Big Quit: Große Resignation wegen mieser Jobs

Als The Big Quit (etwa: das große Beenden) ist derzeit ein Phänomen in den USA zu beobachten, das bald auch nach Deutschland kommen könnte: Massenweise kündigen Arbeitnehmer. Geschüttelt von der Corona-Pandemie, ist das umso überraschender. Denn die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht gerade für arbeitnehmerfreundliche Bedingungen bekannt. Warum so viele Menschen ihren Job hinschmeißen und wie sich die Arbeitswelt daran anpassen muss…

Big Quit: Große Resignation wegen mieser Jobs

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Was ist der Big Quit?

Der Anglizismus Big Quit (to quit = verlassen, beenden) bezieht sich auf die derzeitige Lage des US-Arbeitsmarkts. Das Phänomen ist auch als The Great Resignation (etwa: das große Kündigen) bekannt und bezeichnet eine Kündigungswelle durch Arbeitnehmer. Allein im April dieses Jahres hatten knapp vier Millionen Amerikaner eine Eigenkündigung ausgestellt.

Und offenbar ist das erst der Anfang: Denn die arbeitnehmerseitigen Kündigungen haben seitdem sogar zugenommen und gipfelten in 4,27 Millionen Kündigungen im August. Doch woher kommt dieser Trend? Wirtschaftsexperten spüren der momentanen Entwicklung nach. Denn eigentlich sind Jobwechsel in Krisenzeiten eher selten und wenn, dann unfreiwillig. Lieber klammern sich Menschen in unsicheren Zeiten an das, was sie haben. Zu groß die Angst, am Ende arbeitslos dazustehen.

Corona-Krise kostet weltweit 126 Millionen Jobs

Diese Beobachtungen lassen sich aus vergangenen Krisen ableiten, etwa der Finanzkrise vor einigen Jahren. Und auch die derzeitige Corona-Pandemie ist so eine Krise: Wirtschaftsexperten zufolge kostet sie die Menschen 126 Millionen Arbeitsplätze weltweit. In der DACH-Region existiert mit Kurzarbeit (und Kurzarbeitergeld) ein Instrument zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Nicht so in den USA: Das gern praktizierte „hire and fire“ – (an-)heuern und feuern – bedeutet für Arbeitnehmer größtmögliche Unsicherheit und für Arbeitgeber größtmögliche Flexibilität. Betriebsräte und Gewerkschaften sind nahezu unbekannt und wenn, dann nicht mit europäischen Maßstäben vergleichbar. Wenig verwunderlich also, dass mit Beginn der Krise viele Unternehmen ihre Mitarbeiter entließen. Umso ungewöhnlicher jedoch, dass es nun die Arbeitnehmer selbst sind, die ihren Job kündigen.


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Krise als Katalysator

Der Big Quit ist das Resultat einer Krise, die mehr als nur eine Gesundheitskrise ist. Sie ist vielmehr eine Sinnkrise. Die Corona-Pandemie hat offengelegt, woran es häufig hapert: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist die Schicht der Working Poor über die Jahre gewachsen. Das sind Menschen, die trotz ihrer Erwerbstätigkeit finanziell kaum über die Runden kommen.

Selbst wenn sie einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, haben sie noch Nebenjobs – zwei oder drei Jobs gleichzeitig sind keine Seltenheit. Grund dafür ist der geringe Verdienst. Diese Arbeitsbedingungen stehen nun auf dem Prüfstand. Viele Menschen hatten während des unfreiwilligen Lockdowns Zeit, ihre Werte und Prioritäten im Leben zu überdenken. Verschiedene Umstände dürften den Big Quit befeuert haben:

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Big Quit fordert zum Umdenken auf

Der Big Quit zeigt Arbeitgebern ihre Grenzen: Bisher waren sie in der besseren Verhandlungsposition und konnten die Bedingungen diktieren. Massenentlassungen in Jahr eins der Pandemie haben viele Arbeiter in Existenznöte gebracht. Wenn aber ihrerseits die Arbeitskräfte in Scharen wegrennen, lässt sich plötzlich die Nachfrage nicht mehr bedienen. In den USA sind es vor allem Frauen, die zuvor in der Dienstleistungsbranche gearbeitet und nun gekündigt haben. Ganz weit vorne: Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie.

Erkennbar sind die Umwälzungen durch den Big Quit an verschiedenen Dingen:

  • Unternehmensgründungen
    Vor allem in der Techbranche kommt es seitdem zu zahlreichen Firmengründungen. In solchen Unternehmen braucht es häufig nicht mehr als eine stabile Internetverbindung: Auch ohne Präsenzkultur lässt sich problemlos (und erfolgreich) arbeiten.
  • Streiks
    Wer nicht am Big Quit teilnimmt, macht sich in Streiks nun für bessere Arbeitnehmerrechte stark.
  • Gehaltserhöhungen
    Da wo Fachkräftemangel herrscht, steigt für gewöhnlich das Gehalt. Auch wenn die Inflation den höheren Lohn nahezu frisst: Immerhin stehen die Arbeitnehmer nicht schlechter als zuvor da. Hinzu kommt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Gründe für die Great Resignation

Dass der Frust im Job vieler Arbeitnehmer im Big Quit kulminierte, hat Gründe: Auch in den Vereinigten Staaten gab es Finanzhilfen für die Bürger. So beispielsweise ein Nothilfeprogramm für Mieter, die ihre Mietschulden nicht begleichen konnten. Weiterhin gab es einen Erlass von Studienkrediten, der die Wechselmotivation der Menschen ebenfalls beflügelte.


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Great Resignation Germany?

Was hat das nun mit Deutschland zu tun? Ist hierzulande ebenfalls ein Big Quit zu erwarten? Zunächst einmal liegen die beschriebenen Rahmenbedingungen anders. Festanstellungen mit unbefristetem Arbeitsvertrag sind eher die Regel, auch so genießen Arbeitnehmer hierzulande einen hohen Kündigungsschutz.

Dennoch sind Krisen ein guter Anlass, über die eigene Situation zu reflektieren. Diese drei Fragen sollten Sie sich stellen:

  1. Was möchte ich arbeiten?

    Oft sind latente Prägung und eigene Idealvorstellungen in jungen Jahren schuld daran, dass Menschen einen sinnlosen Job ausüben. Solche „Bullshit-Jobs“ sind nicht zwangsläufig schlecht bezahlt (beispielsweise im Management). Aber sie schaffen keinen echten (gesellschaftlichen) Mehrwert, sondern dokumentieren lediglich Status.

    Das reicht vielen Menschen nicht. Sie wollen ihr Hobby zum Beruf machen, möchten vielleicht andere Menschen unterstützen oder sich anderweitig sinnvoll einbringen. Vor allem jüngere Arbeitnehmergenerationen stellen zunehmend für sich fest, dass Selbstverwirklichung für sie nicht zwangsläufig über den Job läuft. Für sie stehen soziale Kontakte und Hobbys im Mittelpunkt.

  2. Wann möchte ich arbeiten?

    Wie flexibel wollen (oder müssen) Sie arbeiten? Viele Unternehmen und Behörden haben bereits verschiedene Arbeitszeitmodelle, mit denen Arbeitnehmer beispielsweise eine Kernarbeitszeit bedienen. Gleichzeitig lässt sich der Beginn der Arbeitszeit etwas nach vorne oder hinten verschieben, so dass Arzttermine mühelos möglich sind.

    Für Mütter und Väter kann eine Arbeitszeitverkürzung eine Alternative darstellen. Dadurch lässt sich die Kinderbetreuung meist besser bewerkstelligen. Auch können Sie so besser Angehörige pflegen.

  3. Wie möchte ich arbeiten?

    Das Angestelltenverhältnis verspricht auf der einen Seite ein gewisses Maß an Sicherheit und Bequemlichkeit. Abgaben und Steuern laufen über den Arbeitgeber, als Arbeitnehmer müssen Sie sich um fast nichts kümmern. Einmal im Jahr machen Sie Ihre Steuererklärung und müssen gegebenenfalls Steuern nachzahlen oder erhalten sogar welche zurück.

    Aber das fühlt sich nicht für jeden richtig an: Selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Arbeiten stößt natürlich an seine Grenzen. Daher bevorzugen manche verschiedene Formen der Selbstständigkeit (beispielsweise als Freelancer) für sich.

Wer diese Fragen für sich klärt, erkennt recht schnell, ob der momentane Job die wichtigsten Punkte abdeckt oder nicht. Dabei sollten Sie immer auch selbstkritisch Ihre Talente und Neigungen im Blick behalten: Ohne exakt die Richtung zu kennen, sollten Sie nicht vorschnell kündigen. Welche Jobwechsel Fehler es zu vermeiden gilt, erfahren Sie HIER.

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[Bildnachweis: hvostik by Shutterstock.com]

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