Arbeitsmarkt 2016: Diese Branchen schaffen Jobs
Wirtschaftsprognosen sind oft nicht genauer als der Blick in die berühmte Glaskugel. Für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt 2016 hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) trotzdem eine umfassende Prognose gewagt. In einzelnen Sektoren werden demnach viele neue Stellen geschaffen, in anderen werden sie abgebaut. Diese Perspektiven haben Erzieher, IT-Spezialisten oder Banker momentan auf dem Arbeitsmarkt ...

Arbeitsmarkt 2016: Heiter bis wolkig

Der deutsche Arbeitsmarkt wird von Ökonomen gerne als robust beschrieben. Freie Fahrt also weiterhin für Stellensuchende? Aktuell gibt es einige Fragezeichen: Wie werden sich zum Beispiel der Flüchtlingszustrom, die Russland-Sanktionen oder die Strukturkrise in China auf die deutsche Wirtschaft - und damit auch auf Ihre Jobperspektiven auswirken?

Auch der Mindestlohn bleibt nicht folgenlos. Zwar habe er entgegen mancher Befürchtungen keinen Job-Kahlschlag zur Folge gehabt, aber ohne ihn hätte es 60.000 zusätzliche Stellen geben können, bilanziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Studie. Und: Im März fiel auch das Arbeitsmarktbarometer des IAB erstmals wieder seit Mitte 2014. Die Phase der sinkenden saisonbereinigten Arbeitslosigkeit gehe zu Ende, so die Forscher.

In bestimmten Wirtschaftsbereichen dürfte es im Laufe des Jahres dennoch zu einem - teilweise spürbaren - Stellenaufbau kommen. In seiner Prognose für 2016 kommt das IAB zu diesen Ergebnissen ...

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Arbeitsmarkt 2016: Die Prognose

  • Erwerbstätige: Für 2016 rechnen die Arbeitsmarktforscher mit einem Plus von 490.000 erwerbstätigen Personen. Während es 2015 im Jahresschnitt 43,032 Millionen Beschäftigte gab, geht die Prognose für 2016 von 43,419 bis 43,619 Millionen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass die reelle Zahl sich innerhalb dieses Spektrums einpendelt, geben die Forscher mit zwei Dritteln an.
  • Arbeitslosigkeit: Sie wird im Jahresdurchschnitt um geschätzte 20.000 Personen zurückgehen. Allerdings gibt das IAB hier eine mögliche Spanne von 2,705 bis 2,845 Millionen Arbeitslosen an, 2015 waren es 2,795. Demnach ist sowohl ein Rückgang als auch ein Anstieg der absoluten Zahl an Arbeitslosen möglich. Ein entscheidender Faktor sind dabei - natürlich - die Flüchtlinge. Auch können viele Arbeitslose mit ihrer Qualifikation nicht den Bedarf der Betriebe decken.
  • Beschäftigungsformen: Es wird mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geben, aber einen neuerlichen Rückgang anderer Erwerbsformen. In diese Kategorie fallen Mini-Jobber, Selbstständige, mithelfende Familienangehörige und Beamte. Die Zahl der Mini-Jobber wird voraussichtlich um 80.000 abnehmen. Weniger gab es zuletzt 2003. Auch bei den Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen wird ein Rückgang um 80.000 auf 4,22 Millionen Personen vorhergesagt. Das wäre der tiefste Stand seit 2003. Grund: Die Konjunktur ermöglicht momentan vielen die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Auch für die Beamten wird - trotz des aktuellen Personalaufbaus im öffentlichen Dienst - abermals ein leichter Rückgang um gut 10.000 auf 1,99 Mio. Personen erwartet.

Arbeitsmarkt 2016: Hier entstehen Jobs

  1. Unternehmensdienstleister

    Dieser Bereich wird so stark wachsen wie kein anderer - um 3,39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 170.000 Stellen sollen 2016 hinzukommen. Erstmals werden dann in diesem - weit gefassten - Sektor mehr als fünf Millionen Menschen beschäftigt sein. Schon in den vergangenen Jahren hatten die Unternehmensdienstleistungen - dazu zählen einfache Services wie Putz-Dienste, Friseure und Fitness-Studios genauso wie höherwertige Dienstleistungen im Bereich Unternehmensberatungen etwa - überproportionales Wachstum.

  2. Handel, Verkehr, Gastgewerbe

    Dieser Sektor wird um 1,81 Prozent wachsen - auf über neun Millionen Beschäftigte. Allein das Gastgewerbe hatte nach Angaben der Dehoga im September 2015 erstmals die Millionengrenze durchbrochen und ein historisches Allzeithoch erreicht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beschäftigten die gastgewerblichen Betriebe zu diesem Zeitpunkt 61.300 Menschen als im Vorjahreszeitraum. Das entsprach einem satten Plus von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für dieses Jahr ist man aber - zumindest bei der Dehoga - weniger euphorisch. So habe ein Fünftel der Betriebe geäußert, Angestellte reduzieren zu wollen.

  3. Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit

    Hier wird die Beschäftigung um 1,45 Prozent wachsen - auf über 9,8 Millionen Personen. Laut IAB sollen 140.000 neue Stellen entstehen, die unter anderem auf den Ausbau der Kinderbetreuung zurückzuführen sind. Auch in Senioreneinrichtungen und ambulanten Pflegediensten gibt es vermehrt Bedarf.

  4. Information und Kommunikation

    In den letzten Jahren gab es im vermeintlichen Zukunftssektor - wider Erwarten - keinen durchgängigen Jobaufbau. Für 2016 erwartet das IAB aber wieder einen Zuwachs um 20.000 Stellen. Vor allem der Trend zur Industrie 4.0, der Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsprozessen, sei dafür verantwortlich. Der Branchenverband Bitkom beklagt derweil wieder den (vermeintlichen) Fachkräftemangel, zum Ende des vergangenen Jahres habe es 43.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte gegeben. 17.500 davon seien in Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche zu finden.

  5. Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe

    Die Industrie profitierte zuletzt auch vom milden Winterwetter, für 2016 prognostiziert das IAB 20.000 Arbeitnehmer mehr. Das entspricht einem unterdurchschnittlichen Wachstum von 0,25 Prozent. Die Beschäftigung in der Bauwirtschaft wird dagegen um 1,63 Prozent zulegen - um 30.000 Beschäftigte. Auch die derzeit niedrigen Zinsen für die Baufinanzierung spielen dabei nach IAB-Einschätzung eine Rolle. Das deutsche Baugewerbe selbst prophezeit für 2016 schon einen „Fachkräftemangel“.

  6. Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

    Hier geht die Beschäftigung laut Prognose um 0,18 Prozent zurück. Dass Banker und Versicherer momentan unter besonderem Druck stehen, lässt sich auch an den Schlagzeilen ablesen. So will unter anderem die Deutsche Bank 4000 Stellen abbauen, ihr Filialnetz in Deutschland ausdünnen. Die Landesbank Baden-Württemberg will bis 2020 über 1000 Jobs streichen und auch in der Schweiz streicht die Credit Suisse 2000 Stellen im Handelsgeschäft. Fazit: Für Jobsuchende in der Finanzbranche ist gerade Saure-Gurken-Zeit.

Arbeitsmarkt 2016: Die Zahlen

Sektor Prognostizierte Veränderung 2016 gegenüber Vorjahr
Unternehmensdienstleister +3,39 Prozent
Handel, Verkehr, Gastgewerbe +1,81 Prozent
Information und Kommunikation +1,69 Prozent
Baugewerbe +1,63 Prozent
Grundstück- und Wohnungswesen +1,55 Prozent
Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit +1,45 Prozent
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei +0,99 Prozent
Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe +0,25 Prozent
Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen -0,18 Prozent
[Bildnachweis: alphaspirit by shutterstock.com, Quelle: IAB]