Zukunft der Arbeit: Was verändert sich?

Die Zukunft der Arbeit begann vergangenes Jahr. Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt massiv verändert. Der Trend wird sich dieses Jahr noch verstärken: Homeoffice, virtuelle Teams und Führung, Videokonferenzen statt Reisen, Digitalisierung – all das prägte und prägt zahlreiche Berufe und Branchen. Welche Veränderungen erwarten uns im Detail? Worauf müssen sich Arbeitnehmer wie Arbeitgeber bei der Zukunft der Arbeit einstellen? Welche Berufe könnten in künftig wegfallen? Wichtige Trends und Antworten…

Zukunft der Arbeit: Was verändert sich?

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Welche Trends beeinflussen die Zukunft der Arbeit?

Mit der Corona-Pandemie kam der Durchbruch. Arbeitgeber, die sich der Digitalisierung, New Work und anderen modernen Arbeitsformen bisher beharrlich verweigert haben, schicken ihre Mitarbeiter unlängst ins Homeoffice. Oft notgedrungen. Aber nicht ohne Folgen. Sie merken: Auf einmal geht es doch. Das hat zahlreiche Implikationen und Folgen. Die Zukunft der Arbeit – sie sieht vor allem so aus:

  • Mehr Homeoffice, weniger pendeln

    Dort wo die Homeoffice-Regelungen nach einer Eingewöhnungsphase schon jetzt gut funktionieren, werden sie auch künftig bleiben oder häufiger eingesetzt werden. Vor allem dort, wo es vorher undenkbar schien. Bedeutet: Arbeitnehmer müssen künftig weniger zur Arbeit pendeln, verbringen weniger Zeit in Staus oder in überfüllten Zügen. Das ist gut für Berufspendler und spart Lebenszeit, verringert den Verkehr, schont die Umwelt und die Nerven. Es bedeutet aber auch, dass wir unsere privaten Lebensräume künftig anders gestalten – mit flexiblen Arbeitsnischen oder ganzen Arbeitszimmern. Immerhin: Wer im Ho­me­of­fice ar­bei­tet, bekommt steu­er­li­che Erleich­te­run­gen. Die „Homeoffice-Pauschale“ erlaubt Arbeitnehmern bis zu 600 Euro jährlich von der Steuer abzusetzen – 5 Euro für jeden Tag, an dem die berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausgeübt wurde.

  • Mehr Videokonferenzen, weniger Dienstreisen

    Verändern wird sich ebenso die Art, wie wir mit anderen kommunizieren. Wenn selbst Regierungschefs ihre Länder per Videokonferenz oder Telefonkonferenz lenken können (und handlungsfähig bleiben), gilt das umso mehr für Manager und ihre Mitarbeiter. Videokonferenzen sparen zudem Reisekosten und Reisezeit. Sicher, manches verhandelt man auch weiterhin besser im physischen 4-Augen-Gespräch. Aber moderne Arbeitsmodelle wie Remote Work sind nur der Anfang. Die Corona-Pandemie zeigt, dass nicht nur technologische Errungenschaften, sondern auch äußere Faktoren als Katalysator Entwicklungen beschleunigen können.

  • Mehr Wohnraum, weniger Büros

    Wenn immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, dann brauchen die Unternehmen insgesamt weniger Büroflächen. Schließlich müssen nicht immer alle gleichzeitig in der Firma sein. Wenn Unternehmen ihre Flächen verkleinern, spart das Miet- und Fixkosten. Es schafft aber auch neue Wohnflächen in den Innenstädten und entspannt so den Wohnungsmarkt. Mehr noch: Es könnte eine neue Rückkehr aufs Land einsetzen, wo es (für Familien) mehr Wohnfläche (und Natur) für kleinere Geldbeutel gibt. Dank Digitalisierung, den Homeoffice- und Videokonferenz-Erfahrungen müssen wir nicht zwangsläufig möglichst nah bei unseren Arbeitgebern wohnen. Ein enormer Gewinn an Lebensqualität.

  • Mehr Flexibilität, weniger Großraum

    Der Zukunftstrend begann schon vor einigen Jahren, wird sich aber künftig fortsetzen: Die Büros und Arbeitsplätze selbst verändern ihr Gesicht. Schmucklose Großraumbüros waren vorgestern. Deutlich zunehmen werden flexible Multizweck-Designs – mit offenen Bereichen für teamorientiertes Arbeiten, abgeschiedenen Räume für konzentriertes Arbeiten und speziellen Rückzugsräumen zur Entspannung. Alles auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Aufgaben zugeschnitten. Der Arbeitnehmer der Zukunft passt sich nicht seinem Arbeitsplatz an, sondern umgekehrt.

  • Mehr Virtualität, weniger Karriere

    Zugleich stellt das zunehmende kollaborative Arbeiten in virtuellen Teams Fach- und Führungskräfte vor neue Herausforderungen: Chefs müssen lernen, wie sie vernetzte, aber nicht mehr physisch anwesenden Teams managen und führen. Zugleich müssen Mitarbeiter und Fachkräfte herausfinden, wie sie innerhalb solch aufgelöster Strukturen sichtbar bleiben und Karriere machen. Oder sich beruflich weiterentwickeln können. Auch dieser Prozess wird die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

  • Mehr Freiheit, weniger Sicherheit

    Soviel mehr Leben im Internet und Intranet birgt allerdings auch Konflikte. Zukünftig werden wir stärker zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem nach Freiheit hin- und herschwanken. Wir wollen alles teilen, jede Information mitbekommen und von überall Zugriff haben, online shoppen – gleichzeitig aber unsere Privatsphäre schützen. Die Kontrolle über die eigenen, privaten Daten wird daher zu einem wachsenden Trend und Thema. Noch stärker als bisher.

Und nicht zuletzt wird die Zukunft einige Branchen (positiv) umkrempeln. Allen voran die Gesundheitsbranche. Wir erkennen schon heute wie systemrelevant unser Gesundheitssystem ist. Der Beruf und die Leistungen von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten müssen daher nicht nur (zynisch) beklatscht, sondern auch finanziell aufgewertet werden. Durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen und -zeiten.

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Welche Berufe werden in Zukunft wegfallen?

Digitalisierung und technischer Fortschritt hängen zusammen: Laptops, Smartphones und Smartwatches sind in Beruf und Freizeit kaum wegzudenken. Die Weiterentwicklung solcher Geräte wird nicht nur Jobs, sondern möglicherweise ganze Berufsfelder revolutionieren. Wo heute noch menschliche Arbeitskraft vonnöten ist, setzen sich in ein paar Jahren schon technische Lösungen durch – schneller, einfacher und nicht zuletzt billiger.

Das hat Folgen für zahlreiche Berufsbilder. Manche werden gestärkt, andere verändern sich radikal und wieder andere fallen voraussichtlich weg:

  • Verkäufer
    Schon heute verlagert sich der Einkauf immer weiter ins Internet. Shopping findet zunehmend vor dem Monitor statt. Das ist ein Problem für die Innenstädte – sie bleiben leer. Die persönliche Beratung fällt zwar deswegen nie ganz weg. Aber die Anzahl der Verkäufer-Jobs wird sich verringern.
  • Mechaniker
    Viele der Aufgaben, für die ein Mechaniker heute zuständig ist, lassen sich durch technische Hilfsmittel oder Roboter ausführen. Mit fortschreitender Technik wird es in dieser Branche wahrscheinlich ebenfalls immer weniger Nachfrage geben. Vor allem dann, um die Roboter zu warten und zu reparieren.
  • Versicherungsmakler
    Schon heute übernimmt in einigen Portalen die Software diese Arbeit: Preise und Leistungen vergleichen, das perfekte Portfolio zusammenstellen. Wo Menschen umständlich recherchieren, spidert die Software sekundenschnell durchs Netz, gleicht Angebote und Verträge ab. Je nach Algorithmus auch frei von menschlichen Vorurteilen und subjektiven Vorlieben.
  • Buchhändler
    Gehen die Entwicklungen so weiter, wird es für Buchhändler schwerer. Der stationäre Buchhandel hat angesichts teurer Innenstadtmieten oft nicht die Lagerkapazitäten und erwünschte Auswahl zu bieten. Gerade kleine Geschäfte kommen nicht gegen große Online-Händler an.
  • Taxifahrer
    Noch ist es nicht so weit, aber es könnte eine Frage der Zeit sein, bis selbstfahrende Autos die Straßen regieren. Das trifft auf lange Sicht nicht nur Taxifahrer, sondern ebenso Busfahrer, Lieferanten, Chauffeure oder Gabelstaplerfahrer.
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3 Thesen für die Zukunft der Arbeit

Es ist spannend zu beobachten, wie sich die Zukunft der Arbeit entwickeln wird. Wir wagen mit drei Thesen einen Ausblick auf das, was in den nächsten Jahren passieren wird:

1. Work-Life-Integration nimmt zu

Bisher war Work-Life-Balance ein weit verbreitetes Ziel. Die Zukunft der Arbeit rückt ein anderes Konzept in den Mittelpunkt: die Work-Life-Integration. Es geht nicht mehr darum, zwei scheinbar gegensätzliche Welten in Balance zu halten. Stattdessen wächst das Verständnis, dass Leben und Arbeit zusammengehören, ineinander übergehen und sich verbinden. In Zukunft gilt es, deren Integration auszubalancieren und zu gewichten.

2. Flexibilität gewinnt an Bedeutung

In der Zukunft der Arbeit ist Flexibilität wichtig. Gewinner sind diejenigen, die sich flexibel an die Veränderungen anpassen und auf neue Situationen einstellen können. Das gilt für Unternehmen, Angestellte, Freiberufler und Selbstständige gleichermaßen. Auch die Arbeitsgestaltung wird zunehmend flexibler werden. Starre Arbeitszeiten und Anwesenheitspflicht rücken in den Hintergrund. Eng verzahnt ist dies mit der genannten Work-Life-Integration.

3. Spezialisierung verbessert die Jobchancen

Viele befürchten, dass in der Zukunft der Arbeit etliche Jobs wegfallen. Dabei übersehen sie, dass gleichzeitig zahlreiche neue Felder und Berufe entstehen. Wichtiger wird die Spezialisierung der Arbeitnehmer, um diesen Herausforderungen gewachsen zu – und auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben. Mit der richtigen Ausbildung, passenden Erfahrungen und den benötigten Fähigkeiten lassen sich die Jobchancen deutlich steigern. Generalisten haben es dagegen zunehmend schwerer.

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Anforderungen an Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politik

Die genannten Veränderungen erfordern Anpassungen sowohl bei Unternehmen wie in der Politik und Gesellschaft.

Arbeitgeber

Experten wie Christiane Brandes-Visbeck sind davon überzeugt, dass es in Unternehmen stärker als bisher auf bestimmte Führungsqualitäten ankommt. Gefragt seien weniger Egomanen, die ohne Rücksicht auf Verluste ihr Ziel verfolgen würden, sondern vielmehr Digital Leader. Digital Leadership verbindet zweierlei: Starke Sozialkompetenz und die Fähigkeit, Wandel aktiv mitzugestalten.

Digital Leader denken weniger in Hierarchien und versuchen eine stärkere Vernetzung voranzutreiben. Darüber hinaus praktizieren sie eine andere Fehlerkultur. Während vielerorts Fehler noch als Scheitern erlebt werden, gehen Digital Leader lösungsorientierter daran. Im Fokus steht nicht das Versagen, sondern die Chance, daraus zu lernen.

Politik

Die Zukunft der Arbeit wird einen Gegensatz nicht auflösen können. Während Arbeitgeber ein großes Interesse an Flexibilität haben, wollen Arbeitnehmer größtmögliche Sicherheit. Immer häufiger sind Arbeitnehmer als Freelancer unterwegs, seltener in Festanstellung. Schon jetzt verzeichnen Gewerkschaften sinkende Mitgliederzahlen. Genau hier liegt ein Risiko. Freiberufler haben nicht nur einen schlechteren Zugang zu Sozialversicherungen, sondern auch keine Lobby. Politische Rahmenbedingungen müssen daher angepasst und kontrolliert werden. Steigende Mindestlöhne sind nur ein Anfang.

Zunehmen werden Hybridlösungen wie beispielsweise in den Niederlanden und Dänemark. „Flexicurity“ ist eine Strategie, die beiden Parteien versucht gerecht zu werden. Hierbei wird ein gelockerter Kündigungsschutz bei gleichzeitig verstärkter Wiedereingliederungshilfe und höherer materieller Unterstützung praktiziert.

Sozialversicherungen und Rentensystem müssen angesichts dieser Entwicklungen längere Phasen von Arbeitslosigkeit berücksichtigen. Die Herausforderung für die Arbeitslosenversicherung liegt darin, nicht nur die klassische Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen, sondern Übergänge. Also auch Phasen, in denen jemand vom Job in die Selbständigkeit (oder umgekehrt) wechselt, Elternzeit nimmt oder sich um häusliche Pflege kümmert.

Auch gibt es bisher für junge Gründer nach der Uni keine Möglichkeit, sich als Selbständiger gegen Arbeitslosigkeit abzusichern. Scheitert das Start-up, wird der ehemalige Selbständige sofort zum Hartz-4-Empfänger. Eine Arbeitslosenversicherung darf nicht nur Notnagel sein, sondern muss als Präventionsmaßnahme gesehen werden. Das Ziel: Der Arbeitnehmer bildet sich so weiter, dass es erst gar nicht zum Jobverlust kommt.

Arbeitnehmer

Mit der Zukunft der Arbeit gehen auch neue Anforderungen einher. Profitieren werden die, die sich daran am schnellsten anpassen – ohne einen Burnout zu riskieren. Gerade die Selbstorganisation, Selbstführung und das Selbstmanagement werden an Bedeutung gewinnen. Wenn von überall gearbeitet wird, ist der Chef nicht mehr da, um einem zu führen. Die Arbeit wird selbstständiger – mit allen dazugehörigen Vor- und Nachteilen: Wachsender Unsicherheit und dem Zwang zu mehr Selbstmarketing, um zum Beispiel eine Gehaltserhöhung zu realisieren. Auf der anderen Seite gibt es mehr Freiraum zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung.

Studien zur Zukunft der Arbeit

Verschiedene Studien versuchen sich dem Thema „Zukunft der Arbeit“ zu nähern. Zum Teil leider mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Hier ein kompakter Überblick:

Oxford Universität: Jeder zweite Job fällt weg

Großes Aufsehen erregte eine Studie der Oxford Universität von Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler untersuchten, ob zukünftig Jobs in den USA der Computerisierung zum Opfer fallen. Ihr Fazit: Zukünftig werden 47 Prozent aller Jobs überflüssig. Sie beobachten, dass durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung etliche Jobs verschwinden beziehungsweise von Computern übernommen werden.

Universität Mannheim: Gleiche Anzahl Jobs entsteht

Ein paar Jahre später veröffentlichte das IZA die Studie „Die Zukunft der Arbeit und der Wandel der Arbeitswelt“ von Werner Eichhorst und Florian Buhlmann von der Universität Mannheim. Sie kommen einem anderen Ergebnis: Bei den zuvor untersuchten Jobs handele es sich um solche mit geringen oder mittleren Qualifikationsanforderungen im Produktionsbereich. Roboter könnten Jobs gut ersetzen, wenn es sich um Routineabläufe handelt. Zeitgleich nehmen aber Jobs im hoch qualifizierten Bereich zu.

Telekom-Studie: Chancen für Arbeitnehmer

Eine Telekom-Studie wiederum stellt fest, dass nicht-lineares Denken eine menschliche Domäne sei. Maschinen stoßen – zumindest noch – an ihre Grenzen, wenn es um Kreativität oder unternehmerisches Denken geht. Die Zukunft der Arbeit sollte deshalb nicht von Angst geprägt sein. Arbeitnehmer werden nicht überflüssig. Die Nachfrage verschiebt sich lediglich. Umso wichtiger ist es, sich auf die Veränderungen der Zukunft der Arbeit einzulassen.

Häufige Jobwechsel, kürzere Arbeitsverhältnisse und Karrieren mit mehreren Sprüngen und Stationen sind kein Makel, sondern das Ergebnis einer Transformation von Arbeitsmarkt und Berufen.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]

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11. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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