Das Wichtigste auf einen Blick
- Definition: Ein Workaholic ist jemand, der exzessiv und zwanghaft arbeitet – oft weit über das normale Maß hinaus und angetrieben von Perfektionismus oder dem Bedürfnis nach Anerkennung.
- Merkmale: Workaholics arbeiten an Wochenenden oder bis spät in den Abend, machen kaum Pausen und haben Schwierigkeiten, abzuschalten. Oft vernachlässigen sie soziale Kontakte (Familie, Freunde) sowie Hobbys.
- Ursachen: Gründe für Workaholism sind häufig ein geringes Selbstwertgefühl, der Wunsch nach Anerkennung oder die Flucht vor Ängsten und Einsamkeit. Es handelt sich um ein ernsthaftes Krankheitsbild, das psychisch abhängig macht.
- Therapie: Wege aus der Sucht sind Psychotherapie, Selbsthilfegruppen sowie mehr Selbstfürsorge – mit festen Arbeitszeiten, klaren Grenzen und echter Freizeit.
Ist Workaholismus eine Krankheit?
Workaholismus ist keine offiziell anerkannte Krankheit nach ICD-10 wie eine Depression oder Burnout. Eher handelt es sich hierbei um eine Verhaltenssucht, die jedoch ähnliche Folgen wie eine Krankheit haben kann – z.B. Erschöpfung, Bluthochdruck, Tinnitus oder Herz-Kreislauf-Probleme. Fachleute betrachten Workaholismus deshalb als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko.
Definition: Was ist ein Workaholic?
Ein Workaholic ist eine Person, die zwanghaft und exzessiv arbeitet – ohne wirklich abzuschalten. Betroffene können sich kaum noch vom Job distanzieren – weder physisch noch mental. Die Arbeit wird zur Sucht und zum zentralen Lebensinhalt, an den zugleich das Selbstwertgefühl gekoppelt ist. Die Psychologie spricht deshalb auch von „Arbeitssucht“ oder „Arbeitswut“. Wichtig ist jedoch: Nicht jeder, der 60 Stunden pro Woche arbeitet, ist sofort süchtig. Der entscheidende Unterschied zu einem Workaholic ist die Unfähigkeit, nicht zu arbeiten. Bei dem Versuch kommt es zu einer Art Entzugserscheinungen wie innere Unruhe oder Reizbarkeit.
Begriffserklärung
Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Worten „work“ (= Arbeit) und „alcoholic“ (= Alkoholiker). Er beschreibt damit eine vergleichbare Sucht und Abhängigkeit der Betroffenen von ihrem Job, wie Alkoholiker von ihrer Droge.
Workaholic Symptome
Das stärkste Anzeichen für einen Workaholic ist, dass er oder sie immerzu arbeitet und kaum noch Freizeit kennt. Weitere Indizien und Symptome für eine vorhandene Arbeitssucht sind:
Zwanghaftes Arbeiten
Job und berufliche Aufgaben bestimmen das Denken und Handeln.- Lange Arbeitszeiten
Überstunden, langes Arbeiten nach Feierabend oder am Wochenende sind Normalität. - Starker Perfektionismus
Die Ansprüche an die eigenen Leistungen sind unrealistisch hoch. - Steigendes Arbeitspensum
Betroffene müssen immer noch mehr arbeiten und neue Projekte annehmen. - Extremes Pflichtbewusstsein
Es gibt ein übermäßiges Pflichtgefühl gegenüber unerledigten Aufgaben. - Selbstgewählte Überlastung
Workaholics muten sich selbst mehr zu, ohne dazu gedrängt zu werden. - Keinerlei Freizeit
Der Tag besteht nur aus Arbeit – Erholung und einen Ausgleich gibt es nicht. - Soziale Isolation
Aus Zeitmangel leiden Beziehungen zu Familie oder Freunden, ebenso Hobbys. - Gesundheitliche Probleme
Betroffene leiden häufig unter Schlafmangel, Bluthochdruck und Erschöpfung.
Physische und psychische Anzeichen
Mentale Symptome |
Körperliche Symptome |
| Innere Unruhe | Kopfschmerzen |
| Gereiztheit | Verspannungen |
| Leistungsabfall | Schlafstörungen |
| Angstzustände | Konzentrationsmangel |
| Stimmungsschwankungen | Magen-Darm-Beschwerden |
| Innere Leere | Herz-Kreislauf-Probleme |
| Leistungsabfall | Chronische Erschöpfung |
Ab wann bin ich ein Workaholic?
Es gibt keine festen Grenzen oder Arbeitszeiten, ab wann man als Workaholic gilt. Faustregel: Wer regelmäßig deutlich mehr arbeitet, als im Arbeitsvertrag vereinbart ist, handelt es sich bereits um „exzessives“ Arbeiten – eine Vorstufe. Können Betroffene ihre Arbeitsdauer nicht mehr selbst kontrollieren und nicht mehr abschalten, sind sie arbeitssüchtig.
3 typische Phasen der Arbeitssucht
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Einleitungsphase
Arbeitssucht beginnt meist mit hohem Engagement und Ehrgeiz. Überstunden werden zur Gewohnheit, auch wenn sie nicht notwendig wären. Das gefährliche Signal hier: Die Arbeit wird zum primären Maß für das Selbstwertgefühl oder um Stress in anderen Lebensbereichen zu kompensieren.
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Kritische Phase
Das soziale Netz bekommt Risse. Hobbys und Freunde werden als Zeitfresser empfunden. Hinzu kommen physische Warnsignale wie Schlafstörungen oder Gereiztheit. Oft findet in dieser Phase eine Wesensveränderung statt.
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Chronische Phase
Betroffene verlieren die Kontrolle über das Ausmaß ihrer Arbeit und arbeiten bis zur totalen Erschöpfung. Der Raubbau an Körper und Seele ist Alltag. Gleichzeitig sinkt die Leistungsfähigkeit, was zu noch mehr Arbeit führt, um das Defizit auszugleichen. Ein Teufelskreis entsteht.
Ursachen: Warum wird man zum Workaholic?
Eine regelrechte Arbeitssucht und Abhängigkeit vom Job entstehen nicht grundlos. Zu den häufigsten Ursachen für Workaholismus gehören laut Experten:
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Leistungsorientierte Erziehung
Durch eine leistungsorientierte Erziehung lernen Kinder bereits in jungen Jahren, wie wichtig Erfolge sind. Liebe, Lob und Zuneigung sind abhängig von guten Leistungen – ob in der Schule oder beim Sport. Dadurch glauben Betroffene: „Ich bin nur gut, wenn ich etwas erreiche!“/li>
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Leistungsgesellschaft
Nicht nur die Erziehung, auch die Gesellschaft ist auf Wachstum und Leistung ausgerichtet. Hohe Abschlüsse, gut bezahlte Jobs und große Verantwortung im Beruf sind häufig Maßstab für sozialen Status und den Selbstwert vieler Menschen.
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Work-Life-Blending
Arbeits- und Privatleben verschmelzen zunehmend in der modernen Arbeitswelt. Es gibt keinen echten Feierabend mehr, wir sind „always online“. Durch dieses Work-Life-Blending arbeiten viele Menschen mehr und länger.
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Persönlichkeit
Die Persönlichkeit spielt bei Workaholics eine große Rolle: Viele leiden unter Perfektionismus, sind besonders ehrgeizig und neigen zum Kontrollzwang. Auch ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung erhöht das Risiko.
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Angst
Angst und Unsicherheit können Arbeitssucht begünstigen, wenn Betroffene fürchten, der eigene Job und damit die Lebensgrundlage könnten in Gefahr sein. Durch die Arbeitswut wollen sie zeigen, dass sie unersetzbar sind, und geben dafür 150 %.
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Beziehungsflucht
Die viele Arbeit kann bei manchen auch als emotionales Exil fungieren: Wenn es im Privatleben knirscht, die Beziehung stagniert oder familiäre Konflikte drohen, wird der Schreibtisch zum Schutzraum. Was als harmlose Überstunde beginnt, birgt jedoch langfristig eine Gefahr: die Entfremdung vom sozialen Umfeld. Wer den Arbeitsplatz dauerhaft als Wohlfühlzone gegenüber dem heimischen Wohnzimmer vorzieht, betreibt Symptombekämpfung statt Problemlösung. Das Ergebnis ist ein Teufelskreis, der die privaten Risse nur noch vertieft.
Test: Bin ich ein Workaholic?
Viele Workaholics erkennen nicht oder wollen nicht wahrhaben, dass sie ein Problem mit der Arbeit haben. Entsprechend spät reagieren sie oder ändern nichts. Machen Sie hier einen kurzen Test: Sind Sie schon Workaholic? Für eine ehrliche Selbsteinschätzung schauen Sie sich bitte die folgenden Aussagen an und haken gleich online ab, welche auf Sie zutreffen. Bei mehr als fünf Häkchen deutet einiges darauf hin, dass Sie arbeitssüchtig sind:
- Ich mache regelmäßig Überstunden, oft bis weit nach Feierabend.
- Für die Arbeit sage ich private Termine und Aufgaben ab.
- Eine echte Work-Life-Balance gelingt mir nicht.
- Mit Familie und Freunden spreche ich am liebsten über den Job.
- Am Wochenende nehme ich immer Aufgaben mit nach Hause.
- Ich habe neben der Arbeit keine Zeit für Treffen mit Freunden.
- Im Urlaub weiß ich nichts mit mir anzufangen und denke viel an die Arbeit.
- Ich habe keine anderen Hobbys. Mein Job ist mein Hobby.
- In kann Beziehungen und meinen Job schwer vereinbaren.
- Zu Hause bleibt vieles liegen, weil es im Job Wichtigeres gibt.
- Ich fühle mich schlecht, wenn ich an nichts arbeite.
Welche Folgen hat Arbeitssucht?
Die größte Gefahr der Arbeitssucht ist, dass sie nicht sofort erkannt wird. Betroffene empfinden ihre Arbeit anfangs noch als erfüllend. Hinzu kommen Erfolge, der Aufstieg auf der Karriereleiter, mehr Gehalt und Anerkennung im Job. Nach einiger Zeit ist von den Vorteilen aber nichts mehr übrig. Was bleibt, sind zahlreiche Nachteile und gefährliche Konsequenzen. Vor allem die Gesundheit leidet unter der ständigen Grenzüberschreitung – es drohen Burnout oder gar ein Herzinfarkt. Workaholics bezeichnen sich zwar gerne als ehrgeizig, betonen die eigenen Ambitionen sowie ihre Belastbarkeit oder hohe Motivation. Damit reden Sie das eigene Verhalten aber nur schön! Innerlich spüren Sie längst Symptome und Folgen.
Arbeitssucht: Wenn der Job die Liebe frisst
Wer für den Job brennt, riskiert oft, dass zu Hause nur noch Asche übrig bleibt. Arbeitssucht ist ein häufiger Beziehungskiller, weil Workaholics daheim durch (mentale) Abwesenheit glänzen. Die aber signalisiert dem Partner unmissverständlich: „Du bist nur meine zweite Liebe!“ Diese Priorisierung des Berufslebens wirkt wie ein schleichendes Gift: Sie kränkt das Umfeld tiefgreifend und zerstört das Fundament aus Vertrauen und Wertschätzung. Wo kein echter Austausch mehr stattfindet, verkümmern Tiefgang und Intimität. Die bittere Konsequenz: Das soziale Netz bekommt Risse, Freunde ziehen sich zurück und nicht selten endet die Sucht nach Erfolg in der Isolation einer gescheiterten Ehe. Wahre Karriere bedeutet eben auch, den Feierabend für die Menschen zu reservieren, die man liebt.
Was tun? 6 Tipps für Workaholics
Als Workaholic ist es nicht leicht, etwas an der Situation zu ändern. Die Arbeitssucht bestimmt das Verhalten, die Gewohnheiten sind etabliert, und für eine Besserung braucht es Zeit und Energie. Experten und Psychologen empfehlen Betroffenen folgende Strategien:
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Erkennen Sie Ihren Wert
Der wichtigste Tipp für einen Workaholic: Sie sind nicht nur Ihre Arbeit! Wenn Sie erkennen, dass Anerkennung und Zuspruch nicht nur von Ihren Leistungen abhängen, bekommen andere Bereiche neben dem Job eine neue Bedeutung. Erkennen Sie Ihren Selbstwert unabhängig von der Arbeit.
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Beenden Sie Ihre Arbeit
Feierabend heißt Feierabend. Sie müssen lernen, die Arbeit wirklich zu beenden. Setzen Sie sich ein zeitliches Limit und halten Sie sich daran. Das erfordert große Disziplin, ist aber absolut notwendig.
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Geben Sie Aufgaben ab
Gerade zu Beginn ist es hilfreich, wenn Sie Aufgaben an Kollegen abgeben. Sie müssen sich nicht um alles selbst kümmern. Vertrauen Sie darauf, dass andere ebenfalls gute Leistungen bringen. Das erleichtert ein neues Verhalten, weil Sie wissen, dass wichtige Dinge auch ohne Ihr Zutun erledigt werden.
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Schaffen Sie einen Ausgleich
Gehen Sie regelmäßig zum Sport oder widmen Sie sich einem Hobby, das nichts mit dem Job zu tun hat. Durch einen Ausgleich schaffen Sie größeren Abstand zum Job und erkennen, dass es auch andere Dinge im Leben gibt.
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Konzentrieren Sie sich auf Ihr Privatleben
Planen Sie Aktivitäten mit Ihrer Familie, treffen Sie sich mit Freunden oder unternehmen Sie etwas alleine. Legen Sie den Fokus gezielt auf Ihr Privatleben, statt nur an die Arbeit zu denken. Dabei hilft eine klare Tagesstruktur. Beispiel: Am Wochenende und unter der Woche ab 17 Uhr widmen Sie sich ausschließlich Ihrem Privatleben.
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Suchen Sie sich Unterstützung
Als Workaholic schaffen Sie die notwendige Veränderung nicht zwangsläufig alleine. Wie bei anderen Süchten hilft professionelle Unterstützung. Möglichkeiten sind zum Beispiel ein Coaching, eine Therapie oder eine Selbsthilfegruppe. Lassen Sie sich unbedingt von einem Arzt dazu beraten!
Kann ich Arbeitssucht vorbeugen?
Arbeitssucht ist oft das Ergebnis fehlender Grenzen. Ein zentrales Werkzeug zur Prävention ist deshalb, sich selbst klare Grenzen zu setzen. Machen Sie bewusst keine Überstunden, seien Sie nicht ständig erreichbar und machen Sie konsequent Feierabend. Weil die Spezies der Selbstständigen hierbei besonders gefährdet ist („selbst“ und „ständig“), sind feste Rahmenbedingungen für sie noch wichtiger. Orientieren Sie sich an einer 48-Stunden-Woche als absolutem Maximum. Oft ist es die Angst vor finanziellen Durststrecken, die den ungesunden Tatendrang befeuert. Hierbei hilft oft schon ein Finanz-Puffer gegen die Angst. Machen Sie sich überdies bewusst: Nur wer strategische Pausen einlegt, bleibt langfristig wettbewerbsfähig!
Workaholic als Chef: Was tun?
Wenn Ihr Chef ein Workaholic ist, haben Sie ebenfalls ein Problem. Tipps, wie Sie mit einem arbeitssüchtigen Chef umgehen:
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Lassen Sie sich nicht anstecken
Versuchen Sie nicht, dem Chef nachzueifern. Sie wollen ihn vielleicht beeindrucken und Ihre Karriere voranbringen, doch schaden Sie sich damit nur selbst. Auch steigern Sie so nur seine Erwartungen. Folge: Er wird immer mehr von Ihnen verlangen.
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Setzen Sie Prioritäten
Durch klare Prioritäten kümmern Sie sich um die wichtigsten Aufgaben. Bei einem Berg an Arbeit müssen Sie sich auf einzelne To-Dos konzentrieren.
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Suchen Sie das Gespräch
Manchmal braucht es offene Kommunikation. Vielleicht merkt der Chef in seinem Arbeitswahn gar nicht, wie viel Druck er verursacht. Kommunizieren Sie das und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
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Sagen Sie Nein
Sie müssen Grenzen setzen und klar Nein sagen. Will der Chef Ihnen weitere Aufgaben geben, müssen Sie deutlich machen, dass Sie das nicht schaffen. Das ist kein Versagen, sondern purer Selbstschutz.
Wahre Profis managen nicht nur ihre Aufgaben, sondern auch ihre Energie.
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