Egomarketing: Mit Wünschen zum Erfolg

Egomarketing klingt nach Angeberei? Ist es aber ganz und gar nicht. Vielmehr ist es Ihre Chance, sich für Ihren Wunscharbeitgeber attraktiv zu machen. Dazu müssen Sie jedoch immer im Hinterkopf behalten, was die Wünsche Ihres zukünftigen Arbeitgebers sein könnten. Egal ob Sie sich als Mitarbeiter um eine neue Anstellung oder als Selbstständiger um neue Aufträge bewerben: der potenzielle Arbeit- oder Auftraggeber ist Ihr Kunde, dem Sie Ihre Arbeitskraft und Ihre Leistung verkaufen möchten. Wenn Sie nun nicht nur den Bedarf Ihres Kunden ermitteln, sondern ihn zusätzlich auf der Ebene seiner Wünsche ansprechen, wenn Sie ihm aufgrund Ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten die Erfüllung seiner Wünsche zusagen, dann ist das Ihr bestes Verkaufsargument. Vorausgesetzt natürlich, Sie können auch liefern können, was Sie versprechen…

Egomarketing: Mit Wünschen zum Erfolg

Wie funktioniert Selbstvermarktung?

Der Wunsch ist nicht nur der Vater des Gedankens, er ist auch der Vater der Kaufentscheidung. Der Verkaufstrainer Zig Ziglar bringt dafür in seinem Buch über Verkaufsgeheimnisse das Beispiel des Mannes, der darüber nachdenkt, ein hochpreisiges Grundstück an einem See zu erwerben. Da gibt es zum einen das Stück Land als Gegenwert für den Preis. Aber reicht das aus, um den Interessenten zur Unterschrift unter den Kaufvertrag zu bewegen? Nein, sagt Ziglar, der Verkäufer muss außerdem auf die unausgesprochenen Wünsche des Käufers eingehen, etwa indem er Folgendes sagt:

Zusätzlich zu dem wunderschönen Grundstück bekommen Sie den fischreichen See, in dem Sie angeln können.

Sich sportlich zu betätigen, wird ganz einfach, weil sie die direkt erreichbaren Rad- und Wanderwege nutzen können.

Sie genießen die Ruhe einer Wohngegend im Grünen mit Nachbarn, die ebenfalls die Ruhe abseits der hektischen Stadtzentren zu schätzen wissen …

… und noch einiges mehr. So macht der Verkäufer dem Interessenten die Kaufentscheidung leicht.

Selbstmarketing Strategien: Was wünschen sich Arbeitgeber und Kunden?

Wie können Sie nun diese Strategie in Ihrer Situation als Bewerber anwenden? Auch wenn Sie ein Vorstellungsgespräch vielleicht nicht so gestalten können wie ein Immobilien-Verkaufsgespräch, gibt es andere Möglichkeiten. Gute Gelegenheiten für die Ansprache Ihrer Kunden auf Wunschebene sind zum Beispiel:

Denken Sie zunächst einmal an Ihr Bewerbungsschreiben. Wenn Sie als Betreffzeile einer Bewerbungsmail wählen:

Bewerbung als Freiberufler für Webseitenoptimierung und Google-Adwords-Werbung

dann weiß der Empfänger zwar, was Sie möchten – aber engagiert er Sie deswegen auch? Wenn Sie sich jedoch fragen, was der Empfänger sich wünscht, dann kommen Sie vielleicht auf so eine Formulierung:

Mehr ABC verkaufen mit optimierter Webseite und Google-Adwords-Werbung

Bei “Mehr verkaufen” werden die meisten Empfänger hellhörig, denn wer möchte das nicht?

Hier noch ein paar weitere Beispiele:

Der Kandidat für einen Geschäftsführerposten bleibt blass mit der Überschrift:

Ich möchte Ihr Unternehmen weiterentwickeln

Durch Einbeziehung der Kundenwünsche gewinnt er an Attraktivität:

Umsatz erhöhen und Zukunft sichern durch Erschließung neuer Märkte

Ein Social Media Manager wirbt normalerweise so:

Wir beraten und unterstützen Sie, wenn Sie Karriereblogs, Mitarbeiterblogs oder Karriere-Websites aufbauen wollen

Aber wovon träumen die Kunden? Vielleicht hiervon:

Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Ihren Karriereblogs, Mitarbeiterblogs oder Karriere-Websites die besten Mitarbeiter an sich ziehen und binden

Als Sekretärin sind Sie gut beraten, wenn Sie Ihre Bewerbung nicht betiteln mit

Bewerbung als Sekretärin

sondern beispielsweise mit der Frage nach den Wünschen Ihres potenziellen Chefs, verbunden mit der Aussage, wie Sie zu deren Erfüllung beitragen können, zum Beispiel so:

Möchten Sie ein funktionierendes Büro und Ordnung in Ihren Zahlen?
Sekretärin/Sachbearbeiterin, 44, bietet selbstständige, strukturierte und gewissenhafte Arbeitsweise für Ihre kaufmännische Verwaltung, Abrechnung und Buchführung

Wenn Sie diese oder eine ähnliche Überschrift für Ihren Zielgruppenbrief verwenden, können Sie sicher sein, dass Sie bessere Chancen haben, dass der Chef oder Personaler Ihre Bewerbung lesen wird. Hier bringt die Frageform Ihnen sogar noch weitere Pluspunkte, denn laut einer Studie verhilft die Direktansprache in Frageform Ihrer Überschrift zu maximaler Aufmerksamkeit.

Auch das folgende Beispiel aus Fritz Stoebes Buch Outplacement zeigt die Verbindung der Wunschansprache des Kunden mit dem Nutzenangebot des Bewerbers:

Das NE-Halbzeuggeschäft rentabel führen
Dipl.-Ing., 52, NE-Halbzeugfachmann, bietet umfassendes Know-how als Technischer Leiter oder für Management auf Zeit

Ein gutes und präzises Nutzenangebot an den potenziellen Arbeit- oder Auftraggeber ist eine wichtige Grundlage für Ihren Erfolg. Wenn Sie aber noch einen Schritt weiter gehen wollen, dann beziehen Sie das, was Ihr Kunde sich wünscht, in Ihre Kundenansprache mit ein.

So wie es schon Bob Dylan in seinem Songtext beschreibt:

Your debutante just knows what you need
but I know what you want

Zu deutsch: Deine Debütantin weiß nur, was du brauchst – aber ich (die erfahrene Liebhaberin) weiß, was du dir wünscht.

Die Ansprache des Kunden auf der Ebene seiner unausgesprochenen Wünsche stellt die hohe Schule des Verkaufens dar und vervielfacht Ihre Chancen, die Stelle oder den Auftrag zu bekommen.

Selbstmarketing für Angestellte: So klappt’s

Natürlich gibt es auch diejenigen Kollegen, die scheinbar ständig Glück haben und die Karriereleiter hinauffallen  – das sind jedoch die Ausnahmen. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, hat Erfolg und damit auch beruflicher Aufstieg ganz viel mit einem erfolgreichen Egomarketing zu tun: Bis zu 30 Prozent kann es ausmachen.

Wenn Sie nun befürchten, unter die Blender gehen und Ihre eigenen Taten ständig über den grünen Klee loben zu müssen, können wir Sie beruhigen: Es geht auch anders. Erfolg im Job können Sie auch ganz ohne Angeberei haben.

Erfolgsdreieck Skills Fachwissen

Sie können einige Schritte unternehmen, um Ihrem Arbeitgeber das Engagement, das Sie täglich bringen, etwas deutlicher vor Augen zu führen, ohne dabei sofort unter die Prahlhänse zu gehen.

Und so gelingt es:

  • Zwischenberichte

    Getreu dem Motto: „Tu Gutes und spricht darüber“ sind Zwischenberichte eine tolle Möglichkeit, Ihrem Vorgesetzten zu zeigen, was in den letzten Arbeitswochen so alles im Projekt gelaufen ist. So zeigen Sie Ihre Fortschritte und gleichzeitig ein gehöriges Maß an Professionalität, denn Eigenlob können Sie sich damit sparen.

    Gleichzeitig freut sich Ihr Vorgesetzter bestimmt darüber, wenn Sie unaufgefordert einen Überblick liefern – er hat sicherlich auch mehr als genug zu tun. Insgesamt wirkt der Zwischenbericht sehr positiv und kann Ihnen einige Pluspunkte verschaffen.

  • Wortmeldungen

    Wer sagt denn, dass Sie in Meetings immer in die Rolle des stummen Zuhörers schlüpfen müssen? Eine gut durchdachte und interessante Idee ist sicherlich willkommen. Damit machen Sie sich noch lange nicht zu einem Angeber, sondern zeigen lediglich, dass Sie mitdenken, statt nur dabei zu sitzen.

  • Hilfsangebote

    Hilfsbereitschaft gilt nicht ohne Grund als Tugend. In unserem konkreten Fall profitiert aber nicht nur Ihr Umfeld davon. Wenn ein Kollege Ihre Hilfe oder einen Tipp benötigt, sollten Sie nicht lange zögern, sondern so schnell wie möglich zur Tat schreiten.

    Er wird sich mit Sicherheit darüber freuen, dass Sie ihm so unbürokratisch und schnell geholfen haben und das auch anderen Kollegen mitteilen. Im besten Fall erfährt es sogar Ihr Vorgesetzter und positive Publicity ist in jedem Fall ein mächtiges Mittel des Egomarketings.

Egomarketing und Personal Branding: Weitere Tipps zur Selbstvermarktung

Übrigens können Sie die Kniffe des Egomarketings auch dazu nutzen, eine komplett neues Image aufzubauen, falls Sie von Ihrem alten wegkommen und sich neu orientieren möchten.

Und das geht so:

  1. Ziel setzen

    Bevor Sie mit Ihrer neuen Strategie beginnen, müssen Sie wissen, wo Sie hinwollen. Einfach auf gut Glück ein paar Postings absetzen und sich in neuem Licht in den Sozialen Medien und beruflichen Netzwerken präsentieren, wird unter Umständen nicht viel bringen. Ein klares Ziel muss her, damit das Egomarketing zum Erfolg wird.

  2. Image aufbauen

    Bei einem Jobwechsel werden Sie bestimmt gefragt werden, warum Sie eine neue Stelle anstreben. Heißt für Sie, dass Sie den passenden Elevator Pitch bereit haben sollten. Auf keinen Fall darf der nach Verzweiflung oder Kündigung durch den Arbeitgeber klingen.

    Stattdessen sollten Sie eine glaubhafte Geschichte vorweisen können, wie es zu der aktuellen Jobsuche gekommen ist. Wenn es Ihnen möglich ist, können Sie dabei auch eine Auszeit zwischen dem alten Job und der neuen Jobsuche einlegen – und diese Auszeit können Sie dafür nutzen, sich Ihrem digitalen Egomarketing zu widmen.

  3. Veränderung präsentieren

    Nach Schritt eins und zwei überraschen Sie Ihr Umfeld mit Ihrem Personal Rebranding. Sie haben ein neues (Berufs-)Profil geschaffen und teilen das nun mit Ihren alten und neuen Kontakten.

    Dazu gehört natürlich auch, dass Sie in den beruflichen Netzwerken Ihren Lebenslauf auffrischen, neue Präferenzen und Jobsuchen angeben und sich ein neues Bewerbungsfoto zulegen.

    Die Änderungen müssen übrigens nicht immer schriftlicher Natur sein. Auch neue Farben und Designs können Wunder bewirken, wenn es um Egomarketing geht.

    Bitte erwarten Sie hierbei aber keinen Über-Nacht-Effekt. Bis sich die Änderungen zeigen und Sie auch bei Google ausschließlich mit dem neuen Image auftauchen, werden mehrere Monate vergehen.

Weitere Anleitung zum Egomarketing und Personal Branding gefällig? Dann empfehlen wir Ihnen das folgende Canvas, das Sie durch anklicken vergrößern und für weitere Anregungen nutzen können:

personal-branding-canvas-bausteine

[Mitarbeit: Dr. Cornelia Riechers]
[Bildnachweis: Dragon Images by Shutterstock.com]
10. April 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.


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