alphaspirit/shutterstock.com“Will ich das wirklich bis zur Rente tun? Sah mein Plan nicht mal ganz anders aus? Gibt es denn keine Alternative für mich?” Solche und ähnliche Fragen stellen sich die meisten Arbeitnehmer früher oder später. Laut einer Umfrage des Jobportals Monster sagen 92 Prozent der Deutschen, dass sie nicht ihrem Traumberuf nachgehen. Fehlende Perspektive, enge Grenzen, anstrengende Chefs, langweilige Aufgaben, wachsende Frustration – die Liste der möglichen Probleme und nervenden Kleinigkeiten am Arbeitsplatz ist lang. Summieren sich diese im Lauf der Zeit, entsteht bei vielen der Wunsch nach einem beruflichen Neustart. Sie spüren dann, dass sie am einem Wendepunkt angekommen sind, an dem sie mit ihrem alten Job nicht zufrieden sind, aber eben auch nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Was jetzt? Aus ihrer Unzufriedenheit heraus beginnen viele einfach eine Weiterbildung oder ein Studium. Doch Weiterbildungen, Seminare oder ein Studium sind nur der letzte Schritt der beruflichen Umorientierung. Zuerst geht es darum herauszufinden, was Sie wollen. Tipps für den Neustart, Branchenwechsel oder Quereinstieg…

Quereinstieg: Ist Ihre Motivation nachhaltig?

Etwas völlig anderes zu machen, die Branche zu wechseln, ist heute keine Seltenheit mehr. Jobwechsel gehören heute längst zu jeder Erwerbsbiografie und fast jeder Arbeitnehmer wechselt den Arbeitgeber mehrfach im Verlauf seiner Karriere. Da verwundert es nicht, dass auch die Zahl der Branchenwechsler und Quereinsteiger in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Und warum auch nicht? Durch vielfältige Aufgaben und Anforderungen müssen Arbeitnehmer heute auch Kompetenzen und Kenntnisse entwickeln, die oft über ihren ursprünglich erlernten Beruf hinaus gehen. Trotzdem sollte Ihnen als Quereinsteiger bewusst sein, dass Sie sich behaupten und präsentieren müssen.

Unzufriedenheit allein reicht hierfür bei weitem nicht aus. Wenn Sie den Quereinstieg primär aus Frustration oder aufgrund eines aktuellen Negativ-Erlebnisses ins Auge fassen, sollten Sie den Gedanken sofort wieder verwerfen. Frust, Wut und andere negative Emotionen können zwar als Antrieb und Impulse für eine Veränderung dienen, eignen sich jedoch nicht als nachhaltige Motivation.

Diese sollte sich vielmehr aus positiven Emotionen und klaren Zielen speisen. Die wichtigste aller Fragen lautet daher: Kennen Sie Ihre Gründe für den beruflichen Neustart? Und daran anschließend: Können Sie diese anderen überzeugend erklären? Hier geht es nicht darum, sich zu rechtfertigen, sondern sich die eigene Motivation bewusst zu machen.

In 5 Schritten zum beruflichen Neustart

alphaspirit/shutterstock.comSie sind ganz aktuell unzufrieden und spüren genau, dass Ihnen im aktuellen Job etwas fehlt? Sehr gut, dann nehmen Sie diese Unzufriedenheit zum Anlass, sich umfassend und nüchtern mit Ihrer Situation zu befassen und herauszufinden, was genau Ihnen fehlt. Im folgenden skizzieren wir fünf bewährte Schritte, mit denen Ihnen Analyse und beruflicher Neustart gelingen können.

  1. Lösen Sie sich von Ihren aktuellen Erwartungen und Annahmen. Beginnen Sie bei null. Das ist zwar unbequem, doch nur wenn Sie die Analyse wirklich offen und vorbehaltlos angehen, können Sie den für Sie passenden Weg finden. Wollen Sie Ihre berufliche Neuorientierung ernsthaft und nachhaltig angehen, müssen Sie sich dafür auch mit Ihren persönlichen Wünschen, Ihre Plänen und Leidenschaften – aber eben auch Ihren Ängsten, Zweifeln und Befürchtungen – befassen. Und das gilt nicht nur für den beruflichen, sondern auch für den privaten und persönlichen Bereich. Nehmen Sie sich Zeit für eine ehrliche und umfassende Bestandsaufnahme, gehen Sie Ihre innere Inventur konsequent und brutal ehrlich an und Sie werden herausfinden, was Ihnen gerade fehlt. In der Regel brauchen Sie dazu Reflexion von Dritten – Freunden oder Coach – um sich über einige Themen und fehlende Puzzleteile klar zu werden.
  2. Stellen Sie sich selbst die richtigen Fragen. Haben Sie passende Reflexionspartner gefunden und sich innerlich so gut als möglich von Erwartungen gelöst, beginnt die eigentliche Analyse. Im Folgenden finden Sie Fragen, die Ihnen als Inspiration dienen sollen. Tun Sie diese bitte nicht nach einer ersten oberflächlichen Betrachtung als zu einfach ab. Lassen Sie sich wirklich auf die Fragen ein und stellen Sie sich allen damit verbundenen Konsequenzen. Das tut sicherlich mehr als einmal weh, ist jedoch eine absolut notwendige Voraussetzung für echte Veränderung.


    [ ] Wann waren Sie das letzte Mal wirklich mit Ihrer Situation zufrieden?
    [ ] Seit wann sind Sie bereits unzufrieden?
    [ ] Was hat sich seit dem in Ihrem Leben geändert?
    [ ] Welche Aspekte Ihres Jobs machen Ihnen noch Spaß?
    [ ] Welche Aspekte sind nur noch Belastung und Stress?
    [ ] Wie sieht Ihr Privatleben aktuell aus?
    [ ] Wie beeinflusst Ihr Job Ihr Privatleben und umgekehrt?
    [ ] Welche unerfüllten Wünsche und Träume tragen Sie mit sich herum?
    [ ] Welche Aufgaben reizen Sie noch?
    [ ] Welche Themen und Leidenschaften können Sie wirklich begeistern?

  3. Prüfen Sie, ob Sie Ihr Arbeitsgebiet wechseln wollen. Stellen Sie sich nun der Frage, ob Ihr aktueller Job wirklich so schlecht ist und ob Sie Arbeitgeber und Aufgabengebiet ganz grundlegend wechseln wollen. Warum der ganze Aufwand und die teilweise schmerzhaften Fragen, wenn Sie schlussendlich vielleicht doch im Unternehmen bleiben? Deswegen sollten Sie sich auch über Entwicklungsmöglichkeiten in Ihrem aktuellen Unternehmen Gedanken machen. Allerdings vor dem Hintergrund, der Wünsche und Motive, die sich vorher herauskristallisiert haben.
  4. Suchen Sie nach Alternativen. Stellt sich bei Ihrer Suche heraus, dass Ihre Zukunft nicht bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber und nicht in Ihrem angestammten Job liegt, beginnt die Suche nach passenden Alternativen. Hier gilt: Ziehen Sie zunächst jede denkbare Möglichkeit in Betracht und schließen Sie keine Option aus, weil diese scheinbar unrealistisch ist. Sie kennen sicherlich die Redewendung “Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Ausreden.” Für den beruflichen Neustart gilt dieses Motto ganz besonders. Im besten Fall stoßen Sie bei der Sammlung verschiedener Optionen auf eine, die sich intuitiv richtig anfühlt und die Sie mit Begeisterung und Leidenschaft erfüllt.
  5. Beschäftigen Sie sich mit der Umsetzung Ihres neuen Berufswunschs. Im letzten Schritt geht es darum, den gefundenen Weg realistisch und ganz konkret anzugehen. Machen Sie sich dabei bitte klar, dass der Weg zu Ihrem Wunschjob und zur Neuorientierung in den meisten Fällen nicht gerade verlaufen wird. Niemand hat behauptet, dass die Neuorientierung einfach oder gar unkompliziert werden wird. Doch wenn Ihre Erwartungen und Ziele halbwegs realistisch sind, können Sie diese auch mit den richtigen Schritten und ausreichend viel Geduld erreichen. Realistisch bedeutet hier nicht, dass andere Ihnen zustimmen und Ihre Pläne gutheißen. Sie werden vermutlich die Erfahrung machen, das grundlegende Veränderungen in Ihrem Umfeld auf Widerstand treffen. Ignorieren Sie solche Menschen und Aussagen so gut es geht – auch wenn es manchmal weh tut und schwer fällt. Schlussendlich werden Sie den Weg gehen müssen.

Glaubenssätze für berufliche Veränderung

Sprache prägt Wahrnehmung und das gilt auch für die Sprache, die Sie gedanklich und beim Umgang mit sich selbst verwenden. Die folgenden Sätze wirken sich positiv auf Ihre Einstellung aus und ermutigen Sie auf Ihrem Weg.

  • Ich gestalte meine berufliche Zukunft selbst und nutze meine Chancen.
  • Wenn ich meinen Werten folge, werde ich den passenden Job finden.
  • Weiter- und Fortbildungen sind Teil meines persönlichen Wachstums.
  • Jeder Schritt bringt mich meinem Ziel näher und ich werde es erreichen.
  • Wenn ich alles für mein Ziel gebe, werden mich die richtigen Menschen unterstützen.

So ermitteln Sie Ihre Chancen als Quereinsteiger

rangizzz/shutterstock.comIm Zuge einer beruflichen Neuorientierung fragen sich viele Arbeitnehmer: Habe ich überhaupt Chancen? Sollte ich den Schritt wagen? Um die Chancen in einer neuen Branche sinnvoll und realistisch einschätzen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die beiden wichtigsten: Sie sind sich über Ihre Motivation im Klaren – sprich Sie haben diese bereits eingehend analysiert – und verfügen bereits über Erfahrung im angestrebten Fachbereich. Letztere müssen Sie natürlich nicht im beruflichen Kontext gesammelt haben. Doch es ist völlig illusorisch, ohne jegliche Vorkenntnisse in eine andere Branche einsteigen zu wollen. Damit werden Sie wenig erfolgreich sein.

Welche Anknüpfungspunkte gibt es?

Gut, Sie verfügen also über Erfahrung aus Hobby, Ehrenamt oder Nebenberuf und wollen sich als Quereinsteiger versuchen. Ihr Ausgangspunkt ist dann Ihre bereits vorhandene Erfahrung. Diese dient Ihnen als Orientierung bei Ihrer Recherche, die unter einer konkreten Fragestellung steht: Welche Anknüpfungspunkte gibt es in der neuen Branche?

Wichtig ist, dass Sie an diese Recherche und Suche völlig offen herangehen. Oft haben potentielle Quereinsteiger bereits einen bestimmten Job oder eine klare Vorstellung von ihrer künftigen Tätigkeit vor Augen. Das ist zwar nicht unwichtig, doch erstens ist diese Vorstellung oft nicht allzu realistisch und zweitens schränken Sie Ihren Blick durch ein solches Bild unnötig ein.

Auch wenn Sie sich noch so sehr bemühen: Mit einem konkreten Bild vor Augen sind Sie nicht mehr offen für alle Optionen und Alternativen. Es besteht also das Risiko, dass Sie wichtige Chancen, Einstiegs- und Anknüpfungspunkte übersehen. Machen Sie sich daher im Vorfeld Ihrer Recherche von konkreten Vorstellungen frei.

Stellenanzeigen in den Blick nehmen und Kontakte nutzen

Sobald Sie Anknüpfungspunkte und Chancen identifiziert haben, nehmen Sie die aktuellen Stellenausschreibungen der Unternehmen Ihrer Zielbranche unter die Lupe. Finden Sie zahlreiche Übereinstimmungen und Gemeinsamkeiten, haben Sie damit bereits einen ersten Hinweis, dass es um Ihre Chancen gut bestellt ist.

Ihre eigene – im Blick auf die neue Branche laienhafte – Einschätzung reicht jedoch nicht aus. Aktivieren Sie daher Ihr Netzwerk und nehmen Sie Kontakt zu Ihren Gesprächspartnern, Bekannten und Freunden in der Zielbranche auf. Mit Freunden können Sie vermutlich offen über Ihre Pläne, Vorstellungen und Einschätzungen sprechen.

Bei anderen Kontaktpartnern sollten Sie sich dagegen behutsam nach dem aktuellen Zustand der Branche, den Kriterien für erfolgreiche Bewerbungen und den zurzeit gefragten Qualifikationen und Kompetenzen erkundigen. Lassen Sie in die Gespräche ruhig Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen über die Branche und deren Anforderung einfließen. An den – hoffentlich ehrlichen – Reaktionen sehen Sie dann, wie gut es um Ihre Kenntnisse bestellt ist.

Bewerbungstipps für Quereinsteiger: Setzen Sie auf Stärken und Erfahrung

 rangizzz/shutterstock.comBei den konkreten Bewerbungen sollten Sie dann all die aus Gesprächen und Recherche gewonnen Informationen und Erkenntnisse einfließen lassen. Wichtig ist auch, dass Sie Ihre bisherige Berufserfahrung – die für die neue Branche weitgehend fachfremd sein dürfte – als Stärke nutzen. Eine Frage schwingt unausgesprochen mit: Welche Vorteile bieten Sie dem Unternehmen im Vergleich zu einem Arbeitnehmer, der aus der Branche stammt?

Wichtig: Die gerade genannte Frage sollte von Ihnen subtil beantwortet werden. Direkte Vergleiche mit anderen Arbeitnehmern verbieten sich daher von selbst und würden Sie höchstens unsicher wirken lassen. Ihr Fokus sollte darauf liegen, Ihre bisherige Berufserfahrung mit Ihren für die neue Branche relevanten Kompetenzen zu kombinieren und deutlich zu machen, wie diese Kombination für die konkret ausgeschriebene Stelle genutzt werden kann.

Um das überzeugend tun zu können, sollten Sie vor allem deutlich machen, welche praktischen Erfahrungen Sie bereits mit Aufgaben der neuen Branche gesammelt haben. Diese können zwar aus Projekten in Ihrem bisherigen Job stammen, müssen das jedoch nicht tun.

Sie sollten sich – gerade weil Sie aus einer anderen Branche kommen – selbstbewusst präsentieren, Ihre Stärken und Erfahrungen und zu Ihren fachlichen Fähigkeiten stehen. Kombinieren Sie diese selbstbewusste Haltung dann mit Lernbereitschaft und machen Sie deutlich, dass Sie schnell lernen können und wollen, steigen Ihre Chancen auf einen Job.

Wie so ein Lebenslauf eines Quereinsteigers aussieht, zeigt unser Musterlebenslauf. Diesen können Sie auch als PDF herunterladen.

Quereinsteiger-Lebenslauf

Extratipp:

Dehnen Sie Ihr Netzwerk auf Ihre Zielbranche aus. Die Bedeutung eines gut ausgebauten Netzwerks für Ihre Jobsuche ist Ihnen vermutlich bewusst. Doch bei einem beruflichen Neustart und dem häufig damit verbundenen Branchenwechsel spielen Ihre Kontakte eine noch deutlich größere Rolle. Denn in der Regel erstreckt sich Ihr Netzwerk primär auf Ihre Stammbranche und weist vermutlich nur wenig Berührungspunkte zur neuen Zielbranche auf – und ist für Sie daher nur eingeschränkt nutzbar. Deswegen ist es wichtig, dass Sie Ihr Netzwerk auf die neue Branche ausdehnen und dort sichtbar werden.

Wodurch Sie auf sich aufmerksam machen können:

  • Den Besuch von Fachmessen
  • Engagement in Fachforen und LinkedIn- oder Xing-Gruppen
  • Den Besuch von Kongressen und Vorträgen
  • Ein eigenes Blog
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