Du kannst andere nicht ändern

Du kannst andere nicht ändern. Diesen Satz sollten sich manche Menschen mantraartig selbst vorsagen, denn sie scheitern immer wieder exakt daran: Sie stoßen bei anderen Personen auf ein Hindernis und wollen das Problem damit lösen, dass sie andere ändern. Ein großer Irrweg, der leider auf Dauer nur zu noch größerem Frust führt, aber keineswegs die erhoffte Lösung näher bringt. Welche Möglichkeiten des Umgangs Sie haben…

Du kannst andere nicht ändern

Du kannst andere nicht ändern: Eine Erkenntnis

Zu der Feststellung, dass man andere Menschen nicht ändern kann, muss man erst einmal gelangen. Schon viele andere Menschen haben über sämtliche Kulturen und Zeiträume hinweg versucht, Einfluss auf andere Menschen zu nehmen. Meist erfolglos.

In der Volksweisheit Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr spiegelt sich dieses Phänomen in einer eher negativen Sicht. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, Menschen ihre grundsätzliche Lernfähigkeit abzusprechen. Aber bestimmte Macken und Eigenheiten sowie Überzeugungen festigen sich im Laufe eines Menschenlebens.

Üblicherweise wird dies am Übergang von der Kindheit und Jugend zum Erwachsenenalter festgemacht. Nach sozialwissenschaftlicher Betrachtung ist die Jugend längst nicht mit Erreichen des 18. Lebensjahres abgeschlossen. Das hängt damit zusammen, dass eben auch noch nach der Volljährigkeit Normen und Werte übernommen werden und sich festigen.

Ab etwa 30 Jahren nimmt diese geistige Flexibilität ab. Ein Grund dafür übrigens, dass die meisten Radikalisierungen in jüngeren Jahren stattfinden. Mittelalte und ältere Menschen wissen, wer sie sind und wofür sie stehen und ändern ihre Ansichten weniger leicht.

Man kann Menschen nicht ändern: Sprüche und Zitate

  • Du kannst die Menschen um dich herum nicht verändern, aber du kannst verändern welche Menschen um dich herum sind. Unbekannt
  • Auffällig, dass Menschen, die alles besser wissen, nie etwas besser machen. Unbekannt
  • Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich nicht bei der ersten Begegnung sondern bei der letzten. Unbekannt
  • Jeder denkt darüber nach, die Welt zu verändern, aber niemand denkt darüber nach, sich selbst zu verändern. Leo Tolstoi
  • Du kannst nicht ändern, wie andere Menschen dich behandeln, oder was sie über dich sagen. Alles was du verändern kannst, ist deine Reaktion darauf. Mahatma Gandhi
  • Ich bereue nicht meine Vergangenheit, sondern nur die Zeit die ich für falsche Menschen geopfert habe. Unbekannt

Überzeugungen wichtig für die eigene Identität

Werte, Normen und Überzeugungen formen unseren Charakter beziehungsweise machen uns aus. Sei es, dass jemand hohe Ideale verkörpert und anderen warmherzig und hilfsbereit begegnet. Oder andersherum, dass eine Person grundsätzlich nur das Schlechteste von anderen denkt und als wahrer Misanthrop durchs Leben geht.

Könnten Sie andere Menschen ohne Weiteres ändern, würden Sie Ihnen daher auch einen Teil ihrer Identität wegnehmen. Im Falle eines Misanthropen wäre das vermutlich kein großer Verlust, sofern er sich zum Besseren ändert. Aber angenommen, eine Person liebt es, sich flippig zu kleiden.

Sie ist immer sehr kreativ beim Entwerfen ihrer täglichen Outfits, experimentiert mit Farben, Materialien und Kombinationen. Auf ihrer Arbeitsstelle war das bisher kein Problem – nach einem Wechsel in der Chefetage soll diese Person sich plötzlich einem neuen Firmen-Dresscode unterwerfen, der für alle schwarze, graue oder dunkelblaue Kostüme beziehungsweise Anzüge vorsieht.

Es ist vorstellbar, dass besagte Person sich in ihren Gestaltungsmöglichkeiten und ihrer Ausdrucksfähigkeit stark eingeschränkt sieht.

Deshalb können Sie andere nicht ändern

Andere Menschen ändern zu wollen ist fast unmöglich, aus mehreren Gründen:

  • Akzeptanz

    Wie ausgeführt, trägt jeder Mensch bestimmte Überzeugungen in sich, die er oder sie für richtig und gut erachtet. In dem Moment, wo eine andere Person diesen Menschen ändern will, signalisiert sie: Du bist nicht in Ordnung, so wie du bist. Es ist ein echter Frontalangriff und eine starke Kränkung. Im Einzelfall ist es völlig unerheblich, ob es dabei um Äußerlichkeiten (zu dick/zu dünn/zu hässlich) oder den Charakter (zu dumm/schwerfällig/unlustig) geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Ihnen und Ihrem Anliegen dann wohlgesinnt ist, ist relativ gering.

  • Hochmut

    Es kann bei der anderen Person gleichzeitig so ankommen, als glaubten Sie das Maß aller Dinge zu sein, wenn Sie andere ändern wollen. Und dass so eine Sichtweise als recht vermessen wahrgenommen wird, ist naheliegend. Den einzigen Personen, denen noch am ehesten zugestanden wird, anderen was zu sagen, sind die eigenen Eltern, Geschwister, Partner und eventuell enge Freunde. Ausnahme: Geht es um erforderliche Veränderungen im Arbeitsbereich. Hier ist der Chef qua Direktionsrecht dazu befugt, Ihnen etwas zu sagen und Anpassungen zu erwarten – ob Sie das toll finden oder nicht.

  • Schwierigkeit

    Finden Sie sich in einer ähnlichen Position wieder, beispielsweise als Teamleiter oder Trainer im Tischtennisverein, steht es Ihnen natürlich zu, von anderen Veränderungen zu erwarten. Sobald wir allerdings in den charakterlichen Bereich zurückkehren, wird es schwierig. Sie können nicht kontrollieren, wie andere Menschen denken, fühlen, handeln. Selbst wenn es selbstschädigende Verhaltensweisen wie beispielsweise eine Alkoholsucht sind. Deutlich leichter wird es, wenn Sie sich stattdessen auf Ihre Person konzentrieren – Sie können sich verändern.

Umfeld verändern durch eigene Veränderung

Vielleicht sind Sie beim letzten Satz unwillkürlich zusammengezuckt – ICH mich verändern? Aber ich bin doch in Ordnung?! Das ist zumindest der typische Impuls bei vielen Menschen, wenn sie erstmals mit diesem Gedanken konfrontiert werden.

Der Gedanke beziehungsweise die Befürchtung dahinter ist oft die Angst vor Identitätsverlust. Anpassung bis zur absoluten Konformität, völlig unterschiedslos und damit nicht mehr individuell, sondern austauschbar.

Hier liegt ein klassisches Missverständnis vor. Wenn es darum geht, sich selbst zu ändern, geht es nicht darum, sich an die Eigenschaften derjenigen Menschen anzupassen, die Sie kritisieren oder sogar nicht mögen. Vielmehr geht es darum, stärker an den eigenen Verhaltensweisen zu arbeiten.

Persönlichkeitsmerkmale lassen sich schlecht ändern. Aber Gewohnheiten und Verhaltensweisen lassen sich beeinflussen. Wenn Sie diese hervorholen, können Sie andere Leute auf sich aufmerksam machen. Das sind vorzugsweise Personen, mit denen Sie zurechtkommen. Sie fangen an, sich mit neuen Menschen zu umgeben.

Beispielsweise können Sie sich ärgern, dass Ihre Freunde mit der Zeit so lethargisch geworden sind und wenig unternehmen. Sie können Vorwürfe formulieren und hoffen, dass jemand Sie endlich auffordert, mit ihm oder ihr ins Kino zu gehen. Oder Sie sparen sich die Energie nach zig erfolglosen Versuchen und werden Ihrerseits aktiv. Melden sich für einen Sprachkurs an, lernen neue Leute kennen, unternehmen mit denen etwas.

Fehler machen gehört dazu

Damit Menschen sich entwickeln können, muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Fehler zu machen. Fehler machen ist das Learning by doing des Lebens. Sie können einer Person zehnmal sagen, was für sie besser wäre. Dennoch gibt es unzählige Bereiche, in denen jemand seine eigenen Erfahrungen machen muss.

Alles andere ist Hören-Sagen und damit nicht nachvollziehbar. Es kann gut sein, dass die Person, die Sie ändern wollen, die Gefahr unterschätzt. Aber die eigene Erfahrung kann bei dieser Person zweierlei bewirken:

  • Sie erkennt, dass Sie recht hatten (zumindest, wenn sie die Größe besitzt, das anzuerkennen) und kann nun besser einschätzen, warum eine Sache schlecht für sie ist.
  • Sie schätzt aufgrund ihrer Erfahrung die Sache anders ein und sieht keine Notwendigkeit etwas zu ändern.

Beispiel anhand einer Prüfungssituation

Eine überdurchschnittlich begabte Person hat sich die ganze Schulzeit bis zum Abitur hindurchgemogelt. Dank ihrer schnellen Auffassungsgabe hat es immer gereicht, einen Tag vor der Klausur kurz in die Unterlagen zu schauen und am nächsten Tag noch eine einigermaßen passable Klausur zu schreiben.

Im Studium klappt das anfangs ähnlich, aber die Noten werden mit steigender Semesterzahl schlechter, die Prüfungsvorbereitung bleibt gleich lausig. Ein Kommilitone beobachtet das Verhalten und warnt. Das Problem: Solange der mäßig Lernende keine Konsequenzen spürt, wird er wenig Anreiz haben, etwas an seinem Verhalten zu ändern, die Warnungen des Freundes werden verpuffen.

Erst, wenn eine wichtige Klausur vergeigt wird, eine Prüfung nicht wiederholt werden kann und somit das Ende des Studiums bedeutet oder aber die Examensnote so schlecht ist, dass ein dringend benötigter Numerus Clausus nicht erreicht werden kann, ist ein Reflexionsprozess wahrscheinlich.

Und das führt gleichzeitig zum wichtigsten Ergebnis beim Fehler machen:

Es muss beim Betroffenen selbst ein Leidensdruck oder zumindest ein starkes Bedürfnis entstehen, etwas zu ändern.

Solange das nicht gegeben ist, wird sich nichts ändern, zumindest nicht dauerhaft. Jede Veränderung, die eine Person ausschließlich einer anderen zuliebe unternimmt, bleibt halbherzig und ist kaum langfristig.

[Bildnachweis: hvostik by Shutterstock.com]
15. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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