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Wertanalyse: Methode, Vorgehen, Beispiele

Wollen Unternehmen erfolgreich sein und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen, müssen sie mit guten Produkten oder Dienstleistungen und einem passenden Kosten-Nutzen-Verhältnis für den Kunden punkten. Eine Wertanalyse kann genau dabei helfen. Durch die Methode können Kostenpotenziale aufgedeckt und genutzt werden – im Idealfall, um das ganze Unternehmen weiterzubringen. Produkte werden besser und unnötige Kosten vermieden. Aber wie funktioniert die Wertanalyse? Wir zeigen die Vorteile und erklären den Ablauf der Methode an einem Beispiel…



Wertanalyse: Methode, Vorgehen, Beispiele

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Definition: Was ist eine Wertanalyse?

Die Wertanalyse ist eine Maßnahme aus dem Value Management, durch die Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse verbessert werden können, um deren Wert für Kunden zu steigern. Im Prozess der Wertanalyse werden verschiedene Methoden genutzt, um Produkte zu analysieren, zu optimieren oder kostengünstiger zu produzieren. Entsprechend liegen zwei Aspekte im Fokus:

  1. Qualität
    Eine Möglichkeit der Verbesserung durch eine Wertanalyse ist die Steigerung der Qualität. Produkte werden hochwertiger, erhalten bessere Funktionen, sind einfacher zu bedienen, halten länger oder haben einen anderen, höheren Nutzen für den Kunden.
  2. Kosten
    Der zweite Fokus liegt auf unnötigen und vermeidbaren Kosten, die bei der Produktion, Vermarktung und dem Vertrieb entstehen. Wenn Kostenpotenziale und Einsparmöglichkeiten erkannt werden, kann bei gleicher Qualität ein besserer Preis erreicht werden.

Wertanalyse einfach erklärt

Durch eine Wertanalyse sollen Produkte oder Dienstleistungen verbessert oder die Kosten gesenkt werden. Das führt zu einer Wertsteigerung für Käufer. Entweder steigt die Qualität des Produktes oder der Preis sinkt. Kurz gesagt: Wertanalyse ist eine Methodik für Einsparungen und Ergebnisverbesserungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Unternehmen

DIN-Norm zur Wertanalyse

Ziele und Ablauf einer Wertanalyse sind eindeutig in Normen und Vorgaben geregelt. Die Richtlinien sorgen für ein systematisches Vorgehen und schaffen eine klare Struktur. Besonders wichtig ist die Norm DIN EN 1325:2014-07. Sie hat das Ziel, „eine einheitliche Sprache zur Nutzung bei der Optimierung von Leistung und Produktivität bei Organisationen, Projekten, Produkten und Dienstleistungen festzulegen.“ Ergänzt wird die Norm durch die technische Regel VDI 2800 Blatt 1.


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Hintergrund der Wertanalyse

Die Wertanalyse stammt bereits aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und wurde erstmals vom Ingenieur Larry D. Miles bei General Electric durchgeführt. Die Auswirkungen des Kriegs führte zu zahlreichen Problemen im Unternehmen: Es mangelte an qualifizierten Arbeitskräften, Rohstoffen, Einzelteilen… Auf der Suche nach Lösungen hatten Miles und sein Team ein vorrangiges Ziel: Die Kosten im Einkauf senken.

Mit vollem Erfolg! Durch verschiedene Ansätze konnten Kostenpotenziale identifiziert und genutzt werden, gleichzeitig wurden sogar Lösungen zur Produktverbesserung gefunden. Der Methode gaben Miles und sein Team auch gleich einen Namen: Value Analysis – heute bekannt als Value Engineering oder auf Deutsch „Wertanalyse“.

Wertanalyse: Billig ist nicht immer besser

Für seine Methode der Wertanalyse machte der General Electric Ingenieur einen wichtigen Unterschied deutlich: Der gewünschte Effekt ist es nicht, das benötigte Material einfach zum billigsten Preis einzukaufen. Vielmehr geht es darum, die gewünschte Funktion in einem Produkt zu niedrigsten Preis zu verwirklichen. Ein großer Unterschied! Erst durch diese Denkweise kann tatsächlich eine Wertsteigerung erreicht werden. Ansonsten wird einfach nur billig hergestellt – was aber auch Kunden merken.

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Ziele und Vorteile einer Wertanalyse

Beschaffung, Herstellung und Kosten eines Produktes werden meist schon in der frühen Konzeptionsphase festgelegt. Welche Rohstoffe werden benötigt? Welche Teile verbaut? Wie teuer ist die Produktion? Solche Fragen scheinen bereits endgültig beantwortet zu sein und kaum Möglichkeiten für Verbesserungen zu bieten. Genau hier setzt die Wertanalyse an. Sie justiert nach, findet Potenzial und zeigt auf, wo Optimierungen möglich sind.

Das funktioniert nicht nur bei bereits vorhandenen Produkten und Prozessen. Auch bei der Entwicklung völlig neuer Produktideen kann das Value Management helfen. Dabei hat die Wertanalyse zahlreiche Vorteile und Ziele:

  • Vermeidbare Kosten identifizieren und verhindern
  • Vorhandene Kosten reduzieren
  • Leistungen marktgerecht anbieten
  • Probleme entlang der Wertschöpfungskette identifizieren
  • Alternativen im Produktionsprozess aufzeigen
  • Entwicklungszeiten beschleunigen
  • Lieferzeiten reduzieren
  • Kundenzufriedenheit steigern
  • Qualität verbessern
  • Ausrichtung des Unternehmens optimieren
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10 Schritte der Wertanalyse

Die Wertanalyse setzt an verschiedenen Teilen der Wertschöpfungskette an. Entsprechend sinnvoll ist es, abteilungsübergreifende Teams daran arbeiten zu lassen. Mitarbeiter aus Produktion, Einkauf, Vertrieb, Marketing… Sie alle liefern unterschiedliche Perspektiven. Gemeinsam wird daraus ein ganzheitlicher Ansatz, um Verbesserungen und Kostenpotenziale zu finden. Positive Nebeneffekte sind besseres Teamarbeit, mehr Kreativität und ein gesteigertes Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge.

Aber wie genau läuft die Wertanalyse ab? Gemäß VDI-Richtlinie 2800 besteht das systematische Vorgehen aus insgesamt 10 Schritten:

  1. Projekt vorbereiten
    Am Anfang steht die Projektvorbereitung. Es muss zunächst die Machbarkeit geprüft werden. Ist diese gegeben, kann ein Team zusammengestellt und ein Budget festgelegt werden.
  2. Projekt definieren
    Das Projektteam setzt erste Ziele und klärt die groben Rahmenbedingungen. Hier nimmt das Projekt klarere Strukturen an.
  3. Projekt planen
    Die Projektplanung geht immer weiter ins Detail. Es müssen Fristen und Zwischenziele festgelegt werden. Auch braucht es die endgültige Freigabe für die Projektarbeit, um mit der Arbeit zu beginnen.
  4. Daten sammeln
    Es werden umfangreiche und detaillierte Daten über das Produkt gesammelt, das mit der Wertanalyse verbessert werden soll. Dazu gehören Informationen aus allen Bereichen und Abteilungen.
  5. Funktions- und Kostenanalyse
    In der fünften Phase erfolgt eine genaue Analyse der Funktionen und aller Kosten, die mit dem Produkt verbunden sind. Der Fokus liegt auf der Funktionserfüllung (Macht das Produkt, was es soll?) und der Identifikation von Kostenpotenzialen (Gibt es unnötige Kosten? Sind Einsparungen möglich?). Auch werden Detailziele festgelegt.
  6. Lösungsideen sammeln
    Gemeinsam sammelt das Projektteam Lösungsideen. Dabei können Kreativitätstechniken genutzt werden, um neue und innovative Ansätze zu entwickeln. Hier geht es zunächst darum, möglichst viele Lösungsmöglichkeiten zu sammeln.
  7. Lösungsideen bewerten
    Erst in diesem Schritt werden die Lösungen genauer analysiert, bewertet und geprüft. Dabei geht es um die Machbarkeit und die Erreichung der angestrebten Ziele. Kann mit einer Lösung wirklich eine Verbesserung oder Kostensenkung erreicht werden?
  8. Ganzheitliche Lösung entwickeln
    Gemeinsam werden Maßnahmen ausgewählt und zu einer ganzheitlichen Lösung entwickelt. Das Endergebnis kann an verschiedenen Stellschrauben ansetzen und unterschiedliche Abteilungen betreffen.
  9. Lösungen präsentieren
    Die entwickelte Lösung wird dem Management oder einem anderen Entscheidungsträger präsentiert. Hier fällt letztlich die Entscheidung, ob die vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.
  10. Lösungen realisieren
    Der letzte Schritt der Wertanalyse ist die Umsetzung der geplanten Maßnahmen und Lösungen. Die Erkenntnisse und Verbesserungen werden an die jeweiligen Abteilungen weitergegeben und dort durchgeführt. Wichtig ist auch eine Dokumentation der Ergebnisse und erreichten Veränderungen.

Wertanalyse: Beispiel der Umsetzung

Für ein besseres Verständnis der Wertanalyse hilft ein anschauliches Beispiel. Dazu liefert das VDI-Wissensforum interessante Fallbeispiele wie dieses: Die Firma Echtermann in Iserlohn fertigt Spezialarmaturen für Großküchen und Gastronomiebetriebe. Problem für den Premium-Anbieter: Kunden sind immer weniger dazu bereit, Preisaufschläge für Premiumprodukte zu akzeptieren und zu zahlen. Gerade die Konkurrenz aus Asien sorgt für Preisdruck. Speziell die Produktgruppe der Geschirrbrausen unterzogen das Unternehmen daher einer Wertanalyse.

Ziele bei diesem Beispiel der Wertanalyse waren:.

  • Herstellungskosten um mindestens zehn Prozent reduzieren.
  • Produkt und sein Umfeld durch einen Einsatz bei Kunden selbst besser kennenlernen.
  • Beteiligte Mitarbeiter weiterbilden und motivieren.

Das Projektteam bestand aus Mitarbeiter der Konstruktion, dem Einkauf, der Fertigung, dem Verkauf und der Arbeitsvorbereitung. Zusätzlich wurde ein externer Berater hinzugezogen, der während der Projektdauer von sechs Monaten unterstützte.

Beispiel: Ergebnisse der Wertanalyse

Die Wertanalyse brachte in diesem Beispiel eine wichtige Erkenntnis: Ein Bauteil, das von der Firma bisher als unwichtig abgetan wurde, war für die Kunden von sehr hoher Relevanz. Es wurde neu gestaltet – in der Herstellung teurer, aber zur Zufriedenheit der Kunden. Dafür wurden Kostenpotenziale an anderen Stellen identifiziert, was zu Einsparungen und letztlich geringeren Herstellungskosten führte.

Zusätzlich war die Wertanalyse eine Weiterbildung für Mitarbeiter. Viele erkannten erst jetzt, wo im Produktionsprozess welche Kosten entstehen und wo die Prioritäten bei Kunden lagen.


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