Neu denken: 6 Tipps für frische Impulse
Neue Perspektiven bringen neue Einsichten bringen neue Ideen. Aber wie bringe ich konkret Schwung in mein mattes Hirn? Wie haben sechs Vorschläge für Sie - von ganz simpel bis außergewöhnlich - mit denen Sie mal in eine ganz neue Rolle schlüpfen und für frische Impulse sorgen. Und dabei sogar richtig viel Spaß haben können ...

Perspektive wechseln: Albern?

Das menschliche Hirn ändert sich ein Leben lang. Es reagiert auf immer neue Reize, bildet ständig neue Synapsen, kappt andere. Bestehende Verbindungen in unserem Kopf werden neu aufgebaut oder reorganisiert.

Wie dieser komplexe Mechanismus genau funktioniert, wird unermüdlich erforscht. Exakt herunterbrechen aber lässt er sich (noch) nicht. Einen Leitfaden stricken nach dem Motto „Das müssen Sie tun, um schlauer zu werden“ - geht nicht.

Was man aber tun kann, um die geistigen Fähigkeiten zu trainieren: Man sollte versuchen, regelmäßig frische Impulse zu setzen, das Denkorgan anzuregen, sich selbst auch mal ungewöhnliche Aufgaben stellen. Die Engländer reden dann gerne vom "thinking outside the box", was meint, unkonventionelle Wege zu gehen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Fassen wir es mal als Perspektivwechsel zusammen.

Wir haben für Sie sechs - teilweise sehr - unorthodoxe Herangehensweisen zusammengestellt, die Sie in eine neue Perspektive versetzen. Die Ihnen ganz sicher frische Impulse geben - und sogar sehr erfrischend sein können ...

6 Übungen für den Perspektivwechsel

  1. Aufsatz schreiben

    Eine bewährte Methode aus Schule und Studium: Sachverhalte aufschreiben, um sie zu verinnerlichen. Vokabeln zu Papier bringen, um sie besser zu lernen. Auch dieses Training bringt Sie weiter: Geben Sie ein Thema vor, das mit Ihrer Arbeit nichts zu tun hat. Ein typisches Schulthema, irgendetwas Historisches zum Beispiel. Dazu setzen Sie sich 30 Minuten konzentriert hin und verfassen einen Aufsatz. Gedanken ordnen, Argumente sammeln und alles niederschreiben - aber geordnet, in ganzen Sätzen, mit Zusammenhängen. Diese Art des Schreibtrainings konfrontiert Sie mit völlig fachfremden Thematiken. Das hilft, wenn man sich immer wieder schnell in neue Themen einarbeiten und improvisieren muss.

  2. Kind fragen

    Der einfachste Weg, um ausgefallene Lösungen zu generieren. Fragen Sie ein Kind um Rat! „Lieber Niklas, wie würdest du denn einen Mitarbeiter belohnen, der bei der Arbeit eine super Idee hatte?“ Wer den eigenen Sohn, Neffen oder Nachbarsjungen so fragt, bekommt natürlich meist gequirlten Unsinn zur Antwort. „Ich würde ihm das teuerste Bobby Car der Welt schenken.“ Oder „Ich würde ihm jeden Tag eine Tüte M&M's mitbringen.“ Oder einfach: „Ich würde mit ihm auf den Spielplatz gehen.“ Klingt albern? Sicherlich. Hat aber zur Folge, dass Sie wenigstens für einen kurzen Augenblick die Perspektive eines Kindes einnehmen - und ihre alten Denkmuster kurzzeitig verlassen.

  3. Flanieren

    Den selbsternannten Flaneur Bastian Wilkat hatten wir neulich im Interview. Das Prinzip des ziellosen Umherwanderns hat im Grunde aber doch ein Ziel: sich aus seinem gedanklichen Korsett lösen, die Gedanken schweifen lassen (können). Und flanieren kann man an vielen Orten: zum Beispiel in der eigenen Stadt. Sie werden überrascht sein, wie viele Plätze, Schleichwege, Grünanlagen, inhabergeführte Geschäfte Sie dabei zum allerersten Mal erblicken werden. Oder im Urlaub: Ohne jede Bucket List durch London spazieren, Big Ben von vornherein links liegen lassen. Flanieren funktioniert sogar im Netz: Surfen Sie von einem Link zum nächsten, immer der Nase nach (aber bitte nicht während der Arbeit, dafür ist es zu zeitraubend). Und: Sogar im guten alten Buchladen ist das Flanieren ein bewährtes Mittel. Aus diesem Regal ein Buch durchblättern, anlesen, überfliegen, dann aus jenem und danach wieder ein anderes. So sammelt man viele neue Eindrücke.

  4. Chatten

    Ein Wort, das so klingt, als wäre es aus den 90er Jahren liegengeblieben. Das nach ratterndem AOL-Modem klingt. Tatsächlich aber sind Kommunikationskanäle im Netz die einfachste Möglichkeit, um mit fremden Menschen in Kontakt zu treten. Und neue Menschen bringen neue Perspektiven mit, geben andere Impulse als Ihre Arbeitskollegen oder Kommilitonen, die Sie schon in- und auswendig kennen. Beispiele fürs Chatten 2.0: Fragen Sie via Reddit Bill Gates nach seinem Erfolgsrezept, nehmen Sie an Google Hangouts On Air teil und treten Sie über unser Schwesterportal Karrierefragen eine Diskussion über die 4-Tage-Woche los. Auch das eröffnet neue Perspektiven.

  5. Wimmelbild malen

    Früher haben Sie diese Wimmelbilder von Ali Mitgutsch geliebt, auf denen man versteckte Personen oder Gegenstände in einem detailverliebten Meer an Buntem finden musste. Jetzt sind Sie selbst an der Reihe. Entwerfen Sie in der Mittagspause ein eigenes Wimmelbild, wenn auch etwas simpler, mit Strichmännchen oder -figuren vielleicht. Strategische Überlegungen sind nicht ganz unwichtig. Wo verstecke ich meinen Hund, damit ihn der Betrachter nicht sofort zwischen all den Menschen entdeckt? Wer gerne zeichnet oder malt, wird daran Spaß haben. Und: Die montagsmalerische Aufgabe facht den kreativen Geist an - und versetzt Sie gleichzeitig in die Rolle eines Rätselerfinders.

  6. Gruppendiskussion anzetteln

    Aufgabe: Sie trommeln im Büro ein paar willige Mitarbeiter zusammen und geben einen Begriff vor. Beispiel: Briefgeheimnis. Oder etwas völlig Absurdes: Rodeoreiten. Nur dieses eine Wort, mehr nicht. Dazu werfen die Teilnehmer jetzt ihre Eingebungen in die Runde, ohne klar formuliertes Ziel oder näheren Sinn. Sie lassen die unorganisierte Talk-Runde einfach laufen, jeder darf die Diskussion in eine x-beliebige Richtung drehen, etwas Geistreiches oder Aberwitziges zum Besten geben. Sie werden mit den Ohren schlackern, auf welche Assoziationen die Teilnehmer kommen, welchen Verlauf die brainstormige Gesprächsrunde nimmt. Ein Feuerwerk skurriler Einfälle - und oft mit unerwartetem Erkenntnisgewinn.

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