Ergonomie-Buero-Arbeitsplatz-Tipps
Tagein, tagaus sitzen wir. Buchstäblich. Daheim auf der Couch, im Auto, vor allem im Büro und am Schreibtisch. Ganze fünf Stunden und 41 Minuten sind das im Durchschnitt. Viel zu wenig Bewegung finden auch Myanna Duncan, Aadil Kazi und Cheryl Haslam von der britischen Loughborough Universität. Als sie rund 1000 Beschäftigte über einen Zeitraum von 18 Monate untersuchten, erreichten nicht einmal 70 Prozent die von Ärzten empfohlenen physischen Aktivitäten. Mehr noch: Wer viel im Büro saß, bewegte sich auch daheim kaum noch. Und je mehr Zeit die Menschen sitzend verbrachten, desto mehr verschlechterte sich ihr emotionales und mentales Wohlbefinden...

Ergonomie Definition: Bessere Bedingungen am Arbeitsplatz

wavebreakmedia/shutterstock.comAuch sonst geht es am Arbeitsplatz recht uniform zu: Einheitsgrößen, Einheitsmöbel, Einheitsgedanken. Fatal! Tatsächlich spielen bei der Produktivität Abwechslung und Ergonomie eine entscheidende Rolle.

Der Begriff "Ergonomie" leitet sich übrigens von den griechischen Wörtern ergon (Arbeit, Werk) und nomos (Gesetz, Regel) ab und beschreibt damit in erster Linie die Gesetzmäßigkeiten menschlicher Arbeit. Ziel der Ergonomie ist also, möglichst optimale Arbeitsbedingungen zu identifizieren.

Das schließt auch Möbel, Lichtverhältnisse oder technische Geräte mit ein (siehe Liste weiter unten).

Bürostuhl, Schreibtisch und Monitor sollten so aufeinander abgestimmt sein, dass Sie aufrecht sitzen und gerade auf den Bildschirm blicken können.

Die größte Bedeutung kommt dabei dem Bürostuhl zu, der auf Ihre Körpermaße eingestellt werden können und dynamisches Sitzen erlaubt muss, damit sich selbst bei längerem Arbeiten am Schreibtisch keine Verspannungen bilden. Schließlich drängen schon die Berufsgenossenschaften darauf, dass Arbeitsplätze gesundheitsfördernd gestaltet werden, um Folgekosten durch ramponierte Wirbelsäulen und Ähnliches zu vermeiden.

Leider sind gute Bürostühle richtig teuer. Weil Sie Ihrem Arbeitgeber wohl eher selten einen Zuschuss zur optimalen Ausstattung Ihres Heimbüros aus den Rippen leiern können, sollten Sie sich nach gebrauchtem Mobiliar umsehen, um Ihr Budget nicht zu sehr zu strapazieren.

Tipp: Falls Ihnen selbst die Preise bei Gebrauchtmöbelhändlern zu hoch sind, sollten Sie beim zuständigen Amtsgericht nachfragen, wann das nächste Mal die Ausstattung eines insolventen Unternehmens versteigert wird – dort können Sie richtig sparen.

Hohe Bürotemperaturen machen sozialer

Extra-Tipp-IconDer US-Forscher Alan Hedge von der Cornell Universität hat schon vor einiger Zeit festgestellt, dass Mitarbeiter in einem warmen Büro deutlich mehr leisten als in einem kalten.

Dazu ließ er die Angestellten einer Versicherung in Florida bei 20 Grad arbeiten. Die Assekuranzler malochten und hatten eine Fehlerquote von 25 Prozent. Dann drehte Hedge die Heizung auf 25 Grad: Zack – schon schufteten die Leute noch mehr und machten nur noch 10 Prozent Fehler.

Zugegeben, in Florida wird es auch nie richtig kalt. Unterstützung erhalten Hedges Studienergebnisse allerdings auch durch eine Untersuchung zweier Kollegen von der Universität Utrecht, Holland. Die dortigen Wissenschaftler haben ermittelt, dass die Raumtemperatur beeinflusst, wie Menschen miteinander reden und welche Beziehungen sie aufbauen.

Resultat: Je höher das Thermometer steigt, desto näher kommen wir uns und desto besser verstehen wir die anderen. Wer das Verhältnis zu seinen Kollegen verbessern oder ein gänzlich neues Team aufbauen will, sollte also für angenehme Wärme im Büro sorgen. Ein bisschen Frischluft kann aber trotzdem nicht schaden.

PS: Die Arbeitsstättenverordnung schreibt für deutsche Büros mindestens 20 Grad vor.

Ergonomie im Büro: Der bessere Arbeitsplatz

Diese Faktoren beeinflussen Ihre Arbeitsweise und -qualität...

    Ergonomie & Bildschirm

  • Der Bildschirm ist groß. Laut einer Untersuchung der Universität von Utah arbeiten Mitarbeiter mit einem 24 Zoll Monitor um 52 Prozent, mit einem 20 Zoll Bildschirm immer noch 44 Prozent schneller als ihre Kollegen mit einem mickrigen 18-Zöller.
  • Der Kopf ist 50 bis 70 Zentimeter vom flimmerfreien (!) Monitor entfernt.
  • Der Bildschirm steht so, dass keine Reflexionen (etwa vom Fenster) entstehen können.
  • Wenn Sie die oberste Zeile auf dem Bildschirm lesen, sollte der Kopf leicht nach vorn geneigt sein – Sie schauen also leicht nach unten.
  • Ergonomie & Schreibtisch

  • Der Schreibtisch ist mindestens 80 Zentimeter tief und 160 Zentimeter breit. Tischtiefen unter 80 Zentimeter gelten nicht als Arbeitsplatz, sondern als Ablagefläche.
  • Der Tisch sollte (je nach Körpergröße) 19 bis 28 Zentimeter über der Sitzfläche liegen.
  • Bei normaler Sitzhöhe (hängende Schultern) liegen Ihre Arme wagerecht auf dem Schreibtisch.
  • Sie können unter dem Tisch die Beine auch mal ausstrecken oder die Haltung variieren ohne sich in Kabeln zu verstricken.
  • Der Schreibtisch ist variabel in der Höhe verstellbar.
  • Wenn die Hände aufliegen, bleiben Ihnen noch mindestens 10 Zentimeter bis zur Tastatur.
  • Ergonomie & Bürostuhl

  • Der optimale Bürostuhl lässt sich individuell anpassen und ermöglicht wechselnde Arbeitshaltungen.
  • Beim Sitzen sind Ihre Beine etwa 90 Grad angewinkelt, die Fußsohlen berühren vollständig den Boden.
  • Die Oberschenkel liegen dabei waagrecht oder fallen leicht nach vorne ab.
  • Die Rückenlehne sollte stufenlos verstellbar sein und mindestens 20 Zentimeter über den Sitz hinausragen. Besser ist, die Rückenlehne ragt bis zu den Schulterblättern.
  • Der sogenannte Lendenbausch, also die Innenwölbung der Lehne befindet sich auf Gürtelhöhe.
  • Wenn Sie mit dem Rücken anliegen, sollten die Beine noch mindestens zwei Fingerbreit über die Sitzvorderkante hinausragen.
  • Über Ihren Oberschenkeln ist noch eine Handbreit Platz bis zur Tischplatte.
  • Die optimale Sitzbreite liegt zwischen 40 und 48 Zentimetern.
  • Ergonomie & Arbeitsraum

  • Sie können sich auf Ihrem Stuhl problemlos drehen, bewegen und aufstehen – auch wenn Sie zurückrollen, stoßen Sie nirgendwo an.
  • Der Raum hat eine optimale Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Was hilft: lüften, Luftbefeuchter, großblättrige Pflanzen.
  • Der Raum muss Tageslicht haben.
  • Sie sollten den Raum regelmäßig lüften (können) – sogenanntes Stoßlüften: Fenster für 5 Minuten weit auf.
  • Achten Sie auf Lärmschutz. Schon geringer Lärm erzeugt Stress und beeinträchtigt die Leistungskraft, so eine Studie der Cornell Universität in Ithaca. Ergebnis: Beschäftigte versuchen in lauten Büros 40 Prozent seltener Probleme zu lösen.
  • Der Raum hat hohe Decken. Denn Je höher der Raum, desto besser und sprudelnder die Gedanken, wollen die US-Wissenschaftler Joan Meyers-Levy und Juliet Zhu herausgefunden haben. Allerdings schränkten die Forscher zugleich ein: Vorteile bringen hohe Decken nur bei Freiarbeiten, wie Brainstorming sowie analytischen Fragestellungen. Wenn es dagegen darum geht, die Innovationen konkret auszuarbeiten und umzusetzen, sind niedrige Decken besser.
  • Ergonomie & Lichtverhältnisse

  • Die Beleuchtung erfolgt indirekt – also keine direkten Spots auf den Tisch, sondern eher Wandstrahler mit warmem Licht. Sonst ermüden die Augen zu schnell.
  • Beim Schreiben entstehen auf der Tastatur keine Schatten.
  • Achten Sie auf nicht allzu hohe Kontraste (helles Fenster, dunkler Bildschirm) sowie möglichst keine Blendeffekte durch reflektierende Gegenstände im Raum oder an den Wänden.

Ergonomie Bildschirmarbeitsplatz: Einfach besser arbeiten

Die folgende Infografik fasst die wichtigsten Ergonomie-Erkenntnisse noch einmal zusammen:

Produktivitaet-Schreibtisch-Tipps-Infografik

Zum Vergrößern der Infografik diese bitte anklicken.

Wie motivierend ist Ihr Büro?

Extra-Tipp-IconAls Mitarbeiter von rund 100 Büros in London befragt wurden, sagte nahezu jeder Zweite (49 Prozent), eine moderne Büroausstattung und ein ansprechendes Design würde ihre Produktivität definitiv steigern. Mehr noch: 62 Prozent meinten, dadurch würde sich sogar ihr Jobzufriedenheit verbessern.

Insgesamt rangieren ein komfortabler Schreibtisch und Bürostuhl (38 Prozent) bereits auf Platz drei der wichtigsten Büromerkmale - gleich hinter netten Kollegen (70 Prozent) und guter Beleuchtung (40 Prozent). Weitere Ergebnisse:

  • 57 Prozent meinten, dass sich die Arbeitsmoral durch ein positives Ambiente verbessern lässt.
  • 43 Prozent sagten, die Fluktuation würde dadurch sinken.
  • 40 Prozent waren überzeugt, ein beeindruckendes Büro hilft bei der Kundenakquise.
  • 36 Prozent glaubten, dass sich dadurch gar Kundenbeziehungen verbessern ließen.



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