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Nicht nur das, was Sie sagen, sondern auch das, was Sie nicht sagen, beeinflusst, wie Mitmenschen Sie wahrnehmen. Kommunikation läuft größtenteils nonverbal ab. Auch wenn es uns nicht bewusst ist, sendet unser Körper unablässig Signale, auf die unser Gegenüber reagiert. Dabei spielt unser Gesicht eine besondere Rolle, denn über die Mimik werden Emotionen übertragen. Oft genug reicht schon ein Blick aus, um zu erkennen, wie sich ein Mitmensch fühlt. Auch wenn wir im Laufe des Lebens zu Meistern der Täuschung werden und in vielen Situationen unsere wahren Gedanken und Gefühle verbergen, gelingt uns das nur zu einem gewissen Teil. Denn sogenannte Mikroexpressionen geben für einen kurzen Augenblick Preis, was uns wirklich durch den Kopf geht. Wie Sie erkennen, was Ihr Gegenüber verschweigt...

Die sieben Grundemotionen

ollyy/shutterstock.comEigentlich ist der Mensch ein Experte, wenn es darum geht, Emotionen zu erkennen. Probieren Sie es aus. Beobachten Sie mal in der Mittagspause Ihre Mitmenschen. Selbst wenn Sie einen Menschen noch nie zuvor gesehen haben, bekommen Sie innerhalb kürzester Zeit einen Eindruck über die Gefühlslage des anderen. Diese Fähigkeit war überlebenswichtig für uns. Sie warnte uns vor Gefahren und machte ein Miteinander erst möglich. Weil Menschen seit jeher in Gruppen zusammenleben, mussten wir ein feines Gespür für den inneren Zustand der anderen entwickeln, um so ein Zusammenleben überhaupt zu ermöglichen und Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Der Psychologe Paul Ekman entdeckte in den 1960er Jahren, dass bestimmte Emotionen überall auf der Welt gleich sind und von jedem Menschen verstanden werden können. Ekman studierte Video-Aufnahmen von Urvölkern und stellte fest, dass ihm die meisten der Gesichtsausdrücke bekannt sind und dass er diese einer bestimmten Emotion zuordnen kann. Daraufhin reiste er nach Papua Neuguinea, um seine Annahmen zu belegen. Er lebte unter dem isoliert lebenden Stamm der Fore. Ekman studierte deren Mimik und zeigte ihnen Bilder von den Gesichtsausdrücken Menschen anderer Herkunft. Auch die Stammesmitglieder konnten den Gesichtsausdrücken eine Emotion zuordnen.

Damit konnte Ekman beweisen, dass es sieben Basisemotionen gibt, die durch einen bestimmten Gesichtsausdruck ausgedrückt werden:

  1. Freude. Die Stirn ist entspannt, es bilden sich Lachfältchen, die Wangen sind angehoben, die Nasenflügel auseinandergezogen, die Mundwinkel gehen nach oben.
  2. Wut. Die Augenbrauen sind heruntergezogen, die Augen zusammengekniffen, die Nasenflügel stehen weit auseinander, die Lippen werden mit Druck geschlossen
  3. Angst. Die Augenbrauen gehen nach oben, die Augen sind weit aufgerissen, die Nase leicht hochgezogen, die Mundwinkel werden auseinandergezogen
  4. Ekel. Die Oberlippe ist hochgezogen, die Unterlippe schiebt sich nach vorn, es kommt zu sichtbaren Falten zwischen Nasenflügeln und Mundwinkeln, die Nase ist hochgezogen.
  5. Trauer. Die Oberlider und die Mundwinkel hängen nach unten, der Blick ist starr, die Wangen schlaff.
  6. Überraschung. Die Augen sind weit aufgerissen, die Wangen angespannt, der Mund leicht geöffnet.
  7. Verachtung. Die Oberlider hängen herunter, der Blick ist starr, die Wangen gehen leicht nach oben, nur ein Mundwinkel wird angehoben

Ekman entwickelte ein System, mit dem Gesichtsausdrücke entschlüsselt und beschrieben werden. Es heißt das "Facial Action Coding System", kurz FACS, und beschreibt insgesamt 44 kleine Muskelbewegungen im Gesicht. Dieses System hilft bei der Erkennung von Emotionen.

Mikroexpressionen zeigen die wahren Gefühle

Doch wie helfen Paul Ekmans Erkenntnisse im Alltag? Im täglichen Trott sind wir darauf programmiert, unsere Gefühle zu verbergen. Es wird gelächelt, obwohl es einem nicht gut geht. Es wird zugestimmt, obwohl man Ablehnung empfindet. Doch die Gesichtsmuskulatur ist direkt mit dem limbischen System, dem Emotionszentrum, verbunden. Damit ist es nicht möglich, die Gefühle gänzlich zu verstecken. In einem Gesichtsausdruck, der kürzer ist als die Dauer eines Wimpernschlags, blitzen Gefühle für einen Moment auf. Das sind die sogenannten Mikroexpressionen.

Sie treten zutage, weil das limbische System Informationen schneller verarbeitet als das Großhirn und uns damit die Steuerung der eigenen Gefühle für einen Moment entreißt. Erst danach kann wieder die Maske aufgesetzt werden.

Besonders in Situationen, die einen emotional berühren, wenn es beispielsweise um ein Thema geht, das einem wichtig ist, treten Mikroexpressionen verstärkt auf. Ein Widerspruch in dem, was jemand sagt, und dem, was jemand denkt und fühlt, zeigt sich nur in diesem kurzen Moment.

Woran erkenne ich, dass mir mein Gegenüber etwas verschweigt

ollyy/shutterstock.comDiesen Widerspruch zu erkennen, kann einem dabei helfen, sein Gegenüber zu verstehen. Im Job ist diese Fähigkeit ein entscheidender Vorteil. Spricht man beispielsweise mit einem Kunden über einen neuen Vorschlag, kann man auf diese Weise herausfinden, ob er diesem positiv oder negativ gegenüber eingestellt ist.

Bestimmte Signale im Gesicht weisen Sie in Gesprächen auf Einwände, Zweifel oder Ablehnung hin. Allerdings sei vorweg gesagt, dass die Erkennung dieser Signale intensiven Trainings bedarf. Es wird Ihnen nicht auf Anhieb gelingen, diese zu erkennen, alleine schon weil sie sich nur für einen Bruchteil einer Sekunde im Gesicht Ihres Gegenübers zeigen.

Welche Signale Zweifel und Einwände ausdrücken:

  • Die Augenbrauen hochziehen

    Schießen die Augenbrauen eines Gesprächspartners gen Himmel, drückt dieser Unbewusst Skepsis aus. Es zeigt, dass er noch nicht von dem, was Sie sagen, überzeugt ist. Es kann auch ein Zeichen für Erstauen sein. Werden die Augenbrauen hingegen nur leicht hochgezogen, signalisiert Ihr Gegenüber damit Interesse.

  • Die Lippen schürzen

    Das kann bedeuten, dass Ihr Gesprächspartner über Ihren Vorschlag nachdenkt und diesen abwägt. Es kann aber auch genauso gut bedeuten, dass Ihr Gegenüber einen anderen Vorschlag in Erwägung zieht.

  • Die Augenbrauen zusammenziehen

    Dieses Signal ist ein Ausdruck dafür, dass Ihr Gegenüber konzentriert ist. Kommt jedoch noch das Hochziehen der Augenlider hinzu wird damit Ärger signalisiert.

Welche Signale Ablehnung ausdrücken:

  • Die Oberlippe hochziehen

    Eine gehobene Oberlippe zeigt, dass Ihr Gegenüber die Situation anders einschätzt als Sie. Werden Sie darauf aufmerksam, während Sie etwas vorschlagen oder erläutern, kann das bedeuten, dass Ihr Gesprächspartner eine andere Meinung vertritt als Sie.

  • Die Nase rümpfen

    Auch wer die Nase rümpft, signalisiert, dass ihm etwas nicht passt. Dieses Signal kann auch bedeuten, dass Ihr Gegenüber das, was Sie vorschlagen, für schwierig umsetzbar hält.

Können Sie eines dieser Signale bei Ihrem Gesprächspartner beobachten, sollten Sie diese Beobachtung ins Gespräch einfließen lassen. Beispielsweise könnten Sie sagen: "Ich sehe, Sie zweifeln noch." Sie gehen damit auf den Gesprächspartner ein und haben die Chance, ihn zu überzeugen.

Fehler beim Lesen von Körpersprache

lassedesignen/shutterstock.comEs ist überaus schwierig, einen Gesichtsausdruck richtig zu lesen. Eine kleine Bewegung kann verschiedene Bedeutungen haben und die Unterschiede sind in vielen Fällen nur minimal, was die Wahrscheinlichkeit eines Fehler erhöht und verdeutlicht, wie viel Übung notwendig sein kann, um zielsicher die Mimik anderer zu deuten. Ein vollständigeres Bild ergibt erst die Kombination aus Mimik, Gestik und Körperhaltung. Um den Gesichtsausdruck Ihres Gegenübers richtig zu interpretieren, sollten Sie unbedingt diese Fehler vermeiden:

  • Isolation

    Sie haben vielleicht schon mal gehört, dass es ein verräterisches Signal für eine Lüge sein kann, wenn sich jemand beim Erzählen an die Nase packt. Stimmt. Kann sein. Es könnte ihn aber auch gerade an der Nase jucken. Heißt: Eine einzelne Geste verrät überhaupt nichts. Erst wenn sich gleichartige körpersprachliche Signale häufen, wird es zum Indiz. Betrachten Sie Körpersprache also nie isoliert.

  • Kontext

    Versuchen Sie nicht nur die nonverbale Sprache zu deuten, sondern sehen Sie diese immer auch in einem Zusammenhang: Welchen Hintergrund hat Ihr Gegenüber? Steht die Person gerade unter besonderem Druck? Behagt ihr der Raum nicht? Oder welche Erfahrungen hat die Person mit solchen Situationen schon gesammelt? Je nach Kontext kann die Körpersprache etwas ganz anderes bedeuten.

  • Betriebsblindheit

    Kennen Sie den Halo-Effekt, der bereits im 19. Jahrhundert von dem amerikanischen Verhaltensforscher Edward Lee Thorndike entdeckt wurde? Kurz gesagt beschreibt der einen Wahrnehmungsfehler, bei dem einzelne Eigenschaften einer Person so dominant auf uns wirken, dass sie einen überstrahlenden Gesamteindruck erzeugen. Schüler mit Brille wirken beispielsweise auf zahlreiche Lehrer intelligenter. Und genau das ist das Problem: Sie interpretieren Körpersprache immer durch Ihre eigene Brille - und die kann vernebelt sein.

Wie gut können Sie können Sie Gesichter lesen?

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