Und sonst?! Alles im grünen Bereich? Alles fit im Schritt? Heute steht die Wirtschaft ja schon kurz vor dem Abgrund, morgen ist sie bestimmt einen Schritt weiter. Das kann ja Eiter werden… Dann ist Feierabend. Schicht im Schacht. Der Letzte macht das Licht aus und so. Aber nur keine Panic auf der Titanic! „Sellerie“, wie der Franzose sagt. Apropos: Ich mach mich jetzt auch vom Acker. Aber wir sehen uns, wir sind ja nicht blind! Hrhrhr. Also bis denne! Wirsing! Tschüssikowski! CU! *lol*

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Wenn man eines dringender braucht als ein Einrad aus Blätterkrokant, dann sind es Sprachkolumnen. Sprachkolumnen geißeln Phrasendrescher, Grammatikautisten und Anglizis-Men. Sie geißeln Sätze wie den eben. Zurecht. Ich muss trotzdem eine schreiben. Der Grund dafür ist das, was man heute in Büros zu hören bekommt. An Tagen, an denen die Stimmung trüber ist als Automatenkaffee. An solchen Tagen mutieren Büros zu Keimzellen für Sprachkrebs, von dem sich so schlechte Metaphern ernähren wie diese.

Dabei heißt das heute gar nicht mehr Sprachkrebs, wenn einer Blech redet. Das Wort ist zu deutsch. Es heißt heute Bullshit. Bullshit klingt gleich viel moderner. Harry G. Frankfurt hat darüber schon 2006 ein Buch geschrieben. Es ist 74 Seiten kurz. Harry G. Frankfurt hat es weiter gebracht. Er ist 77 Jahre alt. Und er kennt sich mit dem Bullshitten aus. Er sagt: Wer bullshittet, hat eigentlich nichts zu sagen, will aber trotzdem intelligent wirken. Ich sage, das ist Kuhscheiße. Wer derart verbal stoffwechselt, kriegt das in der Regel gar nicht mit. Der findet sich einfach nur voll okidoki.

Ich habe dafür Beweise: Egal, wo man hinkommt – überall reden die Leute wie Atze Schröder auf Koks. Schon in der Kaffeeküche begrüßen sich die Sekretärinnen-Assistentinnen des stellvertretenden Keyaccount-Managers wahlweise mit „Morgääähn!“, „Hallöle“ oder „Tachjen!“. Wer sich Büro-Utensilien ausleiht, kommt nie ohne ein „Wiedersehen macht Freunde“ aus dem Zimmer. Und selbst auf der Toilette ist man nicht sicher vor einem süffisanten „Na, wie läuft’s gerade bei dir so?!“

Ich weiß, das ist noch nichts gegen den Senf, mit dem einen Powerpoint-Präsentationen ganz cremig machen. Da steht dann so was, wie „Mit unserem außergewöhnlich hohen Spezialisierungsgrad erwarten wir den optimalen Kundenbedarf dynamisiert zu kanalisieren.“ Oder: „Selbst in heiklen Ausnahmesituationen sind wir bestrebt, die notwendigen Ressourcen anschaulich zu identifizieren.“ Wer keinen Plan hat, kann natürlich auch gleich auf die Synergieeffekte zu sprechen kommen. Nur so zum Bleistift. Und wenn das in die Hose ging, bleibt immer noch die Rundablage – die „Ablage P“, wie der Profi sagt.

Das wichtigste Werkzeug des Bullshitters aber bleibt das Teflon. Wer richtig teflonieren kann, hat richtig was auf dem Kasten. Solche Menschen melden sich mit „Ich hier, wer dort?“ Oder einfach nur mit „Ja?!“ Es sind dieselben Kollegen, die sich zum kleinen Geschäft mit „Bin mal für kleine Jungs“ verabschieden oder eine Stange in die Ecke stellen. Manche schütteln auch nur einem guten Freund die Hand, die kleinen Königstiger.

Wissen Sie was? Das alles steht mir Oberkante Unterlippe. Das macht mich völlig fettich. Deswegen klink ich mich jetzt aus, ins WE. Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Das Leben geht schließlich weiter. Muss. Und der Ball ist rund. MfG.