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Fehlerkultur etablieren: Definition, 3 Säulen & Tipps

Schon Cicero wusste vor mehr als 2.000 Jahren: Irren ist menschlich. Leider bleibt bis heute ein falscher Umgang mit Fehlern – gerade in Unternehmen. Es gibt keine positive Fehlerkultur. Jeder Fehltritt führt zu Wutausbrüchen vom Chef und destruktiver Kritik. Es braucht ein Umdenken und bessere Reaktionen, wenn Mitarbeiter etwas falsch machen. Wir erklären, wie Sie eine Fehlerkultur etablieren und welche 3 Säulen dabei entscheidend sind…



Fehlerkultur etablieren: Definition, 3 Säulen & Tipps

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Definition: Was ist Fehlerkultur?

Fehlerkultur ist der Umgang mit Fehlern innerhalb einer Gesellschaft, Gruppe oder Unternehmen. Sie beschreibt, wie andere auf Fehltritte, Patzer oder falsche Entscheidungen reagieren und welche Konsequenzen entstehen.

Das Konzept stammt ursprünglich aus den Sozialwissenschaften, wurde aber schnell in die Wirtschaftswissenschaften übernommen. Die Fehlerkultur spielt eine wichtige Rolle für Arbeitgeber und ist zentraler Teil der Unternehmenskultur.

Keine positive Fehlerkultur in Deutschland

In Deutschland mangelt es oft an einer positiven Fehlerkultur. Das Motto an vielen Arbeitsplätzen: Für Fehler ist im Job kein Platz. Mit dieser Nulltoleranz-Denkweise werden Mitarbeiter auf Perfektion und Effizienz getrimmt.

Die Folgen einer solchen Erfolgsgesellschaft: Fehler und Scheitern führen zu einer Standpauke vom Chef und bei Wiederholung folgt irgendwann die Kündigung. Mitarbeiter hingegen haben Angst, schämen sich für Patzer und wollen diese vertuschen. Eine solche Fehlerkultur bringt letztlich gar nichts – sie schadet nur dem Personal und dem Unternehmen selbst.

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Vorteile: Gute Gründe für positive Fehlerkultur

Unternehmen und Führungskräfte wollen Fehler reduzieren – sie lassen sich aber nie zu 100 Prozent verhindern. Umso wichtiger ist der richtige Umgang in diesen Situationen. Eine positive Fehlerkultur bringt zahlreiche Vorteile:

  • Korrektur
    Nur bei einem offenen Umgang mit Fehlern können diese schnell korrigiert werden. Je schlechter die Fehlerkultur, desto häufiger werden Patzer unter den Teppich gekehrt.
  • Verbesserung
    Fehler sind unangenehm, aber die beste Möglichkeit zu Lernerfolgen und Verbesserungen. Wird einmal etwas falsch gemacht, kann es in Zukunft nur besser werden.
  • Zufriedenheit
    Kein Mitarbeiter möchte täglich Angst vor Fehlern haben, weil eine Standpauke vom Chef droht. Zufriedenheit im Job ist nur bei konstruktivem Fehlermanagement möglich.
  • Innovation
    Innovationen entstehen durch Risiko und Ausprobieren. Dazu sind Mitarbeiter nur mit entsprechender Fehlerkultur bereit.
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3 Säulen einer erfolgreichen Fehlerkultur

In Unternehmen entsteht konstruktiver Umgang mit Fehlern nicht mit einer einzelnen Entscheidung von heute auf morgen. Es müssen die nötigen Voraussetzungen geschaffen und durch die Unternehmenskultur gefestigt werden. Entscheidend dafür sind die 3 Säulen einer positiven Fehlerkultur:

1. Vertrauen

Die wichtigste Säule positiver Fehlerkultur ist gegenseitiges Vertrauen. Nur in einem solchen Umfeld kann transparent und konstruktiv über Fehler gesprochen werden. Mitarbeiter müssen wissen, dass Sie bei einer schlechten Leistung nicht gleich Strafen befürchten müssen.

2. Analyse

Gute Fehlerkultur löst nicht nur ein entstandenes Problem, sie beantwortet auch die Frage: Wie konnte es zu dem Fehler kommen? Bei der Analyse geht es nicht um die Schuldfrage, sondern um eine konstruktive Ursachenforschung. So können ähnliche Situationen in Zukunft frühzeitig verhindert werden.

3. Kommunikation

Es braucht klare Kommunikation zur Fehlerkultur in Unternehmen. Mitarbeiter müssen wissen, welche Einstellung und Denkweise der Arbeitgeber und der eigene Vorgesetzte vertreten. Den Worten müssen dann aber auch Taten folgen, um das oben genannte Vertrauen zu schaffen.

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Fehlerkultur etablieren: 5 Tipps

Sie wollen im Unternehmen eine positive Fehlerkultur etablieren? Für den Prozess helfen diese fünf Tipps:

  • Denken Sie um

    Der erste Schritt zu einer positiven Fehlerkultur ist ein Umdenken in Führungspositionen. Akzeptieren Sie Fehler, statt diese zu verteufeln. Das bedeutet nicht, dass im Team alles schiefgehen soll. Doch Fehler sind menschlich und passieren trotz Sorgfalt und Motivation.

  • Bleiben Sie konstruktiv

    Eine gute Fehlerkultur ist in jeder Situation konstruktiv und ermöglicht einen Lernprozess. Destruktive Kritik und laute Wutanfälle helfen niemandem weiter. Das löst nicht das aktuelle Problem, erkennt nicht die Ursache und hilft nicht für die Zukunft. Konstruktivität macht aus einem Fehler das Beste.

  • Sprechen Sie mit Mitarbeitern

    Regelmäßiger Austausch stärkt das Verständnis für die vorhandene Fehlerkultur. Sprechen Sie mit Mitarbeitern ruhig und sachlich über Fehler oder Schwierigkeiten. Dabei geht es nicht um Konsequenzen, sondern um einen offenen und ehrlichen Dialog. Mitarbeitergespräche ermöglichen gemeinsame Ursachenforschung und Lösungen für zukünftige Probleme.

  • Äußern Sie Lob

    Kritik für Fehler gibt es oft, Lob hingegen nur selten. Gute Leistungen werden erwartet und als selbstverständlich erachtet. Zur Fehlerkultur gehört aber auch die Gegenseite: Loben Sie bei guten Ergebnissen und erfolgreichen Aufgaben.

  • Gehen Sie als Vorbild voran

    Vorgesetzte haben eine wichtige Vorbildfunktion. Kann die eigene Führungskraft offen über eigene Fehler sprechen, fällt es dem gesamten Team leichter. Wurde auf Managementebene eine falsche Entscheidung getroffen oder eine schlechte Vorgabe für ein Projekt gemacht, sollten Sie das ehrlich eingestehen. So zeigen Sie, dass Sie die Fehlerkultur ernst meinen und vorleben.

3 häufige Fehler bei der Fehlerkultur

Ausgerechnet bei der Fehlerkultur werden immer wieder Fehler gemacht. Das beginnt bei einem großen Missverständnis: Ein positiver Umgang mit Fehlern bedeutet nicht, diese einfach zu ignorieren. Vorgesetzte sollen nicht so tun, als wäre nichts passiert. Fehlerkultur ist keine Freikarte für mangelnde Sorgfalt und ständige Patzer.

Solch ein gelebtes Desinteresse verringert den Ansporn im Team. Damit Sie eine bessere Fehlerkultur etablieren können, müssen Sie zudem diese häufigen Fehler vermeiden:

  • Schuldigen suchen

    In einer positiven und konstruktiven Fehlerkultur geht es nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und einen Schuldigen zu finden. Idealerweise übernehmen Mitarbeiter von sich aus die Verantwortung für individuelle Patzer. Falls nicht, bringt die Suche nach einem Sündenbock Sie auch nicht weiter. Ein vorwurfsvolles „Du hast es verbockt!“ baut höchstens eigenen Frust ab, verbessert die Situation jedoch nicht.

  • Konsequenzen androhen

    „Wenn so etwas noch einmal passiert…“ oder „Du hast Glück, dass ich dich nicht sofort nach Hause schicke…“ Solch eine Reaktion zeigt nur fehlende Führungsqualitäten. Der Fehler ist passiert – Drohungen und Konsequenzen ändern daran nichts. Bieten Sie stattdessen Unterstützung an. So kann der Mitarbeiter die Situation ausbügeln, Sie verbessern das Betriebsklima und erfahren gleich, welche Gründe zum Lapsus geführt haben.

  • Chancen verpassen

    Fehler können Zeit, Geld und auch Nerven kosten. Gänzlich vermeiden lassen sie sich trotzdem nicht. Richten Sie den Blick besser nach vorne, um die Chancen zu erkennen. Was kann der Mitarbeiter oder das Team in Zukunft besser machen? Was ist dafür notwendig? Welche Aufgabe kommt der Führungskraft dabei zu? Jeder Fehler zeigt Verbesserungspotenzial auf, das bisher nicht genutzt wurde.


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