Reibereien: So nutzen Sie diese zum Vorteil

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo viele verschiedene Charaktere aufeinanderprallen, da gibt es Reibereien. Nicht weiter verwunderlich also, wenn Sie sich hin und wieder über den Kollegen aus der anderen Abteilung ärgern. Wenn Reibereien allerdings zu einem Dauerzustand werden, schlagen sie nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf die Gesundheit. Das müsste aber gar nicht sein, denn ein fair ausgetragener Konflikt kann sogar Vorteile für alle Beteiligten und damit auch für das Unternehmen haben…

Reibereien: So nutzen Sie diese zum Vorteil

Reibereien: Synonyme für die Konflikte im Job

Reibereien: Synonyme für die Konflikte im JobReibereien kommen relativ häufig vor – und man redet auch darüber. Unter anderem werden dabei folgende Synonyme für Reibereien verwendet:

  • Auseinandersetzung
  • Differenzen
  • Diput
  • Gezänk
  • Konflikt
  • Meinungsverschiedenheit
  • Querelen
  • Streiterei
  • Streitigkeit
  • Zerwürfnis

Reibereien im Job können auch Vorteile haben

Dass man in einem Großraumbüro nicht durchgehend mit allen Kollegen gut auskommen kann, ist einleuchtend. Die gute Nachricht: Das müssen Sie auch nicht. Denn Reibereien und Konflikte im Job können durchaus auch positive Effekte haben – und das gleich auf mehreren Ebenen:

  • Sie machen Ihrem Ärger Luft

    Wenn es in Ihrer Firma die Möglichkeit gibt, Reibereien auch öffentlich werden zu lassen, sollten Sie sich darüber freuen. Es ist nämlich nicht gesund, wenn sich Ärger lange aufstaut. Wenn Sie sich regelmäßig über einen bestimmten Kollegen ärgern, das aber nicht ansprechen können oder dürfen, kann das Stress verursachen – mit den bekannten Konsequenzen:

    können die Folge sein, wenn Reibereien immer unter der Oberfläche bleiben müssen.

    Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass ein strukturierter und fairer Umgang mit Reibereien im Job gut für Ihre Gesundheit sein kann. Wenn Sie Ihrem Ärger Luft gemacht haben, nimmt das Druck vom Kessel und Sie können sich wieder entspannter und ausgeglichener Ihren eigentlichen Aufgaben widmen.

  • Sie haben wieder mehr Spaß bei der Arbeit

    Wenn es mit einem bestimmten Kollegen ständig zu Reibereien kommt, kann das einem ganz schön die Freude an der Arbeit verderben. Auch das spricht daher dafür, Reibereien lieber offen – mit der nötigen Wertschätzung(!) – auszutragen, statt sich im Stillen zu ärgern.

    Ist der Konflikt beigelegt oder herrscht zumindest für einen gewissen Zeitraum Waffenstillstand, macht der tägliche Gang ins Büro auch wieder mehr Freude und Sie können mit frischem Elan und Motivation wieder an die Arbeit gehen.

  • Aus Reibereien kann etwas Neues entstehen

    Wenn es so richtig knallt und sich gleich mehrere Mitarbeiter aus dem Team gegenseitig die Meinung geigen, kann auch das ein gutes Ende haben. Meist kommt es gerade dann zu einem Konflikt, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen.

    Teams, in denen die einzelnen Mitglieder verstehen, dass es nicht darum geht, unter allen Umständen recht zu behalten, können von Reibereien profitieren. Wer sich nicht nur beschimpft, sondern nachdem der erste Ärger verflogen ist, auch zuhört, kann durchaus zu fruchtbaren Einsichten kommen. Wenn der Träumer und der Pragmatiker jeweils ihre Sichtweise verteidigen, können interessante Ideen daraus erwachsen.

    Anders ausgedrückt: In Teams, in denen sich die einzelnen Mitarbeiter grundsätzlich gegenseitig zustimmen, werden die Ergebnisse mittelmäßiger – und das können weder Mitarbeiter noch Vorsetzte wollen.

    Daneben hat das klärende Gewitter noch einen weiteren Vorteil: Nach dem Streit arbeiten die Teams viel besser zusammen und kommen zu effizienteren Ergebnissen, berichtet die Zeitschrift „Harvard Business Manager“.

Die verschiedenen Ebenen des Konflikts

Reibereien im Job können so verschieden sein, wie die Akteure die sie austragen. Daher unterscheidet man mehrere Ebenen, auf denen sich Konflikte und Reibereien äußern können:

  • Die Beziehungsebene

    Wo viele unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen, geht es nicht immer ohne Reibereien zu. Sie kennen das doch sicherlich auch: Es gibt Menschen, die sind uns auf den ersten Blick unsympathisch. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die, denen wir sofort wohl gesonnen sind – das ist aber ein anderes Thema.

    Wenn Sie plötzlich in einem Team arbeiten müssen, in dem sich eine – oder noch schlimmer gleich mehrere Personen – befinden, mit denen Sie einfach nicht zurecht kommen, kann das ein Grund für Reibereien sein. Die anfängliche Antipathie wird dann über kurz oder lang dazu führen, dass Sie Vorschläge und Ideen ablehnen und vielleicht sogar schlecht machen, die gar nicht so übel sind. Einfach nur deshalb, weil Sie den Urheber der Idee nicht leiden können.

    Wenn es soweit ist, haben sich die Reibereien von der sachlichen auf die persönliche Ebene verlagert.

  • Die Kommunikationsebene

    Haben Sie das gesehen? Schon wieder hat der Kollege aus der anderen Abteilung die Augenbraue so komisch hochgezogen, als Sie im Meeting einen Vorschlag gemacht haben.

    Spätestens seit Paul Watzlawick wissen wir, dass man nicht nicht kommunizieren kann. So wird jede kleinste Regung unseres Gegenübers in der Kommunikation registriert und ausgewertet. Das kann dummerweise aber auch dazu führen, dass es Reibereien gibt, wo eigentlich keine nötig wären.

    Vielleicht hat der Kollege gar nichts damit sagen wollen, als er die Augenbraue hochgezogen hat. Unter Umständen hat er gerade an etwas ganz anderes gedacht, was ihn zu dieser Reaktion verleitet hat oder ihn hat es einfach gejuckt oder oder oder.

    Will sagen: Reibereien können auch dann entstehen, wenn es gar keinen Grund dazu gibt. Behalten Sie das im Hinterkopf, bevor Sie sich beim nächsten Mal über einen Kollegen ärgern.

  • Die Rollenebene

    In Teams und Gruppen kommen in der Regel den unterschiedlichen Akteuren ganz verschiedene Rollen im Job zu. Ohne diese Rollenaufteilung würde meist nichts richtig im Team laufen. Reibereien können sich dann entwickeln, wenn einem Mitglied von der Mehrheit der Gruppe eine andere Rolle zugeschrieben wird, als das Mitglied sich selbst zuschreibt.

    Mit der Rolle kommen nämlich auch Rechte und Pflichten, die dem Rolleninhaber zugeschrieben werden. Wenn der nun aber gar nichts davon weiß, führt das zu Unmut – auf beiden Seiten.

  • Die Sachebene

    Reibereien dieser Art sind wohl am dankbarsten. Denn dabei muss sich kein Mitarbeiter persönlich angegriffen fühlen, es geht lediglich darum, dass man unterschiedliche Meinungen über eine Sache hat.

  • Die Werteebene

    Wenn Chaoten mit Ordnungsfanatikern zusammenarbeiten bietet auch das einiges an Konfliktpotenzial. Der Eine legt großen Wert auf geordnete Abläufe, während der Chaot damit nur wenig anfangen kann.

  • Die Machtebene

    Nicht jeder kann Häuptling sein, es muss auch Indianer geben. Werden allerdings zwei Projektgruppen oder Abteilungen zusammengelegt, könnten das die Vorgesetzten anders sehen. Dann möchte natürlich jeder an seiner Leitungsposition festhalten und sieht keinen Grund, warum er dem Kollegen aus dem anderen Team den Vortritt lassen sollte. Auch das kann ganz schnell zu einem handfesten Grund für Reibereien werden.

Bleiben Sie bei Reibereien sachlich

Bleiben Sie bei Reibereien sachlichUnser Tipp zum Abschluss: Versuchen Sie so weit wie möglich, Reibereien und Konflikte auf der Sachebene auszutragen. Sobald die Angelegenheit persönlich wird, wird es schwierig für die beteiligten Personen, danach wieder so weiter zu machen, wie vor dem Konflikt.

  • Als Vorgesetzter können Sie dazu beispielsweise Ihre Entscheidungen so transparent wie möglich machen. Wenn die Mitarbeiter nachvollziehen können, warum Sie so und nicht anders entschieden haben, bietet das schon weniger Grund für Frust.
  • Grundsätzlich tut es allen Beteiligten gut, wenn sie ihre Emotionen im Griff haben. Impulskontrolle ist eben nicht nur eine Eigenschaft, die Kinder lernen müssen, sondern ist auch äußerst sinnvoll für die Karriere.
  • Und sollte es trotzdem einmal so weit kommen, dass Sie während der Reibereien über die Stränge geschlagen haben, gehört es unbedingt dazu, dass Sie sich für Ihr Verhalten entschuldigen. Das zeigt nicht nur menschliche Größe, es macht es auch Ihrem Gegenüber leichter, nach dem Konflikt wieder zu einem unbelasteten Verhältnis Ihnen gegenüber zu kommen.

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[Bildnachweis: New Africa by Shutterstock.com]
17. März 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.


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