Einsam in Quarantäne: Wie damit umgehen?

Die Corona-Krise erfordert drastische Maßnahmen: Zuhause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden, kann lebensnotwendig sein. Viele fühlen sich einsam in Quarantäne, besonders für Ältere und Alleinstehende wird dies zur Herausforderung. Ihre sozialen Kontakte sind ohnehin bereits gering und werden durch drastische Maßnahmen nun weiter reduziert. Auch Einsamkeit infolge einer Ausgangssperre gehört zu den realen Szenarien, die auf uns zukommen oder bereits passieren. Welche Auswirkungen hat das? Und wie mit der Einsamkeit umgehen?

Einsam in Quarantäne: Wie damit umgehen?

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Einsamkeit und Alleinsein sind nicht dasselbe

Im sprachlichen Gebrauch werden Einsamkeit und Alleinsein oft synonym verwendet. Dabei bedeuten die beiden Begriffe längst nicht dasselbe:

  • Einsamkeit ist vor allem ein Gefühl, das jemand empfindet. Vielleicht fühlen sich manche von anderen Menschen ausgegrenzt, allein und im Stich gelassen, nicht beachtet.
  • Alleinsein hingegen beschreibt einen realen Zustand; eine einzelne Person hält sich an einem Ort auf, niemand sonst ist in ihrer Nähe.

Aus dieser Unterscheidung folgt aber auch, dass nicht jeder, der einsam ist, zwangsläufig allein sein muss – und vice versa: Nur weil jemand allein ist, muss er sich nicht einsam fühlen. So gibt es Singles aus Überzeugung, die ihre Freiheit und Unabhängigkeit lieben: Endlich in Jogginghose auf dem Sofa fläzen!

Und etliche ältere Mitbürger kommen sehr gut mit ihrem Status als Witwer oder Witwe klar. Ohnehin sind Senioren von heute ganz anders aufgestellt als noch vor wenigen Jahrzehnten. Motto: 70 ist das neue 50.

Sie sind gut vernetzt, haben Freunde, Kontakte zu ehemaligen Kollegen und nutzen moderne Kommunikationsmedien ganz selbstverständlich.

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Empfinden von Einsamkeit eine Typfrage

Wie gesagt, im Alltagsgebrauch wird selten fein unterschieden, ob jemand allein oder einsam ist. Manchmal ist die Rede davon, dass jemand die Einsamkeit sucht. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass er oder sie das Gefühl haben möchte, nicht gebraucht zu werden oder unwichtig zu sein.

Vielmehr spielt ein weiterer Aspekt mit hinein: Eine Person sondert sich bewusst von anderen ab. Diese Momente der Ruhe, des Alleinseins braucht jeder. Endlich zur Besinnung kommen, sich wieder selbst spüren, Abstand von Hektik und Stress gewinnen. Ein Gedanke, der beispielsweise dem digital Detox zugrundeliegt, wenngleich es hier vor allem um die ständige Erreichbarkeit via Smartphone und soziale Medien geht.

Allerdings sind die Menschen nicht gleich. Der Wunsch nach Abgrenzung liegt in unterschiedlicher Ausprägung vor. Von Hochsensiblen ist beispielsweise bekannt, dass sie immer wieder Rückzugsräume brauchen, um der Reizüberflutung zu entgehen.

Ähnlich geht es Introvertierten und Misanthropen. Die einen, weil sie das geschriebene Wort bevorzugen und sich gerne mit ihren Büchern in ein stilles Kämmerlein verziehen, die anderen, weil sie von ihren Mitmenschen ohnehin nichts erwarten.

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Was bedeutet es, einsam in Quarantäne zu sein?

Aber es macht natürlich einen entscheidenden Unterschied, ob diese Isolation selbst gewählt ist oder nicht. Entscheidend auch, wie lange jemand einsam ist oder sich einsam fühlt. Angesichts einer Pandemie kann es notwendig sein, dass jemand in Quarantäne muss. Beispielsweise, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren oder eine tatsächliche Infektion auszukurieren.

Wer einsam in Quarantäne ist, weiß aber auch, dass diese Zeit begrenzt ist: Das heißt, Infizierte und Kontaktpersonen werden für die maximale Dauer der Inkubationszeit (14 Tage) in häuslicher Quarantäne beobachtet. Mit anderen Worten, nach zwei Wochen ist der Spuk wieder vorüber.

Eine andere Qualität kann eine Ausgangssperre haben, die länger angesetzt ist. Sie kann sogar bei anderen Menschen einen regelrechten Lagerkoller auslösen – dann nämlich, wenn der Rückzug nicht mehr möglich ist.

So betrachtet mag so mancher, der nicht allein ist, mit einem gewissen Neid auf Menschen gucken, die gerade 50 Quadratmeter für sich allein haben, während sie selbst zu viert oder fünft auf 80 Quadratmeter hocken. So mancher gestresster Elternteil oder Teenager etwa.

Einsamkeit durch Quarantäne, wegen einer Ausgangssperre oder aber Lagerkoller wegen Quarantäne oder Ausgangssperre – es kann natürlich nicht allgemeingültig bewertet werden, was davon schlimmer ist. Zu individuell die Wahrnehmung des Einzelnen. Manche Menschen haben sich gut in Ihrer Einsamkeit eingerichtet.

Andere brauchen die soziale Interaktion wie die Luft zum Atmen und reagieren empfindlich auf die ungewohnten Einschränkungen. Fakt ist, dass eine Quarantäne derzeit nur geringe Teile der Bevölkerung betrifft, eine Ausgangssperre hingegen auf alle ausgedehnt werden kann.

Die ist übrigens absolut mit Demokratie und Gesetz vereinbar: § 28 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) stellt fest, dass Behörden notwendige Schutzmaßnahmen treffen dürfen, um eine Verbreitung übertragbarer Krankheiten zu verhindern.

Woher stammt der Begriff Quarantäne eigentlich?

Wissenswert übrigens die Herkunft des Begriffes Quarantäne. Manch einer fragt sich, warum das Wort üblicherweise mit K statt Kw ausgesprochen wird. Analog zu Wörtern wie Quelle oder Quark könnte man das zwar vermuten. Aber Quarantäne stammt aus dem Lateinischen und hat den Umweg übers Französische genommen.

Lehnwörter aus dem Französischen, die mit Qu beginnen, werden grundsätzlich wie K ausgesprochen. Quarantäne leitet sich von lateinisch quadraginta, für die Zahl 40 ab. Im Französischen stammt es von quarantaine de jours und meint die 40 Tage Quarantäne, unter die seit dem 14. Jahrhundert pestverdächtige Schiffe gestellt wurden, die in Italien ankamen.

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Tipps gegen die Einsamkeit

Ganz gleich, ob Sie sich einsam fühlen, weil Sie neuerdings von zuhause arbeiten, unter Quarantäne gestellt wurden oder bereits von einer Ausgangssperre betroffen sind: Es gibt Möglichkeiten, das Gefühl zu minimieren, auch wenn das Alleinsein damit nicht beseitigt wird.

Aber vielleicht hilft es zu wissen, dass Sie nicht allein sind. Was die konkrete Angst vor dem Virus anbelangt, so sind ohnehin alle Menschen davon betroffen. Einige Risikogruppen sind besonders gefährdet – dazu zählen ältere Menschen und jene, deren Immunsystem krankheitsbedingt geschwächt ist.

Grundsätzlich macht das Virus aber keinen Halt vor Prominenz, Wohlstand oder Nationalität. Da noch zu viele Wissenslücken bestehen und derzeit keine wirksamen medizinischen Maßnahmen existieren, hat sich auch noch kein normaler Umgang damit entwickeln können.

  • Ablenkung

    Der Klassiker, wenn Langeweile droht, ist immer noch Ablenkung durch spannende oder interessante Dinge. Was für Sie spannend oder interessant ist, ist natürlich individuell verschieden. Die einen lesen oder gucken gerne Fernsehen, die nächsten hören gerne Podcasts, andere spielen Computer und wieder andere vermissen kulturelle Angebote. Kein Problem – über 500 Museen haben sich mit Google Arts & Culture zusammengetan und bieten virtuelle Rundgänge und Erklärungen zu Exponaten an.

    Mehr dazu finden Sie hier:

  • Sport

    Wer sich unter normalen Bedingungen bereits häufig einsam fühlt, hat es unter Quarantäne oder im Falle einer Ausgangssperre besonders schwer. Wichtig ist, hier nicht in Depressionen zu verfallen. Sport ist eine gute Methode dagegen, und auch von zuhause ist ein Workout möglich. Sie bekommen den Kopf frei, Glückshormone werden vom Körper ausgeschüttet und ganz nebenbei stärken Sie Ihr Immunsystem.

    Mehr dazu finden Sie hier:

  • Skypen

    Moderne Kommunikationsmedien machen es möglich – fast jeder in Deutschland besitzt ein Smartphone. Videotelefonie ist kein Hexenwerk mehr. Ob per Whatsapp, Facetime, Zoom oder Skype ist Ihnen überlassen. Das ist natürlich nicht dasselbe wie Menschen real zu treffen. Aber wenn die Enkel aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht vorbeikommen dürfen, dann kann das ein Trost sein. Manche Menschen verabreden sich sogar zum gemeinsamen Abendessen oder zu gemeinsamen Flashmobs via Skype. So etwa in Italien, wo die Menschen gegen Einsamkeit und Furcht ansingen. Es gibt also die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen der Einsamkeit zu trotzen.

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  • Reflexion

    Wer vielleicht zwangsweise den Stresspegel herunterfahren muss, bestimmte Aufgaben liegen lassen muss, weil sie nicht vom Homeoffice aus erledigt werden können, hat Zeit zum Nachdenken. Manche Menschen haben sich mit ehemals guten Freunden oder sogar ihren eigenen Kindern oder Eltern überworfen. Zeit, sich Gedanken über den eigenen Anteil zu machen. War es das wert? Und hat der Streitauslöser angesichts realer und existenzieller Bedrohungen überhaupt noch Gültigkeit? Eine Lebensmaxime besagt, man solle sich nie im Streit trennen. Jetzt ist vielleicht der Zeitpunkt für Versöhnungen angebracht.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Haushalt

    Nun gibt es keine Ausreden mehr. Wer sonst den Tag mit Shopping und anderen Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände verbracht hat, konnte nicht aufräumen. Zumindest in der eigenen Logik. Jetzt ist Zeit dafür. Die Abstellkammer, die Sie sich schon seit einem Jahr vornehmen wollen. Oder der Keller, in dem kaputte Zweiträder ihr Dasein fristen und allerhand weiteres Sperrgut. Vielleicht wollen Sie auch schon länger Ihre Räume neu streichen. Zeit für Veränderung!

    Mehr dazu lesen Sie hier:

[Bildnachweis: Kzenon by Shutterstock.com]
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4. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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