Selection Criteria Statement: Fragenkatalog statt Anschreiben?

Bewerbungsunterlagen bestehen seit jeher aus denselben Komponenten: Lebenslauf, Anschreiben und einige zusätzliche Dokumente. Das Selection Criteria Statement könnte diese klassischen Inhalte erneuern und das Anschreiben ersetzen. Wie das gehen soll? Durch einen konkreten Fragenkatalog, den Bewerber ausfüllen. Klingt zunächst ungewohnt, hat aber zahlreiche Vorteile und einige Unternehmen spielen bereits mit dem Gedanken, auf ein Anschreiben zu verzichten und stattdessen auf ein Selection Criteria Statement zu setzen. Wir erklären, was Sie dazu wissen sollten und zeigen Ihnen ein kostenloses Beispiel und eine Vorlage, wie ein solches Selection Criteria Statement aussehen kann…

Selection Criteria Statement: Fragenkatalog statt Anschreiben?

Selection Criteria Statement: Ursprung, Definition und Erklärung

Bitte reichen Sie vollständige Bewerbungsunterlagen mit Lebenslauf und Anschreiben bis zum genannten Datum ein… Ähnliche Formulierungen findet man in nahezu jeder Stellenausschreibung. Doch selbst ohne den Hinweis wissen Bewerber genau, was sie an einen potenziellen Arbeitgeber schicken müssen, um für die freie Position in Betracht gezogen zu werden.

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, so hat beispielsweise die Deutsche Bahn bereits vor einiger Zeit medienwirksam erklärt, in Zukunft auf das Anschreiben für die Personalauswahl verzichten zu wollen. Setzt sich der amerikanische Trend zum Selection Criteria Statement durch, wird die Ausnahme möglicherweise zur Regel und das Anschreiben gehört irgendwann der Vergangenheit an.

Vor allem bei großen Konzernen kommt das Selection Criteria Statement in Amerika, aber auch in Australien immer häufiger zum Einsatz. Ziel und Idee dahinter: Die Personalauswahl optimieren und neue Mitarbeiter einstellen, die optimal zum Unternehmen und den Anforderungen der Stelle passen.

Mittel zum Zweck ist dabei ein konkreter, auf die Position zugeschnittener Fragenkatalog, den Bewerber beantworten. Dafür fällt das bisherige Anschreiben weg. Statt der oftmals leeren Floskeln und den ewig gleichen Formulierungen erhoffen sich Arbeitgeber Antworten und Informationen auf die wirklich wichtigen Fragen.

Vorteile: Was bringt das Selection Criteria Statement?

Selection Criteria Statement Fragekatalog Vorteile BewerbungDas Anschreiben hat sich etabliert und es funktioniert – es lässt sich also darüber streiten, ob es für Unternehmen ein sinnvoller Schritt ist, darauf zu verzichten (hier ein Kommentar dazu!) Fest steht jedoch: Ein Selection Criteria Statement kann einige Vorteile mitbringen, von denen sich Arbeitgeber eine verbesserte Personalauswahl versprechen.

Vor allem die größten Schwierigkeiten und Probleme sollen gelöst werden: Knappe Zeit und fehlende Informationen zum Bewerber. In großen Unternehmen müssen Personaler hunderte Bewerbungen auswerten. Da bleibt kaum Zeit, jedes Anschreiben ausgiebig zu studieren. Noch schwieriger ist es, da sich Anschreiben oftmals sehr stark ähneln. Trotz aller Individualität der Bewerber, das Bewerbungsschreiben ist leider häufig eine Ansammlung von Klischees und altbekannten Formulierungen.

Das ist auf der einen Seite verständlich, schließlich will sich jeder von der besten Seite zeigen. Für Personaler ist es aber umso schwieriger, aus all den Bewerbern, die allesamt flexibel, motiviert, belastbar und lernfähig sind, den geeigneten Kandidaten herauszufiltern.

Beim Selection Criteria Statement wird deshalb ganz konkret nach den wichtigsten Informationen gefragt. Kein langes um den heißen Brei herumreden, keine Informationen, die sich zwischen Floskeln verstecken. Klare Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Qualifikation und Motivation.

So spart das Selection Criteria Statement tatsächlich Zeit. Personalverantwortliche müssen nicht lange suchen, sondern bekommen die relevanten Informationen auf dem Silbertablett serviert. Im Idealfall wird die Bewerberauswahl beschleunigt und gleichzeitig die Qualität der Personalentscheidungen verbessert.

Doch auch für Bewerber kann ein Selection Criteria Statement durchaus von Vorteil sein. Viele empfinden gerade das Anschreiben als eine große Herausforderung. Was soll ich schreiben? Worauf lege ich den Fokus? Wie präsentiere ich mich am besten? Natürlich müssen sich auch beim Selection Criteria Statement Gedanken über gute Antworten gemacht werden, doch geben die Fragen einen genauen Rahmen vor. Oft fällt es leichter, eine konkrete Frage zu beantworten, als selbst ein gutes Gerüst für ein Anschreiben zu erstellen.

Beispiel und Vorlage für ein Selection Criteria Statement

Die Diskussion um das Anschreiben in der Bewerbung wird bereits seit einiger Zeit geführt und so ist es durchaus möglich, dass in den kommenden Monaten und Jahren mehr Arbeitgeber darauf verzichten. Ganz ohne die Informationen zum Bewerber geht es aber auch nicht und so steht das Selection Criteria Statement bereits in den Startlöchern.

Für Bewerber (und Arbeitgeber, die umsteigen wollen), stellt sich daher die Frage: Wie sieht so ein Selection Criteria Statement überhaupt aus? Im Grunde ist es ein Fragenkatalog, der aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt wird. Typisch sind beispielsweise Fragen zu:

  • Fähigkeiten und Qualifikationen
  • Wissen und Know How
  • Erfahrungen und Ausbildung
  • Soft Skills und Motivation
  • Ziele und Erwartungen

Zu jeder Fragenkategorie können dann mehrere konkrete Fragen gestellt werden, die vom Bewerber zu beantworten sind. Ein Selection Criteria Statement kann beispielsweise so aussehen:


  • Fähigkeiten und Qualifikationen

    • Welche für die Stelle relevanten Fähigkeiten bringen Sie mit?
    • Wie haben Sie in der Vergangenheit Ihre Fähigkeiten ausgebaut?
    • Welche Ihrer Qualifikationen können auf die ausgeschriebene Position übertragen werden?
    • Nennen Sie einige Beispiele, wie Sie Ihre Fähigkeiten eingesetzt haben.
  • Wissen und Know How

    • Wo haben Sie Ihr Wissen erworben?
    • Wie wollen Sie Ihr Wissen im Job einbringen?
    • Wie wollen Sie Ihr Know How in Zukunft erweitern?
    • Welche Wissensgebiete sind Ihrer Meinung nach für den Job besonders wichtig?
  • Erfahrungen und Ausbildung

    • Wie viel Erfahrung bringen Sie in relevanten Tätigkeiten mit?
    • Wo konnten Sie bereits Berufserfahrung sammeln?
    • In welchen Bereichen wollen Sie Ihre Erfahrung im ausgeschriebenen Job einsetzen?
    • Konnten Sie bereits von Ihrer Erfahrung profitieren? Nennen Sie Beispiele.
  • Soft Skills und Motivation

    • Warum bewerben Sie sich bei unserem Unternehmen und auf genau diese Position?
    • Welche Soft Skills bringen Sie mit, die Ihnen im Job helfen werden?
    • Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?
    • Nennen Sie einige Beispiele aus bisherigen Tätigkeiten, in denen Sie Ihre Soft Skills eingesetzt haben.
  • Ziele und Erwartungen

    • Was wollen Sie in den nächsten fünf Jahren im ausgeschriebenen Job erreichen?
    • Was ist Ihnen bei einem Arbeitgeber und am Arbeitsplatz besonders wichtig?
    • Welche Erwartungen haben Sie an die Position, auf die Sie sich bewerben?
    • Wie wollen Sie sich in Ihrer beruflichen Zukunft weiterentwickeln?

Diese Vorlage können Sie auch als kostenloses PDF herunterladen!

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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7. November 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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