Skandalkonzern: Schadet das meinem Lebenslauf?

Nicht jedes Unternehmen hat einen guten Ruf. Durch öffentliche Skandale, die entweder in der Branche publik werden oder ein noch viel größeres Publikum erreichen, kann das Image schnell leiden und langfristigen Schaden nehmen. Der Umsatz bricht ein, Kunden wechseln zur Konkurrenz und plötzlich steuert das Unternehmen auf eine Krise zu. Auch für Mitarbeiter kann eine solche Entwicklung problematisch sein. Wer sich bisher vielleicht noch mit einer guten Stelle bei einem namhaften Arbeitgeber brüsten konnte, steht nun vor der Frage: Schadet der Skandalkonzern meinem Lebenslauf? Schließlich wissen auch andere Personaler um die Zustände, unter denen man gearbeitet hat oder zu denen man – je nach Position – vielleicht sogar beigetragen hat…

Skandalkonzern: Schadet das meinem Lebenslauf?

Wird ein Skandalkonzern Mitarbeitern zum Verhängnis?

Immer wieder gehen verschiedene Geschichten durch die Medien, die Arbeitgeber, Konzerne und Unternehmen nicht gerade gut aussehen lassen – angefangen von schlechter Behandlung der Mitarbeiter, über Abzocke den Kunden gegenüber bis hin zu gefälschten Zahlen. Für Außenstehende ist es leicht, sich eine Meinung dazu zu bilden: Mieser Laden; allesamt Betrüger; der Fisch stinkt vom Kopf; das färbt doch alles auf die Persönlichkeit ab…

Die Mitarbeiter selbst stehen – per Sippenhaft – dann meist ebenfalls im Feuer. Freunde und Bekannte fragen bei jeder Gelegenheit, ob man auch dazu gehört hat, ob man bei den Machenschaften mitgemacht oder zumindest beide Augen zugedrückt hat. Ein privater Spießrutenlauf und permanente Rechtfertigung. Man wird zum Konzernsprecher – ob man will oder nicht.

Gleichzeitig stehen die Mitarbeiter angesichts öffentlicher Skandale vor einem moralischen Dilemma und der Frage: Kann und will ich mich weiterhin mit meinem Arbeitgeber identifizieren? Schließlich müssen sie auch weiterhin jeden Morgen zur Arbeit gehen. Aber auch mit gutem Gewissen?

Wer sich dann oder etwas später entscheidet, ein solches Unternehmen zu verlassen und derlei Geschäftsgebaren nicht weiter mitzutragen, hat trotzdem noch ein Problem: den tabellarischen Lebenslauf. Denn da steht der Skandalkonzern nun mal als bislang jüngster Arbeitgeber drin.

Wer sich dann in der Bewerbung von der besten Seite zeigen und Argumente liefern will, warum er oder sie der/die beste Kandidat(in) für eine freie Stelle ist, steht damit womöglich schon wieder vor einem Rechtfertigungszwang:

  • Hat man mitgemacht?
  • Gehörte man zum Kreis der passiven Täter und stillen Mitwisser?
  • Würde man für den Erfolg über Leichen gehen – und infiziert man mit dieser moralisch zweifelhaften Haltung vielleicht die Kultur des neuen Arbeitgebers?

Natürlich sind das wilde Spekulationen. Haltlose meist noch dazu. Der Täterkreis ist schließlich oft ganz klein. Aber der Skandal klebt eben gefühlt immer noch an der eigenen Vita und bleibt hartnäckig im Hinterkopf.

Aber stimmt das denn jetzt: Hat einem der bisherige Arbeitgeber dadurch Chancen verbaut?

Wie Sie mit einem Skandalkonzern im Lebenslauf umgehen sollten

studiostoks/shutterstock.comDie gute Nachricht für alle aktuellen und auch ehemaligen Mitarbeiter eines Skandalkonzerns lautet: Der Ruf eines Unternehmens ist in erster Linie ein Problem des Arbeitgebers selbst – kein persönliches.

Nicht nur die wirtschaftliche Situation kann schwieriger werden, wenn man negative Schlagzeilen macht, es wird auch schwieriger, Talente im Unternehmen zu halten und neue Mitarbeiter anzuwerben, wenn das Image eines Arbeitgebers erst einmal ruiniert ist.

Aber was bedeutet es für Mitarbeiter, die sich mit einem solchen Arbeitgeber im Lebenslauf neu bewerben wollen?

Hier können mehrere Faktoren entscheiden, welche Auswirkungen ein Skandalkonzern für Mitarbeiter haben kann.

Im besten Fall geraten Sie an einen Personaler, der Mitarbeiter und Unternehmensführung gut voneinander trennen kann. Realistisch betrachtet, haben einzelne Mitarbeiter nun mal keine Verantwortung für das, was auf oberster Management-Ebene entschieden oder durchgesetzt wurde.

In einem solchen Fall schadet der letzte Arbeitgeber dem Lebenslauf nicht, und die Chancen auf den angestrebten Job bleiben unverändert. Wer mutig und offensiv mit der Situation umgehen möchte, kann daraus sogar ein Argument für den angestrebten Jobwechsel machen – aber bitte möglichst ohne den alten Arbeitgeber schlecht zu reden.

Leider gibt es aber durchaus Situationen, in denen ein Skandalarbeitgeber sich bei der Jobsuche bemerkbar machen kann.

Wollen Sie sich beispielsweise bei einem Unternehmen bewerben, das als Kunde, Partner oder auch Konkurrent unter den Skandalen Ihres ehemaligen Arbeitgebers gelitten hat, könnten Sie möglicherweise auf Vorbehalte stoßen. Diese sind Ihnen gegenüber nicht unbedingt fair, können die Bewerbung aber erschweren.

Noch schlimmer ist es, wenn Sie genau aus der Abteilung kommen, die in die Skandale verwickelt war. Dabei ist es nebensächlich, ob Sie tatsächlich dafür verantwortlich waren oder nicht.

Denken Sie beispielsweise an den VW-Konzern: Waren Sie beispielsweise in der Entwicklungsabteilung tätig, die von den frisierten Abgaswerten wusste, wird man Sie damit in Verbindung bringen und zumindest dazu befragen – wenn Sie überhaupt die Chance bekommen. Beteiligte Ingenieure dürften jedenfalls ein veritables Karriereproblem haben.

Wie Sie im Zweifelsfall mit einer solchen Situation umgehen, hängt von Ihrer Persönlichkeit ab. Oft gibt es hierfür nur zwei Optionen:

  • Flucht nach vorn: Belegen Sie glaubhaft, dass Sie nichts damit zu tun hatten und mit dem Unternehmen auch nichts mehr zu tun haben wollen. Mit der Bewerbung ziehen Sie die Reißleine – nur vielleicht schon zu spät. Den Fehler lassen Sie sich zurechnen.
  • Läuterung: Sie haben einen Fehler begangen – ohne wenn und aber. Übernehmen Sie dafür die Verantwortung. Erklären Sie die Umstände – aber nicht als Rechtfertigung oder Schuldzuweisung, sondern als Beleg dafür, was Sie daraus gelernt haben. Bitten Sie um eine zweite Chance und machen Sie glaubhaft, warum Ihnen der Fehler kein zweites Mal passieren wird.

Ehrlichkeit währt eben noch immer am längsten.

In den meisten anderen Fällen werden Sie aber keine negativen Konsequenzen erleben, wenn Sie bei einem Skandalkonzern beschäftigt waren. Diese Erkenntnis sollten Sie allerdings auch selbst verinnerlichen, denn wenn Ihr Selbstbewusstsein bei der Jobsuche oder im Vorstellungsgespräch darunter leidet, schaden Sie sich vielleicht doch noch – aber selbst.

[Bildnachweis: studiostoks by Shutterstock.com]
4. November 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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