Mehr schaffen mit der 90-90-1-Regel
Hintergrund von Sharmas Regel ist, die ersten Stunden des Tages nicht mit unwichtigen Dingen zu verschwenden. Denn die Morgenstunden sind oft die produktivsten: Unser Körper ist maximal ausgeruht, das Gehirn von der Nacht perfekt aufgeräumt, es gibt noch keine ablenkenden Gedanken oder Emotionen – und häufig auch wenig Störquellen im Büro.
Statt diese wertvolle Zeit also mit belanglosen Dingen wie E-Mails checken, Facebook lesen oder To-Do-Liste erstellen (die sollte eher am Vorabend gemacht werden) zu verdaddeln, soll sie mit einem wesentlichen und zukunftsweisenden Projekt gefüllt werden. Das gebe dem Tag nicht nur von Beginn an die richtigen Prioritäten, sondern uns auch das gute Gefühl am Abend, wirklich Wichtiges geschafft zu haben.
90-90-1-Regel: Warum 90 Tage und 90 Minuten?
Natürlich gibt es keinen spezifischen wissenschaftlichen Hintergrund für die Zahl 90. Vermutlich hat Sie Robin Sharma gewählt, weil es eben besonders einprägsam ist. Allerdings lässt sich die Sinnhaftigkeit der Werte zumindest näherungsweise erklären:
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90 Tage
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. 95 Prozent unserer täglichen Entscheidungen erreichen unser Bewusstsein gar nicht, hat einmal der Harvard-Professor Gerald Zaltman festgestellt. Wir leiten sie praktisch um auf Autopilot. Um solche unbewussten Vorgänge und Verhaltensweisen zu ändern, braucht es im Schnitt 66 Tage. Das hat die Psychologin Phillippa Lally vom University College in London schon vor einigen Jahren festgestellt. Komplexe Gewohnheiten benötigen sogar das 1,5-fache mehr an Zeit, um in Form von Automatismen überzugehen. Sharmas 90-90-1-Regel geht darüber hinaus und versucht so, eine wirksame Morgenroutine zu etablieren.
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90 Minuten
Aus der Kognitionsforschung ist bekannt, dass wir Menschen uns kaum länger als 90 Minuten auf eine Sache voll konzentrieren und fokussieren können. Aus demselben Grund sind auch Vorlesungen an der Uni oder Doppelschulstunden nie länger als 90 Minuten. Danach benötigt unser Gehirn eine Pause und Ablenkung. Die 90-90-1-Regel schöpft diesen natürlichen Rahmen also voll aus.
Tipps für mehr Fokussierung
Letztlich formuliert die 90-90-1-Regel eine ganz alte Affirmation um: Aus Carpe diem (Nutze den Tag), macht sie: Nutze vor allem den Morgen! Damit Ihnen das gelingt, haben wir folgende Tipps für Sie:
1. Sorgen Sie für ausreichend Schlaf
Wie viele Topmanager spricht sich Sharma für sehr frühes Aufstehen aus. Wer aber nicht genügend Schlaf bekommt, hüpft kaum morgens um sechs aus dem Bett. Erwachsene benötigen durchschnittlich sieben Stunden Schlaf, um erholt am nächsten Morgen ihrer Arbeit nachgehen zu können. Wollen Sie die 90-90-1-Regel erfolgreich umsetzen, sollten Sie sich gute Schlafgewohnheiten zulegen und Schlafmangel oder Schlafstörungen angehen.
2. Halten Sie Ordnung
Suchen, Aufräumen und Organisieren: Studien zufolge verschwenden Arbeitnehmer durchschnittlich ein Drittel der Arbeitszeit mit unnötigen Tätigkeiten – wenn es Ordnung gäbe. Das Schreibtisch-Chaos lenkt vom eigentlichen Geschehen ab und frisst Zeit. Diese können Sie besser in Ihr Projekt stecken.
3. Legen Sie regelmäßige Pausen ein
Wer nicht ausreichend Pausen macht, erschwert die Konzentration. So können sich leichter unnötige Fehler einschleichen. Manche befürchten, die Pause würde sie wertvolle Zeit kosten. Sie wollen die Arbeit nur noch schnell hinter sich bringen. Aber Pausen sind wichtig für die Regeneration. In dieser Zeit tanken Sie neue Energie, Ihre Gedanken können sich sortieren und Sie bekommen den Kopf frei.
4. Ernähren Sie sich gesund
Eine ausgewogene Ernährung und wenig Alkohol bieten gute Voraussetzungen, fit in den Arbeitstag zu starten. Leichte Kost zum Frühstück und in der Mittagspause verhindert, dass Sie träge werden. Um Ihre Zellen auf Trab zu bringen, können Sie zwischendurch etwas Brainfood essen, so gelangen Sie leichter in den Deep-Work-Modus. Ebenfalls wichtig: Genügend Wasser zu trinken. Das beugt Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen vor.
5. Wenden Sie Entspannungstechniken an
Mithilfe von Techniken wie Yoga, Meditation, Achtsamkeit oder autogenes Training lenken Sie den Fokus gezielt in eine bestimmte Richtung – genau wie bei der 90-90-1-Regel, bei der Sie sich um ein Projekt kümmern. So blenden Sie Ablenkungen aus, reduzieren Stress und konzentrieren sich besser. Etablieren Sie solche Entspannungsübungen als regelmäßige Routine, dann entfalten sie ihre volle Wirkung.
6. Nutzen Sie Monotasking
Multitasking funktioniert nicht – erst recht nicht bei komplexen Aufgaben. Wer Monotasking – auch als Singletasking bekannt – anwendet, macht sich einen wesentlichen Bestandteil der 90-90-1-Regel zunutze: Sie fokussieren sich nur auf eine Sache. Das sollte die Zielrichtung auch für die restlichen Arbeitsstunden am Tag sein, nicht nur am Morgen. Deutlich produktiver wird es außerdem, wenn Sie sogenanntes Batching betreiben: Dazu legen Sie sich ähnliche Aufgaben hintereinander, statt einfach eine willkürliche Reihenfolge verschiedener Aufgaben abzuarbeiten.
7. Treiben Sie Sport
Sport hat zahlreiche Vorteile. Neben der Stärkung des Immunsystems (und anderen gesundheitsförderlichen Aspekten) bauen Sie so leichter Stress ab. Besonders morgens zwischen sechs und acht Uhr ist der Cortisolspiegel recht hoch. Um Ihr Projekt zu unterstützen, könnten Sie also nach dem Aufstehen zunächst eine Sporteinheit einlegen, um sich dann voll innerer Ruhe Ihrem Vorhaben zu widmen.
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