. Denn nach dem Ausstieg aus dem Unternehmen hat der ehemalige Mitarbeiter keinen Überblick mehr, ob die einst ausgehandelten Versicherungsbedingungen weiterhin gelten. Teile des Versicherungsschutzes könnten gestrichen worden sein.

Hiergegen kann wiederum eine andere Versicherungspolice helfen, die ab dem Zeitpunkt gilt, an dem der Manager das Unternehmen verlassen hat. Sicher ist sicher…

[Bildnachweis: Bacho, igor.stevanovic by Shutterstock.com]
12. Juni 2015 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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