INSEL-Methode: Selbstanalyse für Bewerber

Ausbildung, Fähigkeiten und Erfahrung bilden das Gerüst für Bewerbungen, ohne sie fehlt die Grundlage und Personaler beschäftigen sich vermutlich erst gar nicht weiter mit den Unterlagen, wenn diese Hard Skills fehlen oder für die Stelle nicht ausreichend sind. Fachliche und berufstypische Qualifikationen reichen aber allein nicht aus, um sich im Bewerbungsprozess durchzusetzen. Personaler achten immer auch auf die Eigenschaften, die Persönlichkeit und soziale Kompetenzen. Dabei fallen in Stellenanzeigen und auch in Bewerbungen die immer gleichen, oft ausgelutschten und in vielen Fällen nichtssagenden Schlagworte. Teamfähig soll der Kandidat sein, darüberhinaus natürlich belastbar, um allen Anforderungen standhalten zu können und bitte auch noch flexibel genug. Mit der INSEL-Methode können Bewerber genauer und individueller werden und die persönlichen Eigenschaften gewinnbringend präsentieren…

INSEL-Methode: Selbstanalyse für Bewerber

INSEL-Methode: Wie Bewerber sich selbst analysieren können

Bei der INSEL-Methode handelt es sich um ein Modell, dass aus fünf Faktoren besteht und Bewerbern dabei helfen kann, sich selbst zu analysieren und das Wissen anschließend in die Bewerbungen einzubringen. Entwickelt wurde die INSEL-Methode vom Coach und Berater Markus Väth, die er auch in seinem Buch Cooldown. Die Zukunft der Arbeit und wie wir sie meistern beschreibt. Das Modell soll darauf eingehen, welche Fähigkeiten in Zukunft von Arbeitnehmer erwartet werden und hilft Bewerbern bei der Selbstanalyse.

Benannt ist die INSEL-Methode nach eben jenen fünf Faktoren, die Väth identifiziert hat: Information, Netzwerken, Selbstmanagement, Ethik und Leadership.

Worauf es bei den jeweiligen Aspekten der Selbstanalyse in der INSEL-Methode ankommt, beschreibt Väth selbst so:

  • Information

    Von jedem Bewerber wird heute erwartet, dass sein Informationsmanagement stimmt.

    Das bedeutet: Wichtiges von Unwichtigem trennen, eine persönliche Informationshygiene mit gelegentlicher „Müllabfuhr“ entwickeln und technologische Kompetenz mitbringen. Wenn Sie neu im Unternehmen sind und noch nicht wissen, was wichtig ist, sollte es Ihnen jemand sagen können. Wenn nicht, hat das Unternehmen generell ein Problem.

    Zweitens müssen Sie Ihren Informationsfluss technisch abbilden: archivieren, zwischenlagern, ordnen, weitersenden, löschen. Dazu sollten Sie das Werkzeug nutzen, das Ihnen am besten entspricht – egal ob alte Kladde oder neuestes Smartphone. Informationsmanagement darf und sollte Spaß machen.


  • Netzwerken

    Den Sanftmütigen gehört das Himmelreich – aber den Netzwerkern gehört die Karriere. Arbeitgeber erwarten Netzwerk-Fähigkeiten, die es dem Mitarbeiter in spe erlauben, mit unterschiedlichen Charakteren zusammenzuarbeiten.

    Darunter fällt auch die manchmal belächelte Fähigkeit zum Smalltalk. Denken Sie daran: Smalltalk hat die evolutionäre Funktion des Händeschüttelns. Gerade weil man nur über Wetter oder Fußball plaudert, hat man Gelegenheit, sich gegenseitig zu beschnuppern und die Beziehung zu testen. Außerdem gehört zum Netzwerken auch eine neue emotionale Professionalität.

    Das bedeutet: Nicht ausfällig werden und angemessen mit den Gefühlen anderer umgehen, denn der schwierige Kollege hat vielleicht genau den Baustein, den Sie für Ihre Arbeit brauchen.


  • Selbstmanagement

    Auch die Fähigkeit zum Selbstmanagement wird immer wichtiger und zwar aus zwei Gründen: Arbeit als solches muss immer mehr koordiniert und abgestimmt werden. Nach einer aktuellen Studie verlieren Arbeitnehmer bis zu zwei Arbeitstage pro Woche durch E-Mails und Meetings. Da muss man sorgfältig und effizient vorgehen, damit man kommunikativ nicht untergeht.

    Zweitens leben und arbeiten wir in hoch individualisierten Zeitblasen: Früher taten viele Menschen zu einem Zeitpunkt das Gleiche. In die Fabrik rein, Mittagessen, aus der Fabrik raus. Heute muss jeder Arbeitnehmer seinen Arbeitstag in Eigenverantwortung koordinieren. Das gelingt nur mit einem ausgefeilten Zeit- und Selbstmanagement.


  • Ethik

    Arbeitgeber fragen sich bei einem Bewerber immer: Passt der zu unserer Firma? Zu meinem Team? Was motiviert den Bewerber? Was sind seine Überzeugungen? Das weiß der künftige Chef oder der Personaler im Bewerbungsgespräch natürlich nicht. Das Problem: Der Bewerber weiß es oft auch nicht. Und was man nicht weiß, kann man nicht kommunizieren.

    Es bleiben also Fragezeichen im Kopf des Arbeitgebers – und das ist schlecht. Für einen Bewerber ist es daher wichtig, sich über die eigenen ethischen Vorstellungen und Motive klar zu werden und sie entsprechend zu vermitteln.


  • Leadership

    Leadership bedeutet nicht automatisch, andere zu führen. Leadership bedeutet in erster Linie, sich selbst zu führen. Das hat es mit dem Selbstmanagement gemein. Aber Leadership greift über darüber hinaus: Man sollte eine Haltung entwickeln, die sich am besten in den Sekundärtugenden Disziplin, Verantwortung und Gelassenheit ausdrückt.

    Disziplin, weil man ohne sie schlicht nichts erreicht. Verantwortung, weil auch der letzte Hilfsarbeiter dafür Verantwortung trägt, seinen Teil an der Arbeit vernünftig zu erledigen – und nicht nur die Führungskraft mit 50 Mitarbeitern. Und Gelassenheit, weil hundertprozentige Kontrolle eine Illusion ist. Geht etwas schief, sollte man gelassen darauf reagieren und nach vorne schauen können.

Die INSEL-Methode als Bewerber nutzen

An der INSEL können sich Bewerber orientieren und besser verstehen, welche Aspekte für Personaler von Interesse sind – abseits der fachlichen Qualifikationen, die ohnehin ein Muss sind, um überhaupt eine Chance auf den Job zu haben. Durch die Selbstanalyse können Sie herausfinden, ob Sie wichtige Stärken bereits mitbringen, wo noch Potenzial besteht und mit welchen Aspekten Sie bei der Jobsuche wirklich überzeugen und sich von anderen Kandidaten abheben können.

Die INSEL-Methode kann Ihnen dabei zu helfen, Argumente und Beispiele zu finden, die Ihre Aussagen in der Bewerbung verdeutlichen, glaubwürdiger machen und auf Personaler überzeugender wirken. Denken Sie daran: Nur wer sich selbst gut kennt, kann sich auch gut verkaufen. Wenn Sie nicht wissen, was Sie mitbringen, wird auch der Leser Ihrer Unterlagen es nicht verstehen.

Wie genau Sie die INSEL-Methode nutzen können und wie Sie die Umsetzung der fünf Themenbereiche in konkrete Handlungen aussehen kann, hat Markus Väth in den folgenden Tipps für Sie zusammengefasst:

  • Information

    Starten Sie mit einer persönlichen Bestandsaufnahme. Welcher Information setzen Sie sich aus, nicht nur beruflich: Mails, Telefonate, Fernsehen, Magazine, Meetings? Überlegen Sie, welche Informationen Ihnen Freude machen oder Ihre Produktivität steigern und welche nicht. Informationen, die Sie nicht brauchen und die Sie eher belasten, können Sie als Erstes streichen.

  • Netzwerk

    Beobachten Sie sich und Ihr Umfeld: Wo handle ich oder andere „emotional professionell“? Fällt es mir schwer, die eigene emotionale Grenzen zu ziehen? Was sind meine persönliche roten Knöpfe, auf die ich stark reagiere? So entwickeln Sie eine höhere Achtsamkeit und können Ihre Gefühle trennen von reinen Reaktionsgefühlen, die andere in Ihnen hervorrufen. Das Ergebnis ist eine verbesserte Selbststeuerung und weniger Streit.

  • Selbstmanagement

    Tragen Sie alles in Ihren Kalender ein. Nicht nur Meetings oder ähnliches, sondern auch Pausen, Produktivzeiten, Arzttermine, das romantische Abendessen mit dem Partner. Denn bei Terminen gilt: aus den Augen, aus dem Sinn. Wenn Sie möglichst viel eintragen, vergessen Sie weniger, planen Ihre Zeit realistischer, erleben weniger Stress und erhöhen auch im Unternehmen Ihre zeitliche Zuverlässigkeit.

  • Ethik

    Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie mit Ihrem Partner oder einem guten Freund in den Wald. Beantworten Sie mit Hilfe Ihres Sparringspartners folgende Fragen: Was sind die wirklich wichtigen Werte in meinem Leben? Welche davon sind so bedeutend, dass sie an den Kern meiner Identität rühren und die darum unverhandelbar sind, auch im Berufsleben? Auf welche könnte ich verzichten? Kann ich die Liste auf fünf Kernwerte eindampfen und diese beispielsweise bei einem Einstellungsgespräch vertreten?

  • Leadership

    Üben Sie Disziplin mit der „+1“ – Methode. Uns Menschen fällt es leichter, immer nur eine Sache zu verändern. Wenn diese sitzt, dann kommt die nächste dran. Deshalb scheitern viele Menschen an Veränderung: Sie nehmen sich zu viel auf einmal vor und unterschätzen die Energie, die Veränderung kostet. Deshalb: Identifizieren Sie eine Sache, die Sie verändern wollen und entwickeln Sie ein entsprechendes Ritual dafür. Das macht am Anfang keinen Spaß (auch wenn das manche Tschakka-Tschakka-Ratgeber anders darstellen). Die Befriedigung kommt mit der Selbstbestätigung, ein Ding tatsächlich durch zu ziehen und zu verändern – bis es zu einer neuen Gewohnheit geworden ist.

[Bildnachweis: AF studio by Shutterstock.com]

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19. Dezember 2013 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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