Selbstbeurteilung schreiben: Formulierungen und Tipps

Zum Jahresende hin oder vor einem umfangreichen Mitarbeitergespräch bitten Chefs gerne mal darum, eine Selbstbeurteilung zu schreiben. Ein gefährlicher Spagat: Einerseits sollen Fach- und Führungskräfte darin ihre Leistungen objektiv-analytisch präsentieren, andererseits allzu viel Eigenlob vermeiden. Die Formulierung einer überzeugenden Selbstbeurteilung ist eine Gratwanderung zwischen Substanz und Selbstmarketing. Mit den richtigen Formulierungen und den folgenden Tipps lässt sich die Selbstbeurteilung einfach verfassen und bietet so auch noch enorme Chancen…

Selbstbeurteilung schreiben: Formulierungen und Tipps

Selbstbeurteilung: Vorbereitung und Grundlage des Mitarbeitergesprächs

So manchen Arbeitnehmer trifft die Aufforderung des Chefs, eine Selbstbeurteilung zu verfassen, unerwartet. Was auf den ersten Blick nach dem Delegieren lästiger Arbeit und Verantwortung aussieht, ist tatsächlich ein sinnvoller Management-Schritt: Die meisten Führungskräfte sind für mehrere Mitarbeiter verantwortlich und können schlicht nicht alle Entwicklungen und Leistungen im Auge behalten.

Eine vom Mitarbeiter verfasste Selbstbeurteilung dient ihnen daher als Grundlage für das Mitarbeitergespräch und zugleich als Ansatzpunkt für seine Analyse und Beurteilung.

Für Arbeitnehmer stellt die Selbstbeurteilung daher eine enorme Chance dar. Zum Beispiel, um…

  • die eigene Leistung im richtigen Licht darzustellen.
  • Stärken und Kompetenzen zu präsentieren.
  • Verbesserungsoptionen zu benennen.
  • Bedarf für Weiterbildung zu begründen.
  • Entwicklungschancen und Perspektiven vorzuschlagen.

Keine Frage, all diese Optionen brauchen beim Formulieren etwas Fingerspitzengefühl. Und sie wirken auch nur dann, wenn der Vorgesetzte die Selbstbeurteilung aktiv einfordert und deren Inhalt offen gegenübersteht.

Umgekehrt: Wer in ein solches Feedbackgespräch geht und unaufgefordert seine Selbstbeurteilung auf den Tisch legt U(Motto: „Ich hab da mal was vorbereitet…“), könnte die Atmosphäre kippen lassen. Schließlich ist die Leistungsbeurteilung zunächst die Ägide des Chefs.

In diesen Hoheitsbereich eindringen, sollten Sie nur aufgefordert. Eine Selbstbeurteilung schreiben und mitbringen, sollten Sie also nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Erfolgt im Vorfeld keine Aufforderung zur Selbstbeurteilung, können Sie allenfalls – diplomatisch – anfragen, ob eine solche gewünscht wird. Vielleicht kennt Ihr Chefs das ja auch noch nicht.

Entscheidend sind dann Tonfall und Formulierung und natürlich gute Argumente: Machen Sie deutlich, dass…

  • die Selbstbeurteilung nur eine Ergänzung darstellt und die abschließende Beurteilung natürlich bei Ihrem Vorgesetzten liegt.
  • Sie damit eine Arbeitserleichterung liefern wollen.
  • der Vorschlag einer Selbstbeurteilung keinen Zweifel an den Fähigkeiten Ihres Chefs darstellt.

Tipps für das Mitarbeitergespräch

Tipps für das MitarbeitergesprächMitarbeitergespräche gehören für viele Arbeitnehmer in die Kategorie der notwendigen Übel. Die folgenden, vertiefenden Artikel können dabei helfen, das Gespräch optimal vorzubereiten und zu nutzen:

Bonus-Video: Feedback braucht Regeln!

Selbstbeurteilung schreiben: Strategie und Aufbau

Der wichtigste Grundsatz beim Schreiben der Selbstbeurteilung lautet:

Konzentrieren Sie sich auf konkrete Projekte und objektive Beispiele und vermeiden Sie allgemeine Aussagen.

Widerstehen Sie der Versuchung, eine Gesamtleistung zu beurteilen. Die kann niemand nachvollziehen, wenn Beispiele und konkrete Projekte fehlen.

Darüber hinaus wirkt es überzeugender, wenn Sie das Fazit Ihrem Leser überlassen. Kommt der selber (aufgrund der aufgelisteten Fakten) zu dem Schluss, dass Sie exzellente Leistungen bringen, war es seine Idee – und der glaubt der Chef mehr als Ihrer subjektiven Bilanz.

Versuchen Sie in der Selbstbeurteilung…

  • die wichtigsten Leistungen und Erfolge aufzulisten.
  • diese durch konkrete Beispiele zu belegen.
  • die Erfolge durch messbare Zahlen zu unterfüttern (Kosteneinsparungen, Umsatzsteigerungen, …).
  • Floskeln und Formulierungen wie „Ich bin teamfähig“ zu vermeiden. Ohne Beleg ist das keine Beurteilung, sondern eine Behauptung.
  • durchweg ehrlich zu bleiben. Analysieren Sie aufrichtig, was gelungen ist und was nicht.
  • Lernbereitschaft zu signalisieren. Insbesondere an den Stelle, wo es hätte besser laufen können.
  • Verantwortung zu übernehmen. Schuldzuweisungen, zum Beispiel auf Kollegen oder Umstände sind tabu. Es war Ihre Aufgabe, also auch Ihre Verantwortung.

Der letzte Punkt kann gar nicht stark genug betont werden: Verzichten Sie darauf, andere für Defizite oder Mängel verantwortlich zu machen. Das flüchten in die Opferrolle macht Sie klein und wirft ein schlechtes Licht auf einen selbst.

Als Hilfestellung zur Beurteilung können Sie auch sogenannte Selbsteinschätzungsfragen für die wichtigsten Bereiche nutzen:

    Funktionale Kompetenz

  • Welche Projekte habe ich unterstützt/geleitet?
  • Welche Probleme habe ich gelöst?
  • Welche Ziele habe ich erreicht?
  • Konnte ich mich gegenüber dem Vorjahr steigern?
  • Wie konnte ich damit quantitativ zur Wertschöpfung beitragen?

  • Soziale Kompetenz

  • Wie trage ich zum positiven Arbeitsklima bei?
  • Kommuniziere ich klar und konstruktiv?
  • Welche Konflikte konnte ich lösen (wie)?
  • Wie kooperiere ich mit anderen?
  • Wie engagiere ich mich?

  • Entwicklungskompetenz

  • Welche Stärken sollte ich weiterentwickeln?
  • Was habe ich aus Fehlern gelernt?
  • Woran muss ich noch arbeiten?
  • Welchen Teil kann ich selber zu meiner Entwicklung beitragen?
  • Was würde mir helfen, meine Leistungen weiter zu verbessern?


Neben den positiven Beispielen, Erfolgen und neuen Kompetenzen und Stärken, sollten auch die Schwächen Teil der Selbstbeurteilung sein. Wer diese aktiv und als Verbesserungspotenziale anspricht, sammelt Pluspunkte und erhöht zugleich die Glaubwürdigkeit seiner Selbstbeurteilung.

Im Anschluss dürfen Sie zudem und in moderater Form passende Unterstützung oder Fortbildungen einfordern. Das ist nicht nur legitim, sondern beweist auch Entwicklungswille und Wachstumspotenziale.

Selbstbeurteilung: Formulierung und Tipps

Bei der konkreten Formulierung der Selbstbeurteilung sollte der Grundton stets positiv und bestimmt sein. Vermeiden sollten Sie dagegen den Konjunktiv. Also zum Beispiel Formulierungen, wie…

  • könnte ich mir eventuell vorstellen…
  • wäre möglicherweise eine Option…

Der Konjunktiv schwächt die Aussage und Beurteilung und macht sie zu einer vagen Vermutung. Warum die Einschränkung? Die Selbstbeurteilung beruht schließlich auf nachvollziehbaren Fakten. Stehen Sie dazu!

Eine insgesamt positive Wirkung und Botschaft vermitteln Sie stattdessen durch den Einsatz aktiver Ich-Aussagen.

Manche Mitarbeiter verstecken sich in der Selbstbeurteilung hinter Phrasen, wie…

  • man sollte…
  • könnte man…

Nur: Wer ist dieser „man“?

Viel überzeugter und auch überzeugender wirken Aussagen, wie:

In den drei Monaten des Projektes XY konnte ich durch ________________ Kosten in Höhe von _____ Prozent einsparen und zugleich ________________ verbessern. Überdies ist es uns im Team gelungen…

Zugegeben, die Kunst besteht darin, einen selbstbewussten und aktiven, jedoch nicht arroganten oder gar überheblichen Ton zu treffen. Im Zweifel sollten Sie die Selbstbeurteilung von ein, zwei Freunden vorab gegenlesen lassen. Diese sollten Ihnen ehrlich sagen, wie die Beurteilung auf sie wirkt. Nutzen Sie das Feedback dazu, kritische Punkte zu identifizieren und ungünstige Formulierungen umzugestalten.

In der Regel werden Sie die Selbstbeurteilung einige Tage vor dem eigentlichen Mitarbeitergespräch beim Chef einreichen müssen, damit der sich entsprechend vorbereiten kann.

Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass die Einschätzung Ihres Vorgesetzten in einigen Punkten von Ihrer Selbstbeurteilung abweicht. Das ist völlig normal. Die Differenzen dienen im Mitarbeitergespräch als Diskussionsgrundlage. Insgesamt aber können Sie so dessen Ergebnis maßgeblich beeinflussen – mit einer perfekten Selbstbeurteilung sogar zu Ihren Gunsten.

Der Begründungs-Effekt

Der Begründungs-EffektDen sogenannten Begründungs-Effekt haben die beiden Psychologen Ellen Langer und Robert Cialdini entdeckt. Offenbar reagieren Menschen enorm auf Begründungen, beziehungsweise auf das Wort „weil“. Selbst wenn eine Begründung fadenscheinig ist, machen die Leute, was von ihnen zuvor verlangt wurde.

Für Ihre Selbstbeurteilung können Sie diesen Effekt – dosiert – einsetzen. Streben Sie beispielsweise eine bestimmte Fortbildung an, könnten Sie diese durch den Begründungs-Effekt beziehungsweise ein „weil“ verstärken und ihre Notwendigkeit unterstreichen. Zum Beispiel so:

„Eine Fortbildung im Bereich _______________ schafft für unser Unternehmen deutlichen Mehrwert, weil…“

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[Bildnachweis: Elnur by Shutterstock.com]
14. Juli 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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